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Sind Frauen die besseren Chefs?

Frauen sind zickig, Männer taff - stimmt das?

Mann oder Frau - welches Geschlecht hat mehr Boss-Talent? Statistiken zeigen, dass Frauen gerade mal 26 Prozent der Führungspositionen einnehmen. Aber es werden mehr: Zwischen 2008 und 2012 hat sich die Zahl der Frauen als Chefs immerhin verdoppelt. Viele sagen: Frauen sorgen für ein besseres Betriebsklima, dafür fehlt es ihnen aber an Durchsetzungsvermögen. Aber stimmt das wirklich? Wir haben eine Karriere-Beraterin dazu befragt.

Sind Frauen die besseren Chefs?
Es gibt noch immer zu wenige Frauen in Führungspositionen. Warum ist das so und was macht einen guten Chef wirklich aus? © imagesource/generation e

Lange genossen in vielen Chefetagen Männer ihre Vorherrschaft, doch auch dort haben inzwischen die meisten begriffen, dass ihr weibliches Pendant genauso durchsetzungsfähig und kompetent ist. Und doch werden Frauen in Führungspositionen oder als Chefin auch heutzutage noch oft in Frage gestellt. So wie Ann Christin Hahn, die seit zehn Jahren ihr Unternehmen leitet. "Als Chefin muss ich eine gewisse Autorität haben. Und natürlich kann ich keine Mitarbeiter einstellen, die eine Frau nicht akzeptieren. Es gibt ja Leute, die so sind."

Kein Wunder, denn es gibt noch immer viele Vorurteile gegenüber weiblichen Vorgesetzten: Frauen sind oft launischer und lassen diese Launen auch gern mal an ihren Angestellten raus, heißt es. Sie gelten aber auch als mitfühlender und kommunikativer. Diese Stärken sind allerdings gleichzeitig Schwächen. Denn für beruflichen Erfolg entscheidet unter anderem Aggressivität - wie sie oft ein Mann zeigt.

Die Unternehmerin Ann Christin Hahn bringt es auf den Punkt: "Es gibt viel mehr verschiedene Persönlichkeiten als Geschlechter. Ob jemand ein guter Chef ist oder nicht, muss man immer im Einzelfall sehen." Besser ist der Chef, der entspannt reagiert, und das können Männer und Frauen gleichermaßen. Denn am Ende zählt immer noch Kompetenz und Ausdauer.

Karriereberaterin Barbara Ahrens im Interview

Frauen verhalten sich im Job-Alltag oft anders als männliche Kollegen. Die Karriereberaterin Barbara Ahrens erklärt im Interview, warum der "kleine Unterschied" zwischen den Geschlechtern zum Karriere-Problem werden kann.

Viele Menschen denken, Männer seien die besseren Chefs - selbst Frauen. Wie erklären Sie sich das?

Ahrens: "Das ist wirklich schwer zu erklären. Ich habe den Eindruck, dass Frauen manchmal anderen Frauen ihren Erfolg nicht gönnen und in einer erfolgreichen Frau eine Konkurrentin sehen."

Durchsetzungsvermögen bei Frauen wird oft als Zickigkeit wahrgenommen. Wie schafft man es als Chefin, nicht als Zicke zu gelten?

Ahrens: "Man sollte sich um dieses Klischee gar nicht so viele Gedanken machen, sondern man selbst sein. Man muss auch nicht unbedingt versuchen, den anderen zu gefallen und nett zu sein - auch auf die Gefahr hin, dass man solche Zuschreibungen bekommt. Wenn Frauen Karriere machen und sich durchsetzen wollen, müssen sie ihren Weg gehen. Unabhängig davon, was andere über sie sagen.

Welche Eigenschaften muss ein Chef mitbringen - egal ob Mann oder Frau?

Ahrens: "Ein Chef muss konfliktfähig und in der Lage sein, sich Problemen zu stellen und damit umzugehen. Es ist aber auch wichtig, sich in Andere einfühlen zu können, eine gute Kommunikation zu haben und Verantwortung zu übernehmen. Darüber hinaus müssen Vorgesetzte aber auch analytische Fähigkeiten haben."

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