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Singles im Sommer: Darum leiden jetzt so viele Alleinstehende

Liebeskolumne
Birgit Ehrenberg

Warum es Singles im Sommer besonders schwer haben

Landläufig herrscht die Meinung, dass der Frühling jene Jahreszeit ist, wo es bei den Singles das schlimme Kribbeln losgeht, so dass es selbst den wirklich freiwilligen Singles schwer fällt, Single zu bleiben. Den unfreiwilligen Singles noch viel mehr. Um es mit einer Metapher auf den Punkt zu bringen: Die Sehnsucht keimt gewissermaßen gleichzeitig mit der Natur. Die Triebe treiben bei Mensch und Baum. Bleibt die Sehnsucht der getriebenen Singles unerfüllt, ist der Kummer gerade im Frühling groß.

Manche mögen einwenden, dass der Frühling aber doch gerade wegen all des Blühens und Gedeihens eine hoffnungsvolle Zeit ist. Im Gegensatz zum melancholischen Herbst und zum düsteren und kalten Winter, wo man eher traurig wird, weil keiner zum Küssen und Kuscheln da ist.

Ich beende die Diskussion hier mit meiner Meinung, auf Erfahrung gegründet: Weder Herbst noch Winter noch Frühling machen dem Single das Leben richtig schwer. Alles noch aushaltbar. Emotionale Peanuts! Es ist vielmehr der Sommer, der an einem zehrt.

Grund: Der Sommer ist einfach die sinnlichste Jahreszeit. Auch aus dem banalen Grund, dass die Menschen wenig anhaben. Ein Freund von mir, der allein lebt, schreibt mir häufig verzweifelte SMS, dass er überall Busen sieht, die Busen verfolgen ihn nachgerade.

Klar, in der U-Bahn, im Supermarkt, im Büro, überall turnen Frauen in Sommerkleidern herum, zeigen munter, was sie haben: Busen, Beine, Po.

Mein armer Freund. Er kann sich manchmal kaum auf seine Arbeit konzentrieren, verfällt ins komatöse Starren auf all die Oberweiten. Ich wünsche ihm, dass er in diesem Sommer an eine Frau kommt, die ihn liebt und die er liebt.

Sehnsucht wird durch Wärme ausgelöst

Wir Frauen sind nicht derart gepolt auf körperliche Reize wie Männer. All die Bauarbeiter mit ihren Muckis, die man jetzt sehen kann, weil sie mit freiem Oberkörper werkeln, lassen die meisten Frauen kalt. Auch die Männer, die kurze Hosen tragen, machen uns nicht an. Im Gegenteil. Da ist Verhüllung das Gebot der Anziehung. Ein gutsitzender Anzug ist eine sexuelle Verheißung.

Dennoch sind wir Frauen nicht gegen die Sehnsucht gefeit. Wir empfinden das Gleiche wie mein Freund: Sehnsucht! Ausgelöst durch die Sonne, die Wärme, den Himmel.

In Frühlingsnächten braucht man noch eine Decke nachts. Man liegt unter dem Federbett, es wärmt Körper und Seele. Immerhin.

Laue Sommernächten sind brutal, da liegt man ohne Decke auf den Laken, ist nackt in jeder Hinsicht. Und möchte sich hemmungslos herumwälzen mit einem Menschen, der zu einem gehört. Der Sommer ist die Zeit der Sehnsucht, einer drängenden Sehnsucht, einer, die unter die Haut geht. Ein Kribbeln wie von Tausend Ameisen.

Mein Freund geht dieser Sehnsucht mitunter nach, indem er einfach einer Frau nachgeht, deren Oberweite ihn lockt. Dann hat er bisweilen einen ONS, das entspannt ihn, am nächsten Tag jedoch ist er wieder voller Sehnsucht. Es kribbelt ihn wieder in der Hose, mehr aber noch im Herzen. Er leidet. Die Single-Frauen leiden. Sommer-Singles sind echt ein trauriges Trüppchen. Es verlangt sie nach Liebe. Das ist wie ein Sog.

Was ich damit sagen will, ist: Der Sommer hat es in sich.

Die gute Nachricht: Der Sommer fängt gerade erst an! Die Liebe kann gerade aus einem heiteren Himmel besonders schnell über einen kommen. Darauf muss man einfach vertrauen. Vertrauen in die Liebe, das ist sowieso psychologisch gesehen die halbe Miete fürs Liebesglück. In jeder Jahreszeit.

Alles Liebe! Eure Birgit

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