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Single-Gen: Beeinflusst Serotonin wirklich den Beziehungsstatus?

Birgit Ehrenberg
Liebesexpertin Birgit Ehrenberg

Ist 5-HTA1 Schuld am "Pech in der Liebe"?

Wie viele Bücher gibt es, die versuchen, das Geheimnis des unfreiwilligen Single-Daseins zu ergründen? Das Thema füllt ganze Bibliotheken. Bis jetzt ohne nennenswerte Ergebnisse. Nun kommen chinesische Wissenschaftler daher und behaupten, des Rätsels Lösung gefunden zu haben. Sie entnahmen für eine Studie einigen hundert Singles und Nicht-Singles Haarproben, analysierten diese gentechnisch und stellten fest: Alles steht und fällt in der Liebe mit dem Gen 5-HTA 1.

An oder besser in diesem Gen liegt des Pudels Kern. Es existieren nämlich, so die schlauen Chinesen, zwei Varianten des Gens, zum einen die C-Variante, die können gebundene Menschen vorweisen. Und dann dümpelt da noch die traurige G-Variante vor sich hin, mit der müssen Singles für immer einsam leben, denn wer das G-Gen in sich trägt, hat Pech in der Liebe.

Als wenn das nicht schon grausam genug wäre, führt die G-Ausprägung zu einem niedrigen Serotoninspiegel. Der arme G-Gen-geschädigte Single hat also nicht nur oft schlechte Laune, weil sein Dasein allein fristen muss, weil das Gen das will. Nein, er ist überdies auch ohne äußeren Anlass ständig schlecht drauf - aus Mangel an Serontonin, das bekanntlich für gute Laune sorgt. Was für eine arme Kreatur! Außer Spesen nichts gewesen.

Ich muss sagen, dass mir diese Nachrichten sehr nebulös vorkommen, ich habe großen Zweifel an der Wissenschaftlichkeit der Untersuchung. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich habe allergrößten Respekt vor Chinesen, die sind sehr emsig, wissensdurstig und wirklich schnell im Kopf. Chinesen drängen in jeder Hinsicht nach vorn. Doch die Liebesforschung scheint bei ihnen noch in den Kinderschuhen zu stecken.

Die chinesische Antwort ist zu simpel

Nehmen wir nur einmal unter die Lupe, dass das G-Gen "Pech in der Liebe" mit sich bringt. Wie soll das gehen? Stellen wir uns einen attraktiven Super-Single vor, zum Beispiel Jonathan Rhys Meyers mit seinen grünen Augen, dem schönsten Mund der Welt und seinem vollkommenen Körper. Stellen wir uns vor, er hätte das G-Gen. Würde das bedeuten, dass keine Frau sich in ihn verliebt? Nun weiß man von Meyers, dass er zu depressiven Verstimmungen neigt, das würde ja durchaus zum G-Gen passen (wegen des niedrigen Serontonin-Spiegels).

Doch trotz dieser Widrigkeiten würden sich sofort etwa 300.000 Frauen (auch ich) in diesen Mann verlieben! Bei ihm bleiben für alle Zeiten, trotz Miesepetrigkeit, ihn zum Lachen bringen, es immer wieder versuchen - G-Gen hin, G-Gen her. Wen interessiert ein lächerliches G-Gen, wenn das Objekt der Begierde derart unwiderstehlich ist?

Kommen wir zum umgekehrten Fall. Ein sehr unattraktiver Mann hat das Hammer-C-Gen. Er ist aber nicht nur hässlich, sondern auch dumm, faul und lieblos. Folge: Keine Frau will ihn haben. Da hilft ihm sein tolles C-Gen nicht.

In Wahrheit ist die Frage, warum der eine Glück in der Liebe hat und der andere Pech, eine der ganz großen Menschheitsfragen. Mit einem einzigen popeligen Gen ist diese facettenreiche Frage nicht zu beantworten.

Und die chinesische Antwort ist mir nicht nur zu simpel, sie ist auch zu traurig. Ich favorisiere unter all den möglichen Antworten jene, die hoffnungsfroh sind. Nichts ist aus meiner Sicht in Stein gemeißelt, weder genetisch noch sonstwie. Alles ist möglich, jederzeit. Ich kann jetzt aus dem Haus gehen und vor dem Haus jemanden treffen, mit dem ich mein Leben verbringe. Jonathan Rhys Meyers vielleicht.

Wahrscheinlich ist meine Sicht den Chinesen zu romantisch. Chinesen sind emotional pragmatisch und haben lange das Ehemodell praktiziert (praktizieren es zum Teil noch), wo die Eltern Partner für die Kinder aussuchen.

Nix mit Verlieben, alles nach strengem Plan. Gene spielen dabei sicher auch keine tragende Rolle, denn selbst chinesische Singles mit dem schlimmen G-Gene dürften mit dieser nüchternen Methode eine reelle Chance haben, unter die Haube zu kommen.

Vergessen wir das mit den Genen getrost.

Nur die Liebe zählt, Eure Birgit

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