FAMILIE FAMILIE

Sieben Monate Elternzeit - ein Vater unter Müttern

Sieben Monate Elternzeit - für ein Papa ungewöhnlich
Kai ist für sieben Monate aus dem Job ausgestiegen, um sich um seinen kleinen Sohn zu kümmern.

Die Aufteilung der Elternzeit war von vornherein klar

Mehr als ein Viertel aller Väter geht inzwischen in Elternzeit. Doch die meisten bleiben nicht länger als die obligatorischen zwei Monate zu Hause beim Kind. Nur wenige Männer nehmen sich eine längere Auszeit, um sich komplett auf Kind und Haushalt zu konzentrieren. Kai macht es – und zwar ganze sieben Monate lang. Der 38-jährige Richter steckt gerade mitten in der Elternzeit.

"Die Entscheidung, dass wir uns die 14 Monate aufteilen, fiel eigentlich noch bevor das Kind überhaupt unterwegs war", sagt der Vollzeit-Papa. Seine Frau ist ebenso wie er verbeamtet – sie arbeitet als Konrektorin an einer Realschule. Beide lieben ihren Job gleichermaßen und weil sie sich als gleichberechtigte Partner sehen, teilen sie sich die Elternzeit gerecht auf.

Als das Baby unterwegs war und Kai seinem Chef und seinen Kollegen mitteilte, dass er sich bald für sieben Monate verabschieden würde, waren doch alle zunächst ziemlich überrascht – obwohl das Thema Familie hoch gehalten wird. Doch dann wurde gemeinsam ein Plan aufgestellt und Kais Auszeit gut organisiert.

Der kleine Sohn war sieben Monate alt, als Kais Frau wieder anfing, zu arbeiten. Er übernahm zeitgleich die Kinderbetreuung. "Ich musste erst einmal meinen Motor herunterschrauben und mich in der neuen Situation einfinden. Die Zeit tickt jetzt anders, ich musste mir einen festen Rhythmus erarbeiten".

Mittlerweile sind Kai und sein kleiner Sohn ein eingespieltes Team. Neben regelmäßigen Spielplatzbesuchen steht zum Beispiel auch die wöchentliche Krabbelgruppe auf dem Terminplan. Aber Kai merkt immer wieder, dass Papas noch immer in der Minderheit sind: "Die gesamte Infrastruktur ist auf Mütter eingestellt – und auch die Leiterin der Krabbelgruppe vergisst mich häufig in ihrer Ansprache". Die Mütter haben ihn zwar voll und ganz akzeptiert, dennoch bleibt er ein Außenseiter. "Ob es ums Stillen oder die Kaiserschnittnarbe geht - bei den meisten Gesprächen kann ich, weil ich ein Mann bin, einfach nicht mitreden."

"Die Strukturen sind einfach noch verkrustet"

Auf die Frage, ob er seinen Job vermisse, sagt Kai ganz klar: "Ich könnte nicht drei Jahre zu Hause bleiben, da würde mir etwas fehlen. Aber diese sieben Monate mit meinem Kind genieße ich in vollen Zügen. Dafür kann meine Frau völlig unbesorgt ihrem Job nachgehen."

Doch das Modell der beiden ist in der Gesellschaft noch immer eine Ausnahme. Kais Frau muss sich häufig rechtfertigen, dass sie schon sieben Monate nach der Geburt wieder anfing zu arbeiten. Erst wenn sie darauf hinweist, dass ihr Sohn doch beim Vater genauso gut aufgehoben sei, fällt bei den meisten der Groschen. "Die Strukturen sind einfach noch verkrustet. In den Köpfen der Leute ist das immer noch so drin, dass die Mutter beim Kind bleibt. Aber immerhin nehmen viele Männer wenigstens zwei Monate Elternzeit – das ist ein kleiner Fortschritt."

Nicht nur der Sohn profitiert von der Situation - er hat beide Elternteile absolut gleichberechtigt als Bezugspersonen – sondern auch Kai und seine Frau. Schließlich bedeutet das auch für beide gleichzeitig Entlastung.

Und wie geht es nach seiner Elternzeit weiter? Beide wollen jeweils in Vollzeit arbeiten und sich auch die Kinderbetreuung komplett aufteilen, so ist der Plan. Doch leider haben sie für ihren Sohn keinen Kita-Platz gefunden - die Lage ist wie in vielen deutschen Städten auch in Bonn immer noch verheerend. So wird er erst einmal von einer Tagesmutter betreut.

Kai ist 38 Jahre alt und wohnt mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn in Bonn. Er arbeitet als Richter.

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