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So schlecht ist die Beratung in Schönheitskliniken

Qualitäts-Prüfer untersuchen Schönheitskliniken
Die richtige Beratung durch den Arzt ist auch bei Schönheitsoperationen sehr wichtig. © Fotolia Deutschland

Anonyme Tester prüfen Beauty-Ärzte

Der Traum vom perfekten Körper: Immer mehr Deutsche lassen sich beim Plastischen Chirurgen ihre vermeintlichen Makel wegoperieren. Aber weil die Beauty-Op ein Eingriff in den Körper darstellt, der schwerwiegende Folgen haben kann, ist eine umfassende Beratung wichtig. Das Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ) hat mit Undercover-Testern die Aufklärung der Schönheitskliniken überprüft - mit teilweise erschütternden Ergebnissen.

Untersucht wurden neun große Schönheitskliniken in ganz Deutschland. In jeder Klinik führten die Tester je drei Beratungsgespräche zu den Themen Nasenkorrektur, Brustvergrößerung sowie Fettabsaugung. Die Gespräche fanden anonym statt, die Tester haben sich nicht als solche zu erkennen gegeben.

Im Mittelpunkt der Analyse stand die Kompetenz der Ärzte bei den persönlichen Gesprächen. Außerdem wurde die Servicequalität am Telefon bewertet.

Außen immer hui, innen oft pfui

Auf den ersten Blick machten die Schönheitskliniken einen guten Eindruck: Schicke, saubere Räumlichkeiten empfangen die Kundschaft, das Personal ist freundlich. Aber bereits beim ersten Informationsgespräch trennt sich die Spreu vom Weizen.

Bei jedem zweiten Gespräch wurden den DISQ-Mitarbeitern die Vor- und Nachteile der jeweiligen Operationsmethoden unzureichend erklärt. Bei zwei Drittel der Patienten fragten die Ärzte nicht nach wichtigen Lebensumständen. Und in fast jedem zweiten Gespräch wurden die Tester nicht umfassend genug über die Operationsrisiken aufgeklärt und sogar mit der Aussage "es gibt keine" oder "sind bei uns nie vorgekommen" konfrontiert.

Dr. Klaus Müller, Chefarzt der Abteilung für Plastische und Ästhetische Chirurgie in der Asklepios Klinik Wandsbek in Hamburg, hat die Studie begleitet und kritisiert seine Kollegen scharf: "Im Hinblick auf mögliche Komplikationen wie der Beschädigung von Nerven, Infektionen oder sogar Thrombosen sind unvollständige oder gar verschleierte Informationen unverantwortlich."

Vier von neun Kliniken konnten durch eine gute oder sogar sehr gute Beratungsqualität überzeugen. Die Fachärzte nahmen sich viel Zeit für die Patienten und analysierten im Vorfeld deren Krankengeschichte und die Hintergründe für den Eingriff genau. Außerdem sprachen sie offen über möglich auftretende Risiken und Probleme. Zwei der untersuchten Kliniken fielen besonders positiv auf, weil bei ihnen offenbar nicht nur das Geschäft im Vordergrund steht: Sie rieten einer jungen Patientin von einer Operation ab.

Sieger der Studie „Beratung in Schönheitskliniken 2011“ wurde übrigens die Heidelberger Klinik Proaesthetic. Das Urteil des Deutschen Instituts für Service-Qualität: "Die Ärzte berieten hier am kompetentesten und zeigten großes Einfühlungsvermögen bezüglich sensibler Themen."

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