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Sprachlos nach Geburt: Britin spricht nach Schwangerschaft kein Englisch mehr

Sprachlos nach Geburt: Britin spricht nach Schwangerschaft kein Englisch mehr
Für viele Frauen bedeutet ein Baby das größte Glück. Doch häufig gehen Schwangerschaft und Geburt nicht spurlos an Mutter und Kind vorbei. © Svetlana Fedoseeva - Fotolia

Nach der Schwangerschaft verlernt Britin ihre Muttersprache Englisch

Es klingt unglaublich: Eine Britin, die zweisprachig aufgewachsen ist und fließend Walisisch und Englisch spricht, kann einige Wochen nach der Geburt ihres Kindes kein Englisch mehr. Mit dem Walisischen hingegen hat sie keine Probleme. Die Ärzte im Krankenhaus Prince Philip Hospital in Wales stehen zunächst vor einem Rätsel.

Zunächst gehen die Ärzte der Frage nach, ob die Frau sonstige Beschwerden hat. Dem ist nicht so. Beiläufig erzählt sie, dass sie vor sechs Monaten nach einer völlig normal verlaufenen Schwangerschaft ein gesundes Baby zur Welt gebracht hat. Einige Wochen danach habe sie eine Art Lethargie, also andauernde Müdigkeit und Trägheit überkommen, die sie aber als normale Begleiterscheinung interpretiert habe. Die Ärzte vermuten zunächst ein Gerinnsel oder eine Blutung im Gehirn, sprich einen Schlaganfall. Dank Computertomografie (CT) und Magnetresonanztherapie (MRT) kann diese Vermutung aber ausgeschlossen werden.

Schilddrüsenhormone beeinflussen das Gehirn - und damit auch das Sprachzentrum

Bei einer Untersuchung des Blutes schließlich entdecken die Ärzte eine Auffälligkeit: der Thyroxin-Gehalt im Blut ist signifikant erniedrigt. Das deutet auf eine Unterfunktion der Schilddrüse hin. Außerdem finden die Ärzte Antikörper im Blut der Frau, die auf eine Entzündung der Schilddrüse hindeuten. Obwohl die Patientin ansonsten keine für eine Schilddrüsenunterfunktion typischen Symptome wie Frösteln, niedrigen Blutdruck oder einen Kropf aufweist, behandeln die Ärzte sie mit Thyroxin, um die Unterfunktion zu bekämpfen.

Und tatsächlich hilft die Therapie: Als die Blutwerte der Schilddrüsenhormone wieder normal sind, fühlt sich die Frau fitter - und spricht wieder einwandfrei Englisch. Schuld an der Sprachstörung scheinen also tatsächlich die Hormone gewesen zu sein. Da das Gehirn auf die Schilddrüsenhormone wie Thyroxin angewiesen ist, gehen die Ärzte davon aus, dass durch den Thyroxinmangel das Sprachzentrum beeinträchtigt war. Die Tatsache, dass unterschiedliche Sprachen in verschiedenen Hirnregionen gespeichert werden, erklärt auch, dass nur die englische Sprache, nicht aber die walisische von der Störung betroffen war.

(Quelle: Spiegel Online, 16. November 2013)

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