Sind Frauen wirklich die "Gewinner am Arbeitsmarkt"?

Frauen auf dem Vormarsch: Arbeitsmarkt wird weiblicher
Immer mehr Frauen sind erwerbstätig. © carlosseller - Fotolia, Klaus Tiedge

Arbeitsmarkt wird weiblicher

Immer mehr Frauen in Deutschland sind berufstätig. Wie aus einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht, stieg 2011 der Anteil der beschäftigten Frauen zwischen 15 und 64 Jahren auf einen Rekordwert von fast 72 Prozent. Die schlechte Nachricht ist: In den Führungsetagen der Wirtschaft sind Frauen immer noch selten anzutreffen und ihre Aufstiegschancen sind im Vergleich zu den männlichen Konkurrenten schlechter.

"Arbeit ist weiblicher geworden", sagte dazu IW-Direktor Michael Hüther. Für ihn sind Frauen "die Gewinner am Arbeitsmarkt". Nach der IW-Studie sind lediglich 14 Prozent der Frauen in Teilzeit, weil sie keine Vollzeitstelle fanden. Die Mehrheit soll aus persönlichen Gründen einen Teilzeitjob gewählt haben. Doch sind Frauen wirklich die "Gewinner am Arbeitsmarkt"? Nach IW-Zahlen sind nur drei von zehn Führungspositionen in den Unternehmen mit Frauen besetzt. Schuld an den schlechteren Aufstiegschancen der Frauen seien seiner Meinung nach Erwerbsunterbrechungen wegen Kindererziehung oder aber häufig die Arbeit in Teilzeitjobs.

Frauen weiterhin benachteiligt

Eine feste gesetzliche Frauenquote für Leitungsebenen lehnt Hüther als Eingriff in die Vertragsfreiheit ab. Wenn die Bundesregierung etwas tun wolle, dann solle sie die beruflichen Rahmenbedingungen für Frauen verbessern, etwa durch den versprochenen Ausbau der Kinderbetreuung.

Entgegen anderslautenden Darstellungen beträgt die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland laut IW nur zwei Prozent - sofern Faktoren wie Bildung, Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Unternehmensgröße und Berufserfahrung berücksichtigt werden. So führe eine Auszeit von drei Jahren oder mehr zu einem durchschnittlichen Lohnabstand für Frauen von fast zwölf Prozent. Bei maximal 18 Monaten seien es dagegen nur jene zwei Prozent im Schnitt. Nicht-bereinigte Erhebungen kommen zu anderen Ergebnissen: So lag der Bruttostundenverdienst von Frauen 2011 laut Statistischem Bundesamt im Mittel um 22 Prozent unter dem von Männern. Nach anderen Erhebungen liegt die Lohndifferenz sogar bei 25 Prozent.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte die Einschätzungen des IW: Die strukturelle Benachteiligung von Frauen müsse "behoben werden, nicht kleingerechnet". Erreichbar ist dies nach den Worten von DGB-Vize Ingrid Sehrbrock nur durch gesetzliche Vorgaben, betriebliches Handeln und gesellschaftliches Umdenken.

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