Diskriminierung: Rotes Armband während der Periode

Bunte Armbändchen - für manche Norwegerinnen traurige Pflicht am Arbeitsplatz.
Bildquelle: Fotolia Deutschland

Diskriminierung am Arbeitsplatz mal anders

Heute schon so richtig über den Chef geärgert? Die ganze Arbeit mit ihren unmenschlichen Bedingungen verteufelt? Zu der Erkenntnis gekommen, dass das alles hier total unwürdig ist und man das nicht mehr lange mitmachen will? Tja. Vielleicht hilft Ihnen dann ja eine Meldung aus Norwegen über den Job-Frust hinweg. Denn dort hat eine Gewerkschaft aufgedeckt, dass ein Unternehmen seine Mitarbeiterinnen zwingt, während ihrer Periode rote Armbändchen zu tragen.

Von Ursula Willimsky

Wir lernen also: Schlimmer geht immer. Das norwegische Unternehmen begründet die Bändchen-Pflicht übrigens damit, dass diese Mitarbeiterinnen häufiger zur Toilette gehen dürfen als ihre kennzeichnungsfreien Kollegen.

Streit-Thema Toilette - nicht nur bei der Periode

Ja, ja, die "Bedürfnispause". Wann wer wie oft während der Arbeit müssen darf, ist ein heißdiskutiertes Thema. Nicht nur im hohen Norden. In Österreich zum Beispiel regte sich ein Bäckermeister so sehr über die häufigen Toilettengänge einer seiner Angestellten auf, dass er dazu überging, ihre Abwesenheit mit einer Stoppuhr zu protokollieren. Und zwar sekundengenau. Das Ganze rechnete er dann hoch und zog es der Frau von ihrem Urlaubsanspruch ab. Erst als die vor Gericht ging, lenkte er ein.

Zu oft zu lange auf dem stillen Örtchen - Anfang des Jahres gab es zu diesem Thema auch in Deutschland einen Prozess. Die Beteiligten: allesamt Rechtsanwälte. Der eine war Chef, der andere Angestellter. Und just jener Angestellter war nach Meinung des Chefs "über das übliche Maß weit hinausgehend" lange auf der Toilette. Also ließ er von zwei Mitarbeiterinnen das Verschwinden des Anwalts dokumentieren - und kam zu dem Schluss, dass dieser zwischen 8. und 26. Mai insgesamt 384 Minuten auf der Toilette verbracht habe. Auch hier wurde hochgerechnet - und zwar auf die Gesamtdauer des Arbeitsverhältnisses. Und mit spitzem Stift kam der Chef zu dem Ergebnis, dass sein Mitarbeiter 90 Stunden auf der Toilette verbracht habe - und zog ihm dafür etliche hundert Euro vom Nettogehalt ab (die er nach dem Prozess doch überweisen musste).

Nötige Mitarbeiter-Kontrolle oder Diskriminierung?

Immer mal wieder liest man vom Streit über die zulässige Länge von Pinkelpausen, gerne ist das auch Gegenstand von Tarifverhandlungen diverser Branchen in diversen Ländern. Immerhin summieren sich viele kleine Pausen ja je nach Mitarbeiterzahl zu einer großen Menge von Zeit, in der eben nicht gearbeitet wird. Und immer wieder geraten Unternehmen in die Schlagzeilen, weil sie ihren Mitarbeiter zu seltene Ruhepausen gönnen. Und/oder sie bespitzeln und kontrollieren.

Das Unternehmen in Norwegen hat mit seiner Bändchen-Anweisung solchen Diskussionen noch ein kleines Klorollen-Häubchen aufgesetzt. Denn ein rotes Bändchen, das ganz öffentlich jedem zeigt, in welcher Phase seines Zyklus man gerade ist - das hat schon eine ganz besondere Dimension. Und verletzt schon sehr die Privatsphäre. Was kommt als nächstes? Ein graues Bändchen, wenn man mehr als zwei Tage hintereinander schlechte Laune hatte oder niedergeschlagen gewirkt hat? Rosa Bändchen: Achtung, frisch verliebt, gerade nicht zurechnungsfähig? Blaues Band: Gestern zu viel getrunken?

Wie sieht das denn bei Ihnen im Job aus? Kennen Sie auch das Gefühl, dass der Chef Ihnen einen schrägen Blick zuwirft, weil Sie "schon wieder" mal kurz verschwinden? Gibt es andere Punkte, an denen Sie sich kontrolliert und überwacht fühlen? Oder können Sie vielleicht sogar den ein oder anderen Chef verstehen, der glaubt, dass seine Mitarbeiter ihm zu viel Zeit klauen, weil sie zu häufig Pause machen?

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