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Single-Gen endeckt: Hormon-Mangel macht einsam!

Single-Gen entdeckt: Ist eine glückliche Beziehung genetisch bedingt?
Single-Gen entdeckt: Ist eine glückliche Beziehung genetisch bedingt? © la_balaur, unknown

Singels sollen das Single-Gen haben

"Schatz, ich würd' dich ja wirklich gerne heiraten und von dir Kinder bekommen. Aber ich kann einfach nicht, ich hab für so was einfach zu wenig Oxytocin." Super-Ausrede für alle, die sich nicht binden wollen. Und nicht ganz so gute Nachricht für alle, die sich so sehr eine dauerhafte Beziehung wünschen und es irgendwie nicht hinbekommen. Schwedische Forscher vom Karolinska Institut haben laut Presseberichten ein Single-Gen gefunden. Dieses Gen sorgt dafür, dass diese Frauen weniger Oxytocin produzieren als andere Frauen. Und genau dieses Oxytocin, ein Hormon, ist in unserem Körper für Liebe und Bindung zuständig.

Von Ursula Willimsky

Untersucht wurden 1.800 Frauen. Nur wenige Frauen, die das Gen in sich trugen, trugen am Finger einen Ehering. Und bei denen, die Gen und Ehemann hatten, kam es häufiger zu Krisen als bei Frauen ohne Single-Gen. Ist doch irgendwie gemein, dass irgendein ominöses Gen oder Hormon schuld daran sein soll, dass manche ihr Leben lang allein bleiben.

Dabei ist Oxytocin eigentlich gar nicht so ominös. An ihm und um ihn herum wird schon seit Jahrzehnten geforscht. Schon lange war bekannt, dass dieser Botenstoff bei Geburt und Stillen eine wichtige Rolle spielt. Und wohl auch die Bindung zwischen Mutter und Kind beeinflusst (Babys Gehirn schüttet nach dem Stillen Oxytocin aus). Dann widmete sich ein Biologe dem Stoff. Sein Versuchsobjekt waren allerdings keine Frauen, sondern Mäuschen. Die Präriewühlmaus und die Bergwühlmaus. Die Prärie-Tiere leben in innigen, lebenslangen Partnerschaften – die Bergwühlmäuse tendieren zu Polygamie und Single-Dasein. Warum? Weil sie weniger Oxytocin-Rezeptoren im Gehirn haben als ihre Flachland-Verwandtschaft. Mit Hormongaben konnten die Forscher aber jede eingefleischte Single-Maus zu einer gesitteten Familienmaus umpolen. Andersherum - durch Gabe von Blockern – funktionierte das Experiment ebenfalls.

Das Single-Gen manipulieren?

Nun sind Menschen natürlich keine Mäuse, aber in diesem Fall reagieren sie recht ähnlich. Inzwischen weiß man, dass Menschen nach Oxytocin-Gaben vertrauensseliger werden. Und: Sie können oft die Gefühle ihrer Mitmenschen besser einschätzen als vorher.

Zudem steht der Botenstoff in dem Ruf, die Fähigkeit zu sozialen Kontakten zu verstärken und Ängste abbauen zu helfen. Und – ein erfreulicher Nebeneffekt für die Damen: Oxytocin macht Männern nicht nur Lust, sondern es macht die Männer auch schmusiger, weshalb es gerne auch als "Kuschel-Hormon" tituliert wird.

Aber Vorsicht: Zu viel von dem Hormon sollte man sich nicht gönnen, sonst kann es zu, sagen wir mal irritierenden, Verhaltensänderungen kommen. Die "Süddeutsche" zum Beispiel berichtet über einen Versuch, bei dem ein Mann zwei Mal täglich eine Dosis Oxytocin nahm. Es stellten sich zwar alle obengenannten angenehmen Nebenwirkungen ein, der Mann "umarmte aber auch einen Arbeitskollegen auf eine Art und Weise, die für Männer unüblich sei".

Frauen haben es da offenbar leichter, sie sind an den Botenstoff gewohnt. Er entsteht nämlich nicht nur bei allem, was im weitesten Sinne mit der Fortpflanzung zu tun hat, sondern auch bei einem gemütlichen Kaffeeklatsch mit den Freundinnen.

Ob man jetzt allerdings sein Dauer-Single-Dasein dadurch beenden kann, dass man sich oft mit den Mädels auf einen Kaffee trinkt und so die Oxytocin-Produktion ankurbelt, entzieht sich unserer Kenntnis. Aber wär doch mal eine nette Idee für eine neue Studie…

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