Starke Frauen - wir alle sind Vorbilder für unsere Kinder

von
Sabine Möller, Möller, Teambilder, Frauenzimmer
Sabine Möller - Redakteurin bei Frauenzimmer.de © Stefan Neumann Fotografie

Das Mädchen will ein FeuerwehrMANN sein

Die Kinder im Kindergarten dürfen sich schon wenige Tage vor Karneval verkleiden. Mein Sohn trägt voller Stolz sein Dinosaurier-Kostüm. Seine Kindergartenfreundin Stella kommt in einer Feuerwehr-Montur. "Oh, eine FeuerwehrFRAU. Sehr cool!" Ihre Mutter korrigiert mich: "Nein, sie legt Wert auf FeuerwehrMANN! Ich hab ihr schon mehrfach erklärt, dass sie aber eine Feuerwehrfrau ist. Möchte sie aber nicht."

Und da steht die kleine Stella, die von Feminismus und Gender noch gar keine Ahnung hat. Sie weiß nicht, dass es ganz normal sein sollte, dass Frau auch immer Männerberufe ausüben kann. Sie weiß nicht, dass Jungen schief angeschaut werden, wenn sie Kleider tragen. Sie hat davon noch nie irgendwas gehört.

Ich glaube nicht, dass es an ihrer Erziehung liegt. An der Reaktion ihrer Mutter habe ich gemerkt, dass sie genauso darauf erpicht ist, ihrer Tochter zu erklären, dass sie als Mädchen eine starke Feuerwehrfrau darstellen kann. Was fehlt sind meiner Meinung nach die entsprechenden Vorbilder für unsere Kinder. Wenn 'Feuerwehrmann Sam' oder 'Bob, der Baumeister' über den Kinderkanal huschen, wundert mich nichts. Ich kenne außer Pipi Langstrumpf keinen einzigen Kinderfilm oder -serie, in der eine weibliche Figur Attribute wie 'stark' oder 'schlau' vertritt. Eine Heldin gibt es in den neusten Kinderserien nicht. Und wenn es eine weibliche Figur gibt, dann kümmert sie sich um den Schreibkram des männlichen Helden. Während 'Bob, der Baumeister' nämlich seinen Hammer schwingt und tolle Bauprojekte entwickelt, nimmt seine Freundin Wendy Telefonanrufe entgegen. Na toll!

Was die kleine Stella braucht, sind Vorbilder. Ihr sollte irgendwann einmal bewusst sein, dass es ok ist, eine Feuerwehrfrau zu sein. Aber eine durchsetzungsstarke und willensstarke Frau, die in diesem Beruf bestehen kann. Eine, die ihren Job mit Stolz und Würde ausführt. Die zu dem steht, was sie erreicht hat und damit glücklich ist. Und wer jetzt unkt, dass es solche Vorbilder nicht gibt, dem rate ich, mal in den Spiegel zu schauen. Sie sind eigentlich überall. Sie begegnen uns tagtäglich. Nur nehmen sie sich selber nicht als solche wahr.

Mein Appell an alle Frauen, die glauben, keine starken Vorbilder zu sein: Denkt und glaubt an euch. In euch steckt mehr. Also steht zu eurem Geschlecht und seid für alle Kinder ein Vorbild.

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