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Sexuelle Unterwerfung: Wer dazu steht, ist emanzipiert!

Sexuelle Unterwerfung
Birgit Ehrenberg findet: Frauen, die dazu stehen, sich gerne zu unterwerfen, sind emanzipiert. © Wisky - Fotolia, Andrey Guryanov

Sexuelle Unterwerfung: 'Shades of Grey' ist US-Bestseller

Jetzt erscheint ein Buch aus Amerika auf Deutsch, da geht es um etwas Unerhörtes, Skandalöses. Im Buch 'Shades of Grey' geht es um eine moderne junge Frau - total durchemanzipiert, klug und unabhängig, trifft einen reichen und schönen Mann. Und lässt sich von dem Typen zur Sau machen. Sexuell. Aber richtig.

Er ist ihr Herr, er lässt sie wie eine Puppe tanzen. Er befiehlt ihr, was abgeht im Bett. Er tut ihr auch ein wenig körperlich weh, aber in erster Linie ist er seelisch einfach unmöglich, er ist unfreundlich, harsch, fordernd. Vorspiel gibt es nicht, Küssen selten, und wenn es um die Erfüllung der Frau geht, ist auch nicht mit ihm zu spaßen. Es interessiert ihn schlicht und ergreifend nicht, ob sie gekommen ist. Und sie? Sie ist so heiß auf ihn und liebt diese Art von inzseniertem Sex, dass ihr schon einer abgeht, wenn er sie auf die Knie zwingt, damit sie ihm einen Blowjob geben darf. Darf!  Nun regen sich alle tierisch über dieses Buch auf,  über dieses Horrorszenario. Das sei ja unfassbar, was die Frau sich gefallen lasse. Ein Tritt ins Gesicht des Feminismus.

Es melden sich allerdings andere Frauen zu Wort, auch emanzipierte Damen, sehr sogar, die bekunden: „Wunderbar, das ist genau meine Art von Sex. So brauche ich es und nicht anders. Ich liebe es, Dienerin zu sein.“ Diese sexuelle Spielart ist weder neu noch ungewöhnlich. Viel Lärm um nichts. Reines Medien-Getöse, dient der Werbung für das Buch.

Frauen, die dazu stehen, sind emanzipiert

Ich rege mich über dieses Buch nicht auf. Ich finde es eher peinlich, dass man sich über einen so alten Hut aufregt, nämlich den, dass emanzipierte Frauen softdevot sind. So nennt man das: "Softdevot". Das heißt: Frau will einen dominanten Mann. Und sagt das frei heraus. Denn darauf zu stehen und es zu bekennen, das ist emanzipiert! Frauen, die auf diese Art von Sex stehen, gehen nicht an der Hundeleine spazieren mit ihrem Liebsten. Sie haben auch  keine kiloschweren Gewichte an den Brüsten. Das ist SM. Softdevot bedeutet: Wer das ist, erbebt glücklich, wenn eine SMS von ihm kommt mit dem Text: "Ich will Dich f... Bück Dich, ich bin in zehn Minuten bei Dir!"

Ich kenne viele Frauen, die diese Art der Ansprache sehr schätzen. Und es sind in erster und zweiter Linie gerade Frauen, die sonst ausgesprochen unabhängig sind. Materiell und auch sonst. Starke Frauen, wie sie im Buche stehen. Für diese ist das ein erotischer Kick, wenn sie einmal schwach sein dürfen. Das ist nicht unemanzipiert, das ist im Gegenteil außerordentlich emanzipiert. Diese Frauen trauen sich, zu ihren Bedürfnissen zu stehen, auch wenn zufälligerweise ihre Bedürfnisse denen eines Machos sehr entgegenkommen. Es sind trotzdem ihre ureigenen Bedürfnisse. Wie oft wurde schon über den fragwürdigen Typ des "Softies" diskutiert. Muss der wirklich sein? Der erst stundenlang auf der Gitarre klimpert bei Kerzenschein, dann stundenlang streichelt und massiert. Bis man sexlos eingeschlafen ist. Natürlich ist das toll, wenn ein Mann sanft ist, wenn er einen unterstützt, wenn er im Haushalt nicht nur hilft, sondern ihn schmeißt. Aber dennoch mögen eben viele Frauen einen harten Mann im Bett. Ideal ist die Mischung: Böse auf den Laken, lieb im Alltag. Wenn man sich einen Mann backen könnte, sollte er so sein. Oder?

Schönes Wochenende, Eure Birgit

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