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Sind Alzheimer und Parkinson ansteckend?

Alzheimer und Parkinson: Ursachen sind bisher nicht vollständig geklärt.
Könnten Alzheimer und Parkinson wirklich ansteckend sein? © dpa, Jens Büttner

Forscher entdecken neue Übertragungswege

Die Diagnose Alzheimer oder Parkinson stellt das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen oft komplett auf den Kopf. Trotz intensiver Forschung sind die Ursachen für die Entstehung dieser Erkrankungen nicht vollständig geklärt. Nun verkündete der Neuropathologe Armin Giese auf dem Münchener Medizinerkongress: Aus Tierversuchen gebe es Hinweise auf eine Übertragung. Könnten Alzheimer und Parkinson also ansteckend sein? Und wenn ja, was bedeutet das für Angehörige und Pflegepersonal?

Zunächst die Entwarnung: „Es gibt derzeit keinen Hinweis, dass man sich mit Alzheimer oder Parkinson beim sozialen Kontakt oder bei der Pflege von Patienten anstecken kann", schränkte Giese ein. Eine Ansteckung, wie man sie zum Beispiel von der Grippe kennt, ist also nicht zu befürchten. Bei bestimmten medizinischen Eingriffen können Neuromediziner ein Übertragungsrisiko jedoch nicht ganz ausschließen.

Doch was genau haben die Forscher entdeckt? In einer Studie wurden Affen verklumpte Eiweiße aus dem Gehirn von Parkinsonpatienten gespritzt. Anschließend wurden bei den Affen ähnliche Veränderungen im Gehirn beobachtet. "Offenbar breiten sich Parkinson und Alzheimer-Demenz im Gehirn wie eine Infektionskrankheit aus", erklärte Armin Wiese. Die verklumpten Eiweiße lösen offensichtlich eine Art Kettenreaktion aus, die auf verschiedene Gehirnteile übergreift. Theoretisch gebe es daher ein Risiko für eine Übertragung bei Bluttransfusionen oder Hirnoperationen. Vollständig geklärt sei dies jedoch nicht.

Neu sind diese Erkenntnisse auch nicht: Bereits 2012 sorgte eine ähnliche Studie für großes Aufsehen. Damals haben Tübinger Forscher Mäuse genetisch manipuliert, sodass in deren Gehirn das Eiweiß erzeugt und abgelagert wurde, das sich bei Alzheimer-Patienten ebenfalls findet. Dann wurde dieses Eiweiß gesunden Tieren gespritzt, die daraufhin typische Ablagerungen im Gehirn bildeten.

Auch wenn das Risiko bisher nur theoretisch besteht, müsse das in der Praxis heute schon mit zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen bei Operationen ausgeschlossen werden, verlangte der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Zugleich rief er zu Zurückhaltung auf. „Ich warne davor, ungesicherte Annahmen zu früh in die öffentliche Diskussion zu tragen. Zu Panik gibt es keinen Anlass.“

Quelle: dpa

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