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Singles ab 30: Jetzt wächst der Druck von Freunden, Familie & Co.

Ab 30 wächst der soziale Druck
Single-Studie: Ab 30 wächst der soziale Druck © Sergej Khackimullin - Fotolia

Finden Singles ab 30 noch einen Partner?

„Liebchen, dann zieh dich doch mal ein bisschen freundlicher an und lächel, dann wirkst du gleich viel netter“. Dieser mütterliche Augenroll-Satz schoss uns sofort durch den Kopf, als wir gelesen haben, dass Singles ab 30 nicht nur ihr Allein-Sein zusetzt, sondern auch Freunde und Familie. Genauergesagt, der Druck, den Freunde und Familie ausüben, sobald jemand in den besten Jahren nicht in festen Händen ist. "Und? Wie sieht´s bei dir mit der Liebe aus? Tut sich da endlich was?“ - der Satz mag lieb gemeint sein, aber er nervt. Vor allem, wenn man ihn von der glücklich verheirateten Freundin zu hören bekommt, und noch "vor allemener", wenn die dabei ihrem zweiten Kind zart den Schnulli in den Mund stöpselt.

Von Ursula Willimsky

Wie Freunde und Verwandte eine Frau, die gerade ohne Partner ist, tatsächlich unterstützen können - und was Singles unternehmen können, darüber sprachen wir mit Markus Ernst, Diplom-Psychologe bei einer Online-Partneragentur. Es gibt kaum einen Single zwischen 30 und 39 Jahren, bei dem der Beziehungsstatus im privaten Umfeld keine Rolle spielt. "Mehr als ein Drittel von ihnen wird regelmäßig von Freunden oder Familienmitgliedern gefragt, ob sie sich denn keinen Partner wünschten. In keiner anderen Altersgruppe wird Alleinstehenden diese Frage häufiger gestellt. Dass die biologische Uhr tickt, haben bereits 42 Prozent der Singles von Freunden und Verwandten gesagt bekommen“, heißt es in einer repräsentativen Umfrage von Parship.

Danke für die Info, liebe Tante. Das mit dem gebärfähigen Alter wissen Frauen aber auch ohne ständige Erinnerung daran. Und außerdem wissen sie, dass Druck in Liebesdingen nur sehr selten etwas Gutes bewirkt. Manchmal sogar Trotz: In den vergangenen Jahren sorgten einige Frauen für Schlagzeilen, weil sie sich selbst geheiratet hatten, um der ständigen Fragerei "Und? Wann heiratest du?" zu entkommen. Jetzt passt ihr Beziehungsstatus. Und auf die Frage: "Na, wie klappt´s mit dir?“ können sie hoffentlich wahrheitsgemäß "supi!" antworten.

Die häufigen Fragen implizieren ja auch ein bisschen, dass man selbst schuld ist an seinem Beziehungsstatus, dass irgendwas mit einem selbst nicht stimmt. Dass man einen "Makel" hat, weil man keinen Partner hat, während gefühlt der komplette Freundeskreis in den Wir-sind-ein-glückliches-Paar-Modus fällt. „Gerade Freunde und Verwandte sollten da die eigene Einstellung überprüfen, gerade angesichts der aktuellen Scheidungszahlen", sagt Ernst. "Man muss zwar nicht versuchen, die Frage krampfhaft zu umgehen, aber man sollte lieber die Freundin als Mensch positiv bestärken. Öfter mal ins Gespräch einfließen lassen, was man ihr so ganz besonders schätzt, oder dass sie heute mal wieder toll aussieht." Das stärke das Selbstwertgefühl, was ja auch bei der Partnersuche nicht unerheblich sei.

Ab den Dreißigern wird die Partnersuche schwieriger

In den Dreißigern, so die Erfahrung des Single-Coaches, wird die Partnersuche zwar schwieriger als noch Anfang zwanzig, als man „jede Woche auf einer Party eingeladen war. Und es auch noch ganz normal war, keinen festen Partner zu haben.“ Aber sie ist nicht unmöglich. Auch wenn die Bridget-Jones-sche Angst, irgendwann einmal vereinsamt in der Wohnung vom eigenen Schäferhund angeknabbert zu werden, als Antriebsfeder übertrieben ist: Zwei Drittel der Singles in den Dreißigern wünschen sich tatsächlich einen Partner. Aber „erstaunlicherweise ist es meist das Umfeld, das Singles zwischen 30 und 40 Jahren eine gewisse Torschlusspanik nahelegt und damit signalisiert, dass etwas nicht in Ordnung ist. Hier ist es wichtig, selbstbewusst und ohne das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen, das eigene Liebesglück in die Hand zu nehmen und sich nicht verunsichern zu lassen", empfiehlt Psychologe Ernst.

Was ab und zu schwer fallen mag, wenn man mal wieder einen Abend mit Freunden verbracht hat, die als Pärchen in die Bar gekommen sind und auch als Pärchen wieder gehen. Während man selbst in seinen Aperol-Sprizz starrt und sich überlegt, ob der Kollege, der einen immer so komisch anlächelt, vielleicht doch nicht so doof ist, wie man immer glaubte. Pärchen-Abende sorgen für Verdruss. Wenn man hingeht - oder wenn man erfährt, dass man gar nicht erst eingeladen wurde. Bei der Umfrage sagten 42 Prozent der Single-Frauen, dass sie schon einmal den Eindruck hatten, wegen ihres Single-Daseins nicht zu Anlässen im Freundes- oder Familienkreis eingeladen worden zu sein (bei Männern trifft das nur auf jeden fünften zu).

Psychologe Ernst gibt Leuten, die ihre bindungswillige Freundin unterstützen wollen, den Tipp, sie auch weiterhin zu "Pärchen-Abenden" einzuladen. Sich aber auch öfter mal mit ihnen allein zu treffen. Ohne Partner. Und sich nur Zeit für die Freundin zu nehmen (Stichwort: Steigerung des Selbstwertgefühls. Und Spaß macht so ein Weiberabend ja auch).

Ach ja: Der guten alten Kuppelei gibt der Single-Coach übrigens auch eine Chance. Aber nicht, wenn sie mit der der-Typ-sieht-aber-süß-aus-sprich-den-doch-mal-an-Brechstange daherkommt, sondern subtil. Indem man zum Beispiel eine Party oder ein Essen gibt, und eben nicht nur Pärchen einlädt, sondern auch Single-Männer. Der Rest kann sich dann von selbst ergeben. Muss aber nicht.

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