Skandal um Garnelen: Sklavenarbeit für Produkte von Aldi Nord?

Skandal um Garnelen: Sklavenarbeit für Produkte von Aldi Nord?
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Sklavenarbeit für Garnelen von Aldi Nord?

Der Wirbel um angebliche Sklavenarbeit auf Fischereischiffen in Thailand erreicht jetzt Deutschland. Die Discount-Kette Aldi Nord hat in einer Stellungnahme, die der 'Süddeutschen Zeitung' vorliegt, bestätigt, dass sie Garnelen des Zulieferers ‚apetito convenience‘ verkauft, für deren Zucht Fischmehl verwendet wird, das unter menschenunwürdigen Umständen hergestellt worden sein soll. Der thailändische Konzern ‚Charoen Pokphand Foods‘ (CP Foods) kauft dieses „sklavisch“ hergestellte Fischmehl und verfüttert es an Garnelen, die anschließend bei Aldi Nord im Tiefkühlregal landen.

Nicht nur Aldi Nord, sondern auch zahlreiche andere Lebensmittelketten in der ganzen Welt, unter anderem auch Walmart, arbeiten so indirekt mit CP Foods zusammen. Aldi Süd verneint jegliche Geschäfte mit dem Unternehmen. Konkret geht es um die Produkte „Spaghettinester” in den Varianten „Garnelen in Weißweinsauce” und „Kräuter-Olivenöl”. Aldi Nord hat sie in Deutschland im Sortiment.

Eine investigative Recherche von Reportern der britischen Zeitung ‚The Guardian‘ hat ans Licht gebracht, unter welchen Bedingungen Menschen auf Fischkuttern arbeiten, die CP Foods mit Fischmehl beliefern.

Bei den Schiffen handelt es sich um sogenannte „Geisterschiffe“, auf denen Menschen arbeiten, die zuvor an die Schiffskapitäne für etwa 300 Euro als Sklaven verkauft werden. Die bekommen offenbar kein Geld für ihre Arbeit, dürfen die Schiffe nicht verlassen, da sie dem Kapitän „gehören“. Oft sehen sie Jahre lang kein Land. Misshandlung und sogar die Tötung von nicht leistungsfähigen Arbeitern oder von Männern, die fliehen wollen, sei üblich.

Bei den hinrichtungsartigen Tötungen müssten sie zusehen und auch bei Selbstmorden von Leidensgenossen, die der Situation nicht anders entkommen können. 20-Stunden-Schichten und Folter seien an der Tagesordnung, berichten einige Männer, denen die Flucht gelungen ist und die sich den Reportern von ‚The Guardian‘ anvertrauten.

Aldi Nord will Zusammenarbeit beenden

Meist handelt es sich um Männer aus armen Ländern wie Kambodscha und Myanmar, die in Thailand in die Fänge sogenannter „Arbeitsvermittler“ gerieten, die sie dann an die Geisterschiffe vermitteln. Die Fischer ziehen bei ihrer Arbeit nicht essbaren Fisch ans Land, der in Fabriken transportiert und dort zu Fischmehl verarbeitet wird. So landet dieses Fischmehl dann auch im Magen von Aldi-Nord-Garnelen.

„Sollten sich die erhobenen Vorwürfe bestätigen, werden wir umgehend Sanktionen einleiten“, so Aldi Nord in der Stellungnahme, die der 'Süddeutschen Zeitung' vorliegt. So wolle man die Produkte aus dem Sortiment nehmen und die Zusammenarbeit mit CP Foods und ‚apetito convenciance‘ beenden. Mit ‚apetito convenience‘ habe Aldi zu Beginn der Zusammenarbeit vereinbart, dass die Garnelen einem bestimmten Standard für Aquakultur entsprechen und geprüft sind. Jetzt habe Aldi Nord das Zertifizierungsunternehmen, das die Garnelen prüft, um eine Stellungnahme gebeten.

Grundsätzlich distanziert Aldi Nord sich von der aktuellen Problematik: "Menschenverachtende Produktionsbedingungen, wie die im Guardian geschilderten, sind verwerflich und werden von der Unternehmensgruppe Aldi Nord auf das Schärfste verurteilt."

CP Foods räumte in der Zwischenzeit ein, „von Problemen in Bezug auf die Rohmaterialien", die geliefert worden seien, gewusst zu haben. „Aber wir haben keinen Einblick in die Ausmaße, die sie angenommen haben.“

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