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Sorgerecht verloren: Obwohl der Sohn (2) einen Inhalator braucht, rauchen die Eltern immer weiter

Sorgerecht verloren: Obwohl der Sohn (2) einen Inhalator braucht, rauchen die Eltern immer weiter
© dpa, Julian Stratenschulte

Zweijähriger lag schwer atmend auf dem Sofa

Es ist unglaublich traurig, wenn ein Kind nicht bei seinen leiblichen Eltern aufwachsen kann. Aber in diesem Fall ist es tatsächlich besser so. Die Eltern des zweijährigen Jungen (dessen Name zu seinem Schutz nicht genannt wird) sind extreme Raucher – das Leben zusammen mit ihnen in einer Wohnung wurde einfach zu gefährlich. Das entschied das britische Gericht, nahm das Kleinkind aus der Familie und gab es zur Adoption frei – mit seiner Mutter und seinem Vater wird es nie mehr zusammen leben.

Julien Allen arbeitet seit zehn Jahren als Jugendamtmitarbeiterin, hat aber solch eine dramatische Situation bisher nicht erlebt. Sie beschrieb dem Gericht folgendes Szenario: Als sie die Wohnung der Eltern betrat, konnte sie wahrhaftig eine sichtbare Rauchwolke erkennen, die den Vater und seinen Sohn umringte, "es war so verqualmt, dass ich Schwierigkeiten hatte zu atmen“. Ebenso schwer atmend lag der Sohn auf dem Sofa - neben ihm der Vater mit einer brennenden Zigarette.

Zu diesem Zeitpunkt war der Zweijährige bereits seit vier Wochen erkrankt. Er litt an Durchfall, Übelkeit und hatte obendrein einen Inhalator verschrieben bekommen, um seine Atmung zu unterstützen. Vor allem die Menge der konsumierten Zigaretten in dem Haushalt waren für Ärzte und Jugendamt besorgniserregend.

Vater wurde positiv auf Kokain getestet

Das Jugendamt berichtete dem Gericht ebenso von den katastrophalen Lebensverhältnissen, in denen der Zweijährige lebte: Kabel hingen aus den Wänden, der Fußboden war vermüllt mit Windeln, leeren Zigarettenpackungen, Papier und Essensresten, während die Spielsachen und die Kleidung des Kindes nach Rauch stanken und die Wohnung nach Katzenurin. Die Krönung: Der Vater wurde positiv auf Kokain getestet!

Richterin Louise Pemberton fürchtete vor allem nachhaltige Schäden des zweijährigen Kindes und beschloss demzufolge, es zur Adoption freizugeben. 'BBC' gegenüber erklärt sie: "Die Eltern haben mich nicht davon überzeugt, dass sie ein Bewusstsein dafür entwickelt haben, worum es eigentlich geht. Die Adoption ist derzeit die einzige Lösung".

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