So weit gehen Vermieter: Wohnung gegen Sex?

Massagen und sogar Domina-Spielchen statt Miete?

Der Wohnungsmarkt in Deutschland ist knapp und es wird vor allem für Studenten immer teurer, eine Unterkunft zu finden. Leider gibt es viele, die diese Situation schamlos ausnutzen. Studentinnen wird angeboten: Gegen körperliche Gefälligkeiten darfst du bei mir wohnen. Wie weit junge Frauen für eine Wohnung tatsächlich gehen und wie die Vermieter reagieren, zeigt unser Test.

So weit gehen Vermieter: Wohnung gegen Sex?
Die Studentin Lilia Tolstykh ist bei der Wohnungssuche sexuell belästigt worden.

Immer mehr junge Frauen werden bei der Wohnungssuche Opfer von perversen Vermietern. Lilia Tolstykh ist eine von ihnen. Die 24-Jährige will zum Studieren von Kiel nach Hamburg ziehen. Das Geld ist knapp und die Zeit bis zum Semesterbeginn auch. Im Netz findet sie ein vermeintliches Schnäppchen. Und auch der Vermieter scheint seriös. Ein Irrtum, wie sich bereits bei der Besichtigung herausstellt.

"Er fasste mich bei der Hand. Ich hab mich sehr unwohl gefühlt. Als er mich berührt hat, bekam ich Angst, vor allem, weil ich alleine war", erinnert sich Lilia Tolstykh. Als die junge Frau nach dem Gespräch die Wohnung verlässt, nähert sich ihr der Vermieter im Fahrstuhl erneut. In ihrer Not versucht sie, auch das zu ignorieren, doch die Situation wird noch beängstigender: "Er sagte, dass die Pläne sich ändern, dass er doch noch eine paar Wochen da bleibt und dass wir uns das Wohnzimmer teilen müssen." Das hieße dann, dass sie vielleicht in einem Bett mit ihm schlafen muss oder auf dem Sofa.

Ist Lillia Tolstykh ein Einzelfall? Wie oft nutzen Vermieter die Not junger Frauen bei der Wohnungssuche wirklich aus? Wir inserieren selbst auf eine Anzeigenplattform. Unsere Reporterin gibt sich als Studentin mit kleinem Budget aus. Bereits nach kurzer Zeit erhalten wir die ersten Nachrichten. Ganz direkt fragt man uns nach Sex oder Oralverkehr, Massagen und sogar Domina-Spielchen statt Miete.

Da wir wissen, was uns erwartet, ignorieren wir diese Anfragen und antworten nur auf scheinbar seriöse Angebote. Doch sind diese wirklich seriös? Mit versteckter Kamera trifft unsere Reporterin den ersten potentiellen Vermieter. Bevor er uns die Wohnung zeigt, will er uns kennenlernen und bestellt uns daher in ein Café am Hamburger Hauptbahnhof. Doch Frank, wie sich der Mann im Netz nennt, verspätet sich: "Also ich hab mein Auto bei der Werkstatt abgegeben, bei Porsche. Normal sollte ich ihn heute abholen, aber er ist doch nicht fertig, dann hab ich von meinem Bekannten einen Smart geliehen", behauptet er. Zur Erinnerung: Der vermeintliche Porschefahrer bietet uns ein WG-Zimmer in seiner 73-Quadratmeter-Wohnung.

Wie weit gehen Mietinteressenten?

Dann rückt er plötzlich mit der Sprache raus: "Ich will deine Füße lecken. Und vielleicht kannst du mich auch ein bisschen verwöhnen." "Was stellst du dir da vor?" - "Blasen!" Als wir uns als Reporter-Team outen, zeigt er keine Reue: "Ich nutze niemanden aus." Der Porschefahrer zieht es vor die Flucht zu ergreifen - mit der Bahn.

Doch er ist nicht der einzige mit höchst sonderbaren Vorstellungen einer Mietzahlung. Wir wollen auch herausfinden, wie viel sich Frauen vom Vermieter gefallen lassen. Wann ziehen sie die Notbremse bei zweideutigen Anspielungen? Wir machen den Test und inserieren ein Zimmer. Unsere Angaben: beste Lage und der Preis ist Verhandlungssache. Hauptsache man sei sich sympathisch.

Um die Besichtigungen zu dokumentieren, postieren wir Kameras in allen Räumen.

Die erste Dame scheint von der Wohnung durchaus angetan. Bereits im Vorfeld hatte sie uns mitgeteilt, dass sie sehr dringend eine neue Unterkunft braucht. Doch wie weit ist sie bereit, dafür zu gehen? Beim ersten Gespräch tasten wir uns vor: "Gestern war eine Frau da, die auch kurzfristig einziehen will, weil sie in einer Notlage ist. Die sagte dann, dass sie auch bei mir im Bett schlafen würde. Wenn ich jetzt ihnen das Angebot machen würde, würden sie eher nein sagen?" "Wahrscheinlich schon", sagt die Interessentin. "Ja, das ist halt immer so eine Sache. Geht es dann darum, dass ich hier in die Wohnung rein kann oder ist das dann nur, weil sie Interesse an mir als Person haben." "Auf welche Sachen könnten wir uns denn einigen?" "Ja, das ist so ne Sache." Unser Reporter gibt sich zu erkennen und klärt die verwunderte Frau auf. Sie sagt, sie hätte die Besichtigung abgebrochen, wenn wir noch direkter geworden wären.

Auch die nächste Interessentin kommt pünktlich. Man will ja einen positiven Eindruck beim Vermieter hinterlassen. Unser Reporter versucht ein wenig, mit der jungen Frau zu flirten. Im Laufe des Gesprächs lässt er durchblicken, dass man auch gemeinsam in einem Bett schlafen könnte. "Ich schlafe nicht mit fremden Männern in einem Bett", sagt sie. Eine klare Ansage! Drei weitere Damen, lehnen die unmoralischen Angebote ebenfalls direkt ab. Alle sind erleichtert, dass es sich nur um einen Test handelt.

Lillia Tolstykh hat glücklicherweise nie wieder etwas von ihrem damaligen Wohnungsanbieter gehört. Doch sie ist immer noch geschockt, dass ihr so etwas passiert ist: "Ich habe überhaupt nicht geglaubt, dass so etwas möglich wäre. Weil das einfach anstandslos ist und dreist." Mit sehr viel Glück konnte die junge Frau trotz der schlimmen Erlebnisse ihr Studium pünktlich beginnen. Wie unsere Erfahrungen zeigen, ist es selbst bei seriös wirkenden Angeboten ratsam, eine Wohnung nur in Begleitung zu besichtigen. Zweideutige Angebote von dubiosen Vermietern, sollte man in jedem Fall bei den zuständigen Schutzverbänden melden.

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