So teuer wird eine Scheidung

17.12.12 14:39
So teuer wird eine Scheidung
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Scheidung: Die Kosten im Überblick

Eine Scheidung kostet eigentlich immer eine ganze Menge Geld. Selbst dann, wenn sich die Partner gütlich und ohne viel Stress trennen und alle zu regelnden Angelegenheiten bereits im Vorfeld besprochen und notariell in einem Ehevertrag festgehalten haben.

Bei einer Scheidung fallen auf jeden Fall Gerichts- und Anwaltskosten an. Die Höhe dieser Kosten richtet sich immer nach dem sogenannten Streitwert. Der Streitwert eines Scheidungsverfahrens errechnet sich aus dem in den letzten drei Monaten vor Einreichung des Scheidungsantrages erzielten Nettoeinkommen beider Ehegatten. Für jedes unterhaltsberechtigte Kind ist vor Gericht meist ein Abzug von 250 Euro zulässig.

(Zum Nettoeinkommen zählen übrigens auch Einkünfte aus Kapitalvermögen, Vermietung oder Verpachtung sowie einmalige Zahlungen des Arbeitgebers wie z.B. 13. Monatsgehalt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Steuerrückerstattungen etc.)

Beispiel: Sie verdienen 2.000 Euro netto monatlich, Ihr Partner verdient 1.800 Euro
netto monatlich. Hochgerechnet auf drei Monate, ergibt dies einen Streitwert von insgesamt 11.400 Euro.
Grundsätzlich lässt sich sagen, je besser der gemeinsame Verdienst, umso höher die Gerichts- und Anwaltskosten.

Bei einer Scheidung erhalten nun sowohl das Gericht als auch der Rechtsanwalt nicht direkt den für Sie ausgerechneten Streitwert, sondern lediglich einen exakt festgesetzten Bruchteil des Streitwerts. Dazu gilt für die Gerichtskosten die Gerichtsgebührentabelle. Die Anwaltskosten richten sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Dabei gelten unterschiedliche Sätze für West- und Ostdeutschland.

Scheidung: So berechnet sich der Streitwert

Auf jeden Fall berechnet werden
- Gerichtskosten, sie berechnen sich nach dem Streitwert, also dem Nettoeinkommen beider Partner
- Rechtsanwaltsgebühren pro Rechtsanwalt, beinhaltet Verfahrensgebühr (bezieht sich u.a. auf das Einreichen des Scheidungsantrags bei Gericht und auf den Schriftverkehr, den der Anwalt für Ihr Verfahren tätigt) und Terminsgebühr (bezieht sich auf die Anwesenheit und Tätigkeit Ihres Anwalts beim Scheidungstermin vor Gericht).


Beispiel 1:
Bei einem Streitwert von 6.168 Euro entstehen als Verfahrenskosten:
a) Gerichtskosten von 302 Euro
b) Rechtsanwaltsgebühren pro Rechtsanwalt: 1.110,70 Euro inklusive Mehrwertsteuer
(In den Rechtsanwaltsgebühren ist eine Gebühr für die Einleitung des Verfahrens und eine Gebühr für das Verhandeln vor Gericht enthalten).

Beispiel 2:
Bei einem Streitwert von 10.250 Euro entstehen als Verfahrenskosten:
a) Gerichtskosten von 438 Euro
b) Rechtsanwaltsgebühren pro Rechtsanwalt: 1.548,60 Euro inklusive Mehrwertsteuer
(In den Rechtsanwaltsgebühren ist eine Gebühr für die Einleitung des Verfahrens und eine Gebühr für das Verhandeln vor Gericht enthalten).

Wollen Sie vor Gericht auch das Sorgerecht für ein Kind geltend machen, kommt es Sie insgesamt billiger, wenn das Sorgerechtsverfahren zusammen mit der Ehescheidung geltend gemacht wird. Wenn vor Gericht erst die Ehescheidung vollzogen wird, folgt darauf ein separates Sorgerechtsverfahren und die Kosten werden teurer.

Beispiel 2 mit Sorgerechtsverfahren:
Zu einem Streitwert von 10.250 Euro als Verfahrenskosten kommen noch die Kosten für das Sorgerecht von 900 Euro. Insgesamt also: 11.150 Euro

Gerichtskosten: 438 Euro
Rechtsanwaltskosten pro Rechtsanwalt: 1.548,60 Euro
Kosten insgesamt bei einem Rechtsanwalt: 1.986,60 Euro inklusive Mehrwertsteuer


Wichtige Faustregel: Je mehr Ihr Anwalt bei der Scheidung regeln und klären muss und je mehr weitere offiziell beauftragte Fachkräfte wie Notare etc. am Verfahren beteiligt sind, umso schneller steigen Ihre Kosten.
Deshalb ist es gut, mit ihrem Partner möglichst viel außergerichtlich zu klären und aufzuteilen.

Indes empfehlen Experten, den sogenannten Zugewinnausgleich nicht in das Scheidungsverfahren hineinzuziehen, sondern nach Möglichkeit außergerichtlich untereinander zu regeln. Denn anderenfalls können die Gerichts- und Anwaltskosten ganz beträchtlich steigen. Der Zugewinnausgleich findet statt, wenn ein Ehepartner im Laufe der Ehe mehr Vermögen als der andere Ehepartner angehäuft hat (Aktien, Erbe, Schuldenabbau). Der Gewinn wird dann auf beide Eheleute verteilt.

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