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Smartphone-Sucht raubt Lebenszeit: So drosseln Sie den Handykonsum

"Es ist so traurig, dass die Technologie, die dafür gemacht worden ist, uns zusammenzubringen, uns eigentlich auseinanderbringt"

Wer kennt es noch?: „Das Radio verbindet, der Discman trennt.“ Dieses Prinzip kann man ungefähr auch auf unsere Smartphone-Liebhabe anwenden. Einst zum Kommunizieren gedacht, bringt es uns nun zur selbstverschuldeten Isolation. "Es ist so traurig, dass die Technologie, die dafür gemacht worden ist, uns zusammenzubringen, uns eigentlich auseinanderbringt", sagt der Londoner Künstler Babycakes Romero. Er hat Menschen in Alltagssituationen abgelichtet, die auf ihr Handy starrten anstatt sich zu unterhalten.

Eine Straßenbahnfahrt zur Rush-Hour. Bei einem Blick durch das Abteil fällt auf: Obwohl viele Menschen gedrungen nebeneinander stehen, hat fast jeder vor sich noch Platz gehalten für einen vorgebeugten Kopf, die Nase dicht an sein Smartphone gepresst. Denn: Ohne Smartphone geht es nicht. Und mit Unterhaltung irgendwie auch nicht.

Informatikprofessor Alexander Marcowetz hat eine App entwickelt, die die Minuten misst, die wir mit dem Smartphone verbringen. Dabei registriert sie die Zeit, in der das Handy aktiv ist. In einem Experiment mit 300.000 Menschen kam heraus, dass der Otto-Normal-Verbraucher zweieinhalb Stunden pro Tag am oder mit dem Handy verbringt. Dabei stellt er heraus: Die Zeit wird nicht am Stück vor dem Smartphone verbracht, sondern innerhalb von 50- 60 Interaktionen pro Tag.

Multi-Tasking funktioniert nicht

Mit der Verbreitung der Smartphones ist auch die Verletzungsstatistik im Straßenverkehr gestiegen. Sogar im Auto wird vor der Benutzung des Handys kein Halt gemacht - obwohl es verboten ist! Doch auch Radfahrer und Fußgänger lösen Unfälle aus, indem sie den Verkehr ignorieren und lieber auf ihr Handy starren. Nicht umsonst gibt es mittlerweile gepolsterte Laternen in London...

Diese Gegebenheiten unterstützen die Aussage des Experten, der nichts von Multi-Tasking hält. Ein Handy könne nicht parallel zu einer weiteren Aufgabe betreut werden. Und trotzdem lenkt es uns durchschnittlich alle 15 Minuten ab. Um sein Smartphone-Verhalten zu verbessern, empfiehlt Professor Marcowetz das Ziel zu setzen, sich für einen längeren Zeitraum der Hauptbeschäftigung zu widmen, bis ein signifikanter Fortschritt eintrifft.

In unserem Video haben wir die 21-jährige Nicole begleitet, die sehr stark an ihr Smartphone gebunden ist. Sie versucht ihr Handy-Verhalten mit der App zu messen und kommt auf eine erschreckend hohe Stundenanzahl, sodass sie sich auf Maßnahmen einlässt, wie sie ihr Smartphone-Verhalten zurückschraubt. In der Familie, die wir begleitet haben, wird der Versuch gestartet, die Kids so von ihrem Tablet und Smartphone weg zu lotsen. Wie das gelingt und was alles hilft gegen den ständigen Drang ans Handy zu gehen, sehen Sie im Video.

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