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Soziale Phobie: Die Angst vor sozialen Kontakten und wie Sie dagegen vorgehen können

Bild: Soziale Phobie hat unschöne Effekte auf Betroffene
Soziale Phobie kann zur vollkomennen Abkapselung des Betroffenen führen © Getty Images/iStockphoto, g-stockstudio

Was ist soziale Phobie?

Die soziale Phobie ist eine psychische Störung, die sich in erster Linie durch ein großes Schamgefühl und eine verzerrte, negative Selbstwahrnehmung auszeichnet. Rund fünf bis zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen sind davon in Deutschland betroffen. Eine soziale Phobie führt unbehandelt oft zur kompletten Isolation der Betroffenen. Wir erklären Ihnen, woran man diese Angststörung erkennt und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Zwei Prozent der Deutschen leiden an sozialer Phobie

Sich vor anderen Menschen, Freunden oder der Familie zu fürchten ist eine grauenhafte Vorstellung. Die soziale Phobie zählt zu den chronischen Angststörungen und laut dem Deutschen Ärzteblatt leiden zwei Prozent der deutschen Bevölkerung daran.

Betroffene haben enorme Angst vor Kontakten mit fremden Menschen, aber auch mit Familie oder Freunden. Menschliche Beziehungen aufrecht zu erhalten ist für Betroffene folglich sehr schwierig. Die Furcht, von anderen negativ beurteilt zu werden und sich für den eigenen Körper und sein Handeln zu schämen, ist stets präsent.

Soziale Phobie bedeutet häufig auch, nur eine sehr selektive Wahrnehmung zu besitzen und dadurch nur negative Informationen herausfiltern zu können, welche wiederum als Kritik an der eigenen Person gewertet werden.

Soziale Phobie: Wovor fürchten sich Betroffene der Angststörung?

Eine soziale Phobie besteht, wenn der Betroffene große Angst davor hat, im Mittelpunkt zu stehen oder sich beschämt verhält, weil er befürchtet als dumm oder unattraktiv bewertet zu werden. Des Weiteren vermeiden Sozialphobiker unbedingt Aufmerksamkeit und Situationen, in denen Sie von anderen Menschen beobachtet werden könnten. Dazu zählt beispielsweise Essen, Sprechen, Schreiben, Trinken vor einer Gruppe, einen Vortrag halten zu müssen, eine Party zu besuchen, einkaufen zu gehen, zu Telefonieren und generell in Kontakt mit anderen treten zu müssen. Die Angst vor der Blamage ist allgegenwärtig.

Viele Betroffene leiden enorm unter der Krankheit, denn alle Aktivitäten in Gesellschaft stellen eine Qual dar. Ohne Hilfe isolieren sich viele Sozial-Phobiker, schwänzen die Schule, verlieren Job, Freunde, neutrales Denken und gewissermaßen den Bezug zur Realität.

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Wie entsteht und woran erkennt man eine soziale Angsstörung?

Laut dem Diplompsychologen und Psychotherapeut Rudi Merod wird die soziale Phobie häufig im frühen Kindes- und Jugendalter zwischen zehn und 15 Jahren diagnostiziert, davor sei es schwierig, eindeutige Symptome festzustellen.

Die Ursachen für eine soziale Phobie sind nicht eindeutig identifiziert, jedoch können traumatische Lebensereignisse, wie sexuelle Misshandlung oder Verluste (Tod, Scheidung), ein autoritärer Erziehungsstil, dem das Kind nicht gerecht werden konnte, oder Ablehnung der eigenen Person in Form von Mobbing oder Ausgrenzung für die Krankheit verantwortlich sein.

Eine späte oder falsche Diagnose erhöht das Risiko, dass sich die soziale Phobie verschlimmert. Bei einigen Patienten endet die psychosoziale Störung nach einem Zeitraum von etwa 20 bis 30 Jahren.

Zwischen der realen und der befürchten Wirkung auf andere besteht ein großer Zwiespalt, da Sozialphobiker sich fühlen, als würde sich im negativen Sinne alles nur um sie drehen. Denn Betroffene gehen davon aus, dass sie immer von anderen beobachtet werden und rechnen deshalb immer mit negativen Äußerungen.

Außenstehende bemerken die große Angst der Sozialphobiker selten. Oft werden Sie jedoch zum Außenseiter oder Mobbingopfer, weil sie sich als minderwertig erachten, sich dementsprechend eingeschüchtert verhalten und Konfrontationen meiden.

Zu den körperlichen Symptomen zählen unter anderem Erröten, Zittern, Angst zu Erbrechen, Harn- und Stuhldrang sowie Ohnmachtsgefühle.

Wie kann man soziale Phobie behandeln?

Soziale Phobie wird oft mit einer kurzzeitigen Psychotherapie behandelt, die auch von der gesetzlichen Krankenkasse finanziert wird. Eine Kombination mehrere Therapieansätze erzielt die besten Erfolge, jedoch ist die Heilung sozialer Angst ein langwieriger Prozess, da immer wieder therapiert werden muss, um nicht in alte Verhaltensmuster zurückzufallen.

Als am wirksamsten wurde die kognitive Verhaltenstherapie anerkannt, welche die Angststörung problemorientiert behandelt und darauf ausgelegt ist, positive Gedanken und Verhaltensweisen zu trainieren und Vermeidungs- und Sicherheitsmechanismen sowie eine verzerrte Selbstwahrnehmung abzubauen.

Medikamente werden in der Regel nur in Verbindung mit einer Psychotherapie durch einen Psychotherapeuten verabreicht und bekämpfen lediglich die Symptome. Häufig kommen Antidepressiva wie der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer oder Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) zum Einsatz, die die akute Angst unterdrücken.

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