Sexualpartner: Warum sollen Frauen sich für ihre Liebhaber rechtfertigen?

Sexualpartner: Warum sollen Frauen sich für ihre Liebhaber rechtfertigen?

Warum darf Mann viele Sexpartner haben und Frau nicht?

Es ist traurig, aber wahr: Hat eine Frau viele Affären, so muss sie sich auf Schmähungen gefasst machen: Gern wird sie als leichtlebiges Luder oder gar als Schlampe eingeordnet. Das zeigt sich gerade deutlich in den Berichten über die mutmaßlich verruchte Schauspielerin Lindsay Lohan und ihre Liebhaberliste. Männer mit hohem Frauenverschleiß gelten dagegen gemeinhin als coole Typen. Was läuft falsch und was können Frauen tun?

Von Christiane Mitatselis

Ob die handgeschriebene, 36 illustre Namen umfassende Männerliste, die Lohan angeblich in einem Hotel vergaß, nun echt ist oder eine PR-Maßnahme, die Luder-Schlagenzeilen sind der 27-Jährigen seit ihrer Veröffentlichung im Januar sicher. Der Tenor: So jung und schon so viele Männer, Herrje, was läuft da falsch, was will sie kompensieren? Es wird zudem spekuliert: War Herr X überhaupt Single, als er mit Lohan im Bett war? Und: Wie hat sie Herrn Y nur rumgekriegt?

Man sieht: Eine Frau mit langer Liebhaber-Historie gilt als gefährliches Wesen, Männer sind ihre willenlosen Opfer. Werden die Herren hingegen selbst mit vielen Bettgeschichten auffällig, werden sie vor allem bewundert – nach dem Motto: So ein Frauentyp kann halt nicht anders, da er so unwiderstehlich ist.

Die Frauenbewegung hat in den letzten 50 Jahren zwar vielleicht erreicht, alte Rollenklischees und Vorurteile gelten als überholt, sie leben im kollektiven Bewusstsein aber in guten Teilen weiter. Es ist wie mit dem Unkraut. Man kann es ausreißen und bekämpfen, an anderer Stelle kommt es trotz aller Bemühungen wieder hervor.

Fast immer stecken Neid und Eifersucht hinter dem Geläster über mutmaßliche Luder und ihr liederliches Verhalten. Wer selbst nicht viel erlebt, zieht gern über Menschen her, deren Leben aufregend erscheint. Und wenn man einen Menschen abwerten kann (“So ein Flittchen!”), lebt es sich leichter mit der eigenen Langeweile.

Frauen mit vielen Liebhabern gelten als verrucht

All dies sollten sich Frauen vergegenwärtigen, deren Liebesleben abwechslungsreich ist und die sich keine Mühe geben wollen, dies zu verheimlichen. Da Missgunst überall lauert, müssen sie damit rechnen, dass sich andere das Maul über sie zerreißen. Das ist ungerecht, denn natürlich darf eine Frau genauso Affären haben wie ein Mann, ohne eine verwerfliche Person zu sein, es ist aber leider fast unvermeidbar. Irgendwo lungert immer ein Lästermaul herum, das umgehend loslegt, wenn es Witterung aufnimmt.

Man braucht Selbstbewusstsein, um über diesen Dingen zu stehen, um sich von bösen Zungen nicht runterziehen zu lassen oder gar Schuldgefühle zu entwickeln. Entweder man hat es sowieso. Oder man arbeitet daran, selbstbewusster zu werden und nicht mehr auf dumpfe Angriffe zu reagieren. Lindsay Lohans Fall kann dabei sogar helfen, denn er zeigt, dass ein Luder-Image auch seine Vorteile hat. Man redet über die Schauspielerin, ihre viele Affären sind ein Thema. Und Aufmerksamkeit ist ein knappes Gut, das langweiligen Menschen vorenthalten bleibt.

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