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Sind drei Kinder zu viel für eine Familie?

Sind drei Kinder zu viel für eine Familie?
Immer mehr Familien wünschen sich ein drittes Baby. Was denken Sie über Familien, die mehr als zwei Kinder haben? © picture-alliance/ dpa, Patrick Pleul

Belastet ein drittes Kind eine Familie?

Die Beckhams haben sie, Adlige wie das Kronprinzenpaar Mette und Haakon sowieso, und Heidi Klum und Seal haben sogar noch eins mehr! Die Rede ist von drei Kindern. Was aber bei Promis und Adligen zum guten Ton gehört, sorgt bei Normalsterblichen immer noch für Verwunderung. Manchmal sogar für Entsetzen. Wer sich als Durchschnittsverdiener für ein drittes Kind entscheidet, gilt daher unter Freunden, Bekannten und Fremden als Verhütungsversager. Das ist natürlich Riesenquatsch. Denn eine solche Entscheidung hat jede Menge Folgen - und die überlegt man sich vorher dreimal...

Von Merle Wuttke

Ja, auch wir haben es getan. Wir haben es tatsächlich noch ein drittes Mal darauf ankommen lassen und uns für ein weiteres Kind entschieden. Nach zwei Jungs hoffen wir nun auf ein Mädchen, aber das war nicht der Grund, weshalb wir nun freiwillig drei weitere Jahre mit wenig Schlaf, wenig Geld, wenig Platz und noch weniger Zeit in Kauf nehmen. Für uns ist Familie einfach mehr als Vati, Mutti, Kind. Und das, obwohl wir in einer stinknormalen Etagenwohnung im dritten Stock mitten in der Großstadt wohnen, beide Jobs haben, die wir zwar gern machen, aber die uns oft sehr viel Flexibilität abverlangen. Dabei verdienen wir nur durchschnittlich und außer mit unseren Kindern verbringen wir kaum Zeit mit Dingen wie Sport, Freunden, Reisen und Ausgehen. Sprich, eigentlich passt ein fünftes Familienmitglied nicht so wirklich in unser Leben.

Ein weiteres Baby verändert den Alltag sehr

"Waasss?! Du bist schwanger?!" war deswegen ungefähr die harmloseste Reaktion. Andere verstummten bei der guten Nachricht gleich ganz, manche holten sofort den Taschenrechner im Kopf heraus: "Dann braucht Ihr aber ein neues Auto, und eine neue Wohnung. Und noch einen Kitaplatz. Kannst Du dann überhaupt noch arbeiten? Na, das wird teuer." Als ob wir das alles nicht selbst wüssten! Ich hatte jedenfalls nach ein paar Wochen gar keine Lust mehr, von meiner Schwangerschaft zu erzählen.

Fest steht doch: Das Leben als Mehrkind-Familie ist schon mit zwei Kindern kein Zuckerschlecken, mit dreien wird es eben etwas komplizierter - aber dennoch gerät doch nicht gleich die ganze Welt aus den Fugen. Letztendlich ist es doch die eigene Sicht auf die Dinge, die zählt und dafür sorgt, ob man mit seinen Lebensumständen zufrieden ist oder nicht.

Deswegen werden in absehbarer Zeit auch nicht aus unserer knappen 4-Zimmer-Wohnung ausziehen. Erstens, weil sie perfekt, in direkter Nähe zu Kita und Schule gelegen ist, zweitens, weil sie für unsere Bedürfnisse immer noch reicht, drittens, weil sie unschlagbar günstig ist und viertens, weil man sich als größere Familie in unserem angesagten Wohnviertel sowieso gerade keine andere Bleibe leisten kann.

"Drei Kinder sind das neue Zwei"

Aber sollte ich mir wegen solcher Kleinigkeiten deswegen meinen Wunsch nach einem weiteren Kind verderben lassen? Quatsch! Und ja - auch das Arbeiten wird mich mehr Nerven und Organisationsfähigkeit kosten, aber es wird nicht unmöglich sein. Dazu gehören ein gutes Netzwerk und ein Partner, der die Verantwortung mit trägt. Außerdem muss ich Geld verdienen, sonst könnten wir uns das fünfköpfige Familienglück nicht leisten. Ich musste und muss aber lernen, mich frei zu machen von den Erwartungen und Ansprüchen anderer. Euer Leben ist nicht mein Leben. Und mit diesem Gedanken bin ich offenbar nicht allein: Bei uns in der Kita gibt es seit einiger Zeit immerhin fünf weitere Familien mit drei Kindern. Und in den USA gilt unter Besserverdienern schon seit längerem: "Drei ist das neue Zwei". Also, wie ist es? Wagen Sie es auch?

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