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So bekommt Ihr Kind Nachhilfe - und zwar gratis!

Auch Kinder, deren Eltern nicht so viel Geld haben, haben einen Anspruch auf Nachhilfe. Der Staat muss zahlen!
Auch Kinder, deren Eltern nicht so viel Geld haben, haben einen Anspruch auf Nachhilfe. Der Staat muss zahlen! © dpa, Felix Heyder

Hartz IV-Kinder haben Anspruch auf Kostenübernahme

Wer schlecht in der Schule ist, bekommt eben Nachhilfe. So einfach ist das, wenn die Eltern Geld haben. Doch wer auf jeden Euro schauen muss, hat oft kein Geld für teure Extra-Lernstunden der Kinder. Was jedoch die Wenigsten wissen: Kinder von Hartz IV-Empfängern haben ein Recht auf Nachhilfe - und zwar für lau.

Zehn Jahre nach der schockierenden Pisa-Studie zeigt sich, dass sich nicht viel getan hat hinsichtlich der Chancengleichheit an deutschen Schulen. Der erste "Chancenspiegel", den das "Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung" (IfS) Im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zusammengestellt hat, zeigt: Kinder sozial schwacher Eltern sowie Kinder mit Migrationshintergrund haben noch immer deutlich geringere Chancen, nach der Grundschule ein Gymnasium zu besuchen, als Kinder aus Akademikerfamilien. Und die Anforderungen an Schüler in Deutschland nehmen - unter anderem aufgrund der verkürzten Schulzeit von zwölf statt 13 Jahren - immer weiter zu.

Experten schätzen, dass deshalb rund eine Million Schüler im Land Nachhilfe-Unterricht erhalten. Billig ist dieser Weg zum Schulerfolg nicht. Allerdings gibt es auch Nachhilfe bei der Finanzierung: Seit der Hartz IV-Neuregelung 2011 haben auch Kinder aus nicht so wohlhabenden Familien einen Anspruch auf Förderung: Das Jobcenter muss zahlen!

Kostenlose Angebote haben Vorrang, wenn sie ausreichen

Der Staat finanziert eine „ergänzende angemessene Lernförderung“. Diese muss „geeignet und zusätzlich erforderlich“ sein, um die „nach den schulrechtlichen Bestimmungen festgelegten wesentlichen Lernziele zu erreichen“. Was kompliziert klingt, ist eigentlich ganz einfach: Lassen Sie sich einfach vom Klassen- oder Fachlehrer Ihres Kindes eine kurze Bescheinigung geben, dass er Nachhilfe für sinnvoll hält.

Dabei hat die kostenlose Nachhilfe an der Schule – etwa in Förderunterrichtsstunden – Vorrang vor Bezahlangeboten. Wenn es jedoch keinen kostenlosen Förderunterricht gibt oder dieser nicht ausreicht, dann muss der Staat auch private Nachhilfe bezahlen. Einen exakten Kostenrahmen gibt es nicht. Es gilt nur, dass der Stundensatz ‚ortsüblich‘ sein muss.

Manchmal stellen sich die Ämter und Jobcenter aber auch stur und lehnen die Zahlungen ab. Eine mündliche Auskunft wie: „Das kommt in Ihrem Fall nicht in Frage“, sollten Sie sich auf jeden Fall schriftlich geben lassen. Dann können Sie gegen diesen Bescheid Widerspruch einlegen und als letzte Option klagen.

Bestenfalls wird die Nachhilfe aber genehmigt. Mit Hilfe des Bildungsgutscheins bekommen Schüler gleich in zwei Fächern Nachhilfe. Und damit stehen die Chancen gut, dass auch Ihr Kind noch die Kurve kriegt.

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