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Shades of Grey-Verkleidung: 11-Jähriger löst Skandal aus

Shades of Grey: Heiße Fakten
Shades of Grey: Heiße Fakten Holy Cow ist Anastasias Lieblingsausdruck 00:02:38
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Mutter findet Shades of Grey-Kostümierung ok

Darf sich ein Elfjähriger als Christian Grey, Protagonist des SM-Romans 'Fifty Shades of Grey', verkleiden? Lehrer einer Schule in der Gegend von Manchester fanden: auf gar keinen Fall! Der Schüler Liam Scholes, der einen zu großen Anzug trug, eine Augenmaske sowie Kabelbinder dabei hatte, durfte in dieser Verkleidung nicht am Tag der Literatur teilnehmen, den die Schule feierte. Die Mutter des Schülers, selbst Grundschullehrerin, ist empört. Sie findet das Kostüm angemessen – und kann die Aufregung nicht verstehen.

Debatte um Shades of Grey Verkleidung eines 11-Jährigen
Was hat eine Shades of Grey-Verkleidung in der Schule zu suchen?

Von Christiane Mitatselis

Eines ist klar: Der kleine Liam hat die Vorgabe seiner Schule umgesetzt. Am Welttag des Buches sollten sich die Schüler als eine berühmte literarische Figur verkleiden, und Christian Grey ist Protagonist eines Romans, der weltweit mehr als 100 Millionen Mal verkauft wurde. Berühmter geht kaum. Verständlicherweise hätten die Lehrer lieber eine altersgemäße Figur wie etwa den Zauberlehrling Harry Potter gesehen als einen sadistischen Milliardär mit Vorliebe für Fesselspiele. Dennoch haben sie sich mit dem Verbot keinen Gefallen getan. Liams Mutter Nicola hat Recht, wenn sie argumentiert, es sei inkonsequent, eine Verkleidung als Christian Grey zu verbieten – wenn ein Lehrer gleichzeitig als Serienkiller Dexter kostümiert war.

Natürlich: Es gibt viele Gründe, 'Fifty Shades of Grey' nicht zu mögen. Der Inhalt des Buches ist seicht, erzähltechnisch befindet es sich auf dem Niveau eines Groschenromans, die Figuren sind sehr klischeehaft gezeichnet etc. Dennoch kennt es fast die ganze Welt. Und es ist, auch wenn es nicht dort hingehört, auf Schulhöfen populär. Liams Mutter sagte, als sie die Verkleidung ihres Sohnes verteidigte, einen entscheidenden Satz: "Seine Klassenkameraden erkannten sofort, dass er als Christian Grey verkleidet war."

Verbote helfen nicht weiter

Denn natürlich wissen die Kinder – zumindest ungefähr –, worum es in dem Buch geht. Das können auch die aufmerksamsten Eltern und Lehrer im Zeitalter des Internets nicht verhindern. Zumal das Buch gerade verfilmt worden ist.

Eltern sollten der Realität ins Auge sehen: Die lieben Kleinen bekommen im weltweiten Netz noch ganz andere Sachen zu sehen. Sie wachsen mit pornografischen Bildern auf, die in der vordigitalen Welt nur Erwachsenen zugänglich waren. Man muss das nicht gut finden, es ist aber eine Tatsache. Das Problem lässt sich nicht durch Ablehnung oder Schweigen aus der Welt schaffen. Es geht vielmehr darum, den Kindern zu helfen, die vielen verwirrenden Bilder einzuordnen.

Zurück zu 'Fifty Shades of Grey': Wie erklärt man einem Elfjährigen schlüssig, dass manche Menschen Spaß daran haben, andere zu fesseln, zu drangsalieren, zu erniedrigen? Und dass ein Opfer das Ganze ebenfalls gut finden kann?

Wenn man sich umhört und -liest, dann empfehlen Erziehungsexperten, Eltern sollten den Kindern klar machen, dass dies eine sehr spezielle Form der Sexualität sei; dass es viele andere gebe – und dass es ganz wichtig sei, nie etwas zu tun, womit man sich nicht gut fühle und einverstanden sei.

Wie auch immer - es bleibt eine echte Herausforderung für Eltern und Pädagogen. Verbote helfen hier nicht weiter.

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