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Spätabtreibung: eine schmerzvolle Erfahrung

2014 wurden mehr als 580 Abbrüche nach der 22. Ssw durchgeführt.
Von Spätabtreibung spricht man, wenn ein Abbruch nach der 22. Schwangerschaftswoche erfolgt. © dpa, Maurizio Gambarini

Spätabtreibung nach der 22. Schwangerschaftswoche

Im Netz sorgt ein sehr emotionales Thema für Aufsehen. Die Amerikanerin Lindsey Averill berichtet von der schmerzvollen Erfahrung einer Spätabtreibung nach der 22. Schwangerschaftswoche, die sie hinter sich hat. Ihr Baby hatte einen Hirnschaden und wäre schwerstbehindert und kaum überlebensfähig zur Welt gekommen.

Von Christiane Mitatselis

Abtreibungen nach der zwölften Schwangerschaftswoche dürfen in Deutschland nur dann durchgeführt werden, wenn eine medizinische Indikation vorliegt; gemeint ist eine Gefahr für die körperliche oder seelische Gesundheit der Mutter. Schätzungen zufolge werden ungefähr 80 Prozent der Schwangerschaften abgebrochen, wenn so schwere Behinderungen des Ungeborenen festgestellt werden, dass die Mutter mit dem zu erwartenden Konfliktpotenzial überfordert wäre. Oder wenn das Kind aufgrund der Behinderungen keine Überlebenschance hat.

Die häufigsten Gründe für späte Abbrüche sind schwere Herzfehler des Embryos, Fehlbildungen des Kopfes, ein offener Rücken oder das Fehlen innerer Organe. Und auch das Down-Syndrom.

Die Zahl der Spätabtreibungen steigt, und das hängt damit zusammen, dass die Pränatal-Diagnostik immer exakter wird. Das Problem: Einige Fehlbildungen oder Chromosomen-Anomalien können erst nach der 20. Schwangerschaftswoche mit Sicherheit festgestellt werden. Andere Störungsbilder sind fortschreitend und bilden sich erst im späteren Stadium der Schwangerschaft aus.

Spätabtreibungen: 2014 waren es 584 Abbrüche

Für die betroffenen Schwangeren, die erfahren, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt, ist es eine schreckliche Situation. Alles scheint gut zu sein, das Kind bewegt sich bereits - dann werden sie mit einer dramatischen Diagnose konfrontiert und müssen entscheiden, ob sie das Kind zur Welt bringen wollen und können oder nicht. Es gab in Deutschland im Jahr 2014 insgesamt knapp 100.000 Abtreibungen, davon wurden 584 Abbrüche nach der 22. Woche durchgeführt. Zwischen der zwölften und 21. Woche waren es 2100 Fälle.

Seit 2010 ist die Gesetzeslage so, dass zwischen der Diagnose und dem möglichen späten Abbruch drei Tage liegen müssen. Ärzte haben eine Beratungspflicht. Sie können darüber aufklären, wie die Prognose für das Kind aussieht oder ob seine Behinderungen nach der Geburt etwa operativ gemildert werden können. Ärzte müssen die Schwangere zudem an eine psychosoziale Beratungsstelle wie Pro Familia verweisen, die betroffenen Frauen zur Seite steht. Es ist eine schwere Entscheidung, denn auch der Eingriff hat es in sich.

Was viele nicht wissen: Wenn eine Abtreibung nach der 22. Woche erfolgt, handelt es sich im Grunde um eine Geburt. Es werden Wehen eingeleitet. Der Fötus wird aber vorher mit einer Kaliumchlorid-Injektion getötet. Die Frauen bringen dann ein totes Kind zur Welt. Für die Betroffenen kann es die Hölle sein, viele werden auch dann von Schuldgefühlen geplagt, wenn das Kind so stark behindert war, dass es keine Überlebenschance gehabt hätte.

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