Sexuelle Belästigung: Auch Frauen sind Täterinnen - und Männer Opfer

Sexuelle Belästigung: Frauen als Täterinnen
Sexuelle Belästigung von Frauen © picture-alliance / Frank May, Frank May

Flirt oder doofe Anmache – wo ist die Grenze?

Ayda Field, die Ehefrau von Robbie Williams, wurde wegen sexueller Belästigung von einem ehemaligen Angestellten angezeigt. Das gibt’s doch gar nicht, denken Sie? Tatsächlich wurden in Deutschland sieben Prozent der Männer am Arbeitsplatz schon einmal sexuell belästigt, belegt eine aktuelle Umfrage. Aber was ist eigentlich sexuelle Belästigung?

Von Jutta Rogge-Strang

Eine ungebetene Nackenmassage, ein Klaps auf den Po, schmutzige Witze, sexuelle Anspielungen, Nackt-Fotos an den Wänden, all das zählt zum weiten Bereich der sexuellen Belästigung. Frauen kennen diese Probleme schon seit Urzeiten, dabei werden sie meist von Männern belästigt, die in der Hierarchie über ihnen stehen. Frauen sind den Männern körperlich unterlegen und daher in einer schwächeren Position, so dass sie solche Situationen eher als bedrohlich werten.

Bei einem Flirt ist gegenseitiger Respekt die Basis, und der fehlt bei sexueller Belästigung. Männer werden allerdings weniger körperlich belästigt, sondern berichten eher von E-Mails mit eindeutig sexuellem Inhalt, die sie von ihren Kollegen und Kolleginnen bekommen, so die Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Oft geht die Belästigung von männlichen Kollegen aus, aber auch Frauen sind Täterinnen.

Wiederholtes Umarmen eines Kollegen gegen seinen Willen, piksen, streicheln, hinterherpfeifen, sich in den Weg stellen mit sexuellen Anspielungen oder exhibitionistische Handlungen werden eben auch von Frauen begangen. Meist werten die Männer die plumpe Anmache nicht als sexuelle Belästigung, aber tatsächlich wurden zehn Prozent der Männer schon einmal unerwünscht umarmt oder geküsst.

Ein Gespräch mit dem Arbeitgeber kann helfen

Für Männer stellen Frauen in der Regel jedoch keine ernstzunehmende körperliche Gefahr dar, aber unangenehm kann es trotzdem werden. Sexuelle Belästigung und Diskriminierung ist unerwünscht und kein Flirt oder Spaß. Es ist eine persönliche Beeinträchtigung, die als beleidigend, erniedrigend und entwürdigend empfunden wird. Und jeder hat das Recht, sich dagegen zu wehren, Männer und Frauen.

In den USA nimmt der Umgang mit Sexismus manchmal schon absurde Züge an: Da gibt es Männer, die sich Sorgen machen, wenn sie allein mit einer Kollegin im Aufzug fahren sollen. Sie befürchten, wenn der Vorwurf der sexuellen Belästigung einmal im Raum steht, fast keine Chance mehr zu haben, sich dagegen zu wehren. Andererseits muss die Würde des Menschen geschützt werden.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) greift dann, "wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird". Auf der anderen Seite gibt es Grauzonen, über die man sprechen muss, damit Missverständnisse abgebaut werden. Oft reicht schon ein Gespräch, um den Beteiligten die Augen zu öffnen. Denn jeder und jede hat das Recht, am Arbeitsplatz nicht belästigt zu werden. Wenn ein Gespräch nichts nützt, bleibt nur der Weg zum Arbeitgeber, denn der hat die Pflicht, alle Beschäftigten vor sexueller Belästigung zu schützen. Auch die Männer...

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