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Stalking: Die fiese Überwachung

Stalking: Die fiese Überwachung
© picture-alliance / Frank Duenzl, Frank Duenzl

Was genau ist Stalking?

Stalking (zu Deutsch ‚Nachstellen’) bedeutet im übertragenen Sinne die andauernde Verfolgung oder Belästigung einer Person in unterschiedlichen Erscheinungsformen. Der Begriff „Stalking“ kommt aus der Jägersprache und bedeutet etwa Pirschen oder Einkreisen der Beute. Wie Jäger sammeln Stalker präzise Informationen über ihre Opfer, beobachten sie an verschiedenen Orten. Manche Stalker belieben auf ewig im Hintergrund, andere nehmen in verschiedenen Formen Kontakt zu ihrem Opfer auf.

Mit dem Begriff Cyberstalking wird die Belästigung und das beharrliche Nachstellen einer Person unter Anwendung und Zuhilfenahme der modernsten technischen Hilfsmittel wie Handy oder Internet beschrieben.

Das Bundesjustizministerium verwendet anstatt des Begriffs „Stalker“ das Wort „Nachsteller“.

Hintergrund des Stalkens ist es, dass der Beobachter irgendeinen Gefallen an seinem Objekt findet. Die meisten Fällen von Stalking entwickeln sich aus einer früheren Beziehung oder Bekanntschaft. Es sind Personen betroffen, die eine Beziehung oder Ehe mit dem Täter beendet oder einen Beziehungswunsch des Täters zurückgewiesen haben. Doch auch Berufsgruppen mit Kundenverkehr, Patienten oder Klienten können Opfer von Beobachtungen werden, wenn dieser sich selbst als Opfer einer Beratung, einer Behandlung oder eines Rechtsstreites oder ähnlichem sieht. Ebenso Konkurrenten in einer speziellen Sparte oder Rivalen, die eine Niederlage nicht verkraften.

Beim so genannten Prominenten-Stalking - das heißt, wenn zum Beispiel ein berühmter Schauspieler oder eine bekannte Sängerin von einem aufdringlichen Fan behelligt werden - kennen sich die Beteiligten dem gegenüber nicht. Studien belegen, dass mehr als 80 Prozent der Opfer von Stalking Frauen sind.

Mögliche Stalking-Handlungen sind vielfältig. Dazu gehören unter anderm:

Telefonanrufe/SMS (zu jeder Tages- und Nachtzeit), häufiger Schriftkontakt per Brief oder E-Mail, Aufenthalt in der Nähe, Verfolgen des Opfers, unerwünschtes Zusenden von Geschenken, Blumen oder Verbreitung von Diffamierungen und Unwahrheiten auf jegliche Art.

Ebenso Anwendung findet das Hinterlassen von Nachrichten an Haustür, Auto, das Erkunden der Tagesabläufe des Opfers, das Betreiben gleicher Freizeitaktivitäten, Bestellung von Waren oder Dienstleistungen auf Namen des Opfers.

Richtig kriminell und übel wird es beim Eindringen in die Wohnung des Opfers oder dem Zerstören von Eigentum.

Wieso ist Stalking Psychoterror?

Von Psychoterror kann deshalb gesprochen werden, weil Stalking in der Regel auf der Wahnvorstellung beruht, das Opfer werde oder müsse die "Zuneigung" erwidern. Wenn das Bemühen um Aufmerksamkeit erfolglos bleibt, kann die Motivation in Hass, Rache oder Vergeltung umschlagen.

Die Leiden der Betroffenen sind vielfältig. Ein Großteil der Opfer leidet unter Unruhe, Schreckhaftigkeit, Kopfschmerzen, diversen Angstsymptomen, Schlafstörungen und Magenbeschwerden und der daraus resultierenden geistigen und körperlichen Erschöpfung. Viele sind schnell gereizt und reagieren dann situationsbedingt unbegründet aggressiv. Ein nicht geringer Teil der Opfer leidet unter depressiven Verstimmungen, einige darunter unter Depressionen.

Bei der Kriminalpolizeilichen Beratung gibt es eine Reihe von Tipps, wie man sich gegenüber Stalkern verhält, wenn man betroffen ist.

Dem Stalker unmissverständlich mitzuteilen, dass jeder Kontakt von ihm, in welcher Form auch immer, unerwünscht und sinnlos ist. Dies sollte kein zweites Mal mehr erfolgen. Eine Ermahnung, mehr nicht. Für eine gute Dokumentation und für eventuelle zukünftige Verfahren wäre es gut, einen Zeugen zu haben, der bei dieser Mitteilung anwesend war oder diese Mitteilung anders bewiesen werden kann. Nach einer Ermahnung gilt: Jeglicher Kontakt zum Stalker vermeiden, keine SMS beantworten, keine Telefongespräche, keine E-Mail-Antworten.

Bei direkten Kontakt soll dem Stalker ausgewichen und der Stalker ignoriert werden. Bei einer Bedrohung ist sofort der Polizeinotruf zu betätigen und, soweit dies möglich ist, andere Personen um Hilfe zu ersuchen. Ziel ist es, durch die ständige und konsequente Ignoranz dem Täter zu signalisieren, dass seine Bemühungen vergeblich sind. Hält man diese Strategie konsequent durch, ist die Chance recht gut, dass der Stalker sein Interesse verliert.

Dokumentieren Sie konsequent die Taten des Stalkers. Alle E-Mails, SMS, alle Mobilboxnachrichten sind aufzuheben, abzuspeichern oder aufzunehmen. Die Anzahl der versuchten Kontaktaufnahmen, sowohl der mittels Kommunikationsmedien als auch der persönlichen, sind in einer Art Tagebuch zu vermerken. Geschenke und Briefe sind wieder zurückzuschicken. Falls man Gegenstände vom Stalker hat, sind diese ebenfalls zurück zu schicken, damit es keine Verbindlichkeiten mehr gibt.

Formen des Stalkings

Stalking: Die fiese Überwachung
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Wie bei jeder Bedrohung gilt auch bei Stalkern; Hilfe holen und nicht verschwiegen in der Ecke sitzen. Familie, Freunde, Bekannte, Nachbarn, eventuell Kollegen. Sie sollten erfahren, was der Stalker im Sinn hat und dass dies unter keinen Umständen gewünscht ist. Vor seinen Manipulationsversuchen sollen sie sich in Acht nehmen. Das Umfeld ist dann vorgewarnt, vielleicht will der Stalker ja auch Kontakt zu Ihnen aufnehmen.

Wenn das Gefühl entsteht, auch in den eigenen vier Wänden sicher zu sein, solletn Stalking-Opfer moderne Sicherheitsschlösser oder sogar Sicherheitstüren einbauen lassen, die Wohnung oder Haus absichern. Von den kriminalpolizeilichen Beratungsstellen werden auch sicherheitstechnische Beratungen durchgeführt.

Die Polizei über die Lage und die Geschehnisse informieren.

Verfolgt der Stalker das Opfer mit seinem Fahrzeug, so soll das Opfer direkt zur nächsten Polizeiinspektion fahren und die Beamten der Dienststelle über die Verfolgung und eventuelle andere bereits getätigte Stalkinghandlungen des Stalkers informieren. Zumindest eine Meldungslegung über den Vorfall wäre sinnvoll, um eine optimale Dokumentation des Geschehenen zu ermöglichen.

Hat der Stalker die Festnetznummer des Opfers, so ist die Anschaffung eines Anrufbeantworters ratsam, um die Anrufe und Mitteilungen des Stalkers zu dokumentieren. Bei unbekannten Stalkern wird die Anschaffung einer Fangschaltung des Telekommunikationsbetreibers angeraten. Auch eine zweite Leitung für ungestörtes Telefonieren ist zu empfehlen. Besitzt der Stalker die Handynummer, so ist es am besten, diese Nummer zu belassen und sich ein zweites Handy zu besorgen. Damit ist es möglich, sich von den Anrufen abzuschirmen, sie aber trotzdem, einschließlich der eingelangten SMS, gut dokumentieren.

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