Sexismus oder mit Humor zu nehmen: T-Shirt entfacht neue Debatte

"In Mathe bin ich Deko"-Shirt entfacht Debatte
"In Mathe bin ich Deko"-Shirt entfacht Sexismus-Debatte © Tomasz Trojanowski, © Tomasz Trojanowski - Fotolia.com

Ein T-Shirt löst einen Shitstorm aus

Selbstironisch? Sexistisch? Ein Mädchen-T-Shirt aus einem Versandhaus-Katalog hat im Internet einen Shitstorm ausgelöst. Das T-Shirt ist hellblau mit roter Aufschrift: "In Mathe bin ich Deko", getragen wird es von einem Mädchen. Das umstrittene Leibchen "ist aus der Feder von Frauen entstanden", ließ das Versandhaus inzwischen als Reaktion auf die vielen empörten Reaktionen wissen. Man nehme die Meinungen sehr ernst, bitte aber auch um Verständnis, dass es andere Meinungen gebe: "Daran könnt ihr ja schon erkennen, wie unterschiedlich diese Sprüche interpretiert werden können."

Von Ursula Willimsky

Das stimmt. Das Spektrum der Reaktionen reicht von "sehr süß" und "lustig" über "bescheuert" und "reaktionär" bis hin zu Beurteilungen, die wir hier nicht wiedergeben wollen. Das T-Shirt (oder die Diskussion um das T-Shirt) scheint den Nerv der Zeit an einer besonders empfindlichen Stelle getroffen zu haben. Viele sehen in dem Spruch offenbar alte Rollenklischees wiederaufleben, die sich diesmal eben auf 100 Prozent Baumwolle manifestiert haben. Mädchen und Mathe? Nö, das können die nicht. So wie sie ja auch keinen Draht zu Technik und Autos haben (aber trotzdem wahnsinnig gerne im Bikini mit der Kühlerhaube von getunten Sportwagen schmusen).

Neue Aufschrei-Kampagne gestartet

Wo hört lustig auf? Und wo fängt sexistisch an? Am 8. März ist Weltfrauentag. Ein Datum, an dem es um weit mehr geht, als um einen Aufdruck auf einem der derzeit so beliebten Sprüche-Shirts. Dort geht es um die Rechte der Frau und den Weltfrieden. Darum, weshalb die Armut weiblich ist, genauso wie die Doppelbelastung oder die Schere bei den Einkommen. Aber bei einigen Veranstaltungen sicher auch um die gesellschaftliche Grundstimmung. Was ist noch ein Kompliment? Und was schon anzüglich? Was selbstironisch? Und was von vorgestern?

Das umstrittene Kinder-T-Shirt hat auf jeden Fall dafür gesorgt, dass sich viele Menschen Gedanken darüber machen, welche Botschaft sie zum Beispiel mit ihrer Kleidung spazieren tragen. Und ob nicht das ein oder andere, was wir als ganz selbstverständlich hinnehmen, nicht ab und zu einer kleinen Hinterfragung bedarf. Einfach mal zwischendrin über – vielleicht sogar auf den ersten Blick unwichtige – Dinge nachzudenken, kann ja nicht schaden. Und auch die Frage, was man kauft und so mit seinem Geld unterstützt, sollte man sich vielleicht generell öfter mal stellen.

ANNE, die Frau, die auch schon die Aufschrei-Kampagne initiierte, geht sogar noch einen Schritt weiter: Sie hat vor einigen Tagen den Hashtag "ichkaufdasnicht" an den Start gebracht. Mit ihm will sie diskriminierende Produkte, Anzeigen und Medien brandmarken, die "locker flockig lustig" mit sexistischen Klischees "spielen". Der Versandhandel hat übrigens inzwischen sogar soweit reagiert, dass sie das Shirt aus ihrem Shop entfernt haben. War der Protest also erfolgreich?

Was ist Eure Meinung? Findet ihr solche Kampagnen unterstützenswert? Oder gehen sie Euch zu weit? Kauft ihr Sachen, auch wenn sie sexistisch beworben werden? Und wie seht ihr das Print auf dem T-Shirt – und die Diskussion darum?

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