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Sexismus im Alltag: Sechs Wege, unsere Kinder zu besseren Menschen zu erziehen

Sexismus in der Werbung
Wir können unsere Kinder zu besseren Menschen erziehen.

Eltern haben Einfluss auf die Einstellung ihrer Kinder

Sex sells – an jeder Straßenecke hängen Werbeplakate mit halbnackten Frauen und witzigen, aber sexistischen Werbebotschaften. Wir Erwachsene können damit umgehen, doch was ist mit unseren Kindern? Sie wachsen mit diesen Bilder und den damit vermittelten Werten auf, und die sind nicht gerade frauenfreundlich. Im Gegenteil: Sie bilden eine vollkommen sexualisierte Gesellschaft ab. Unsere Kinder verinnerlichen das und unterscheiden nicht mehr zwischen einer normalen Frau und einem hochstilisierten Objekt. Darum ist es unsere erzieherische Pflicht, einzugreifen und das zu ändern. Dafür müssen wir aber zu allererst an uns selbst arbeiten und unsere eigenen Verhaltensweisen unseren Kindern gegenüber reflektieren.

Von Sabine Möller

Hier sind sechs Wege, unsere Kindern zu besseren Menschen zu erziehen, für die sexistische Äußerungen, sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungen NICHT zum Alltag gehören.

1. Vermeiden Sie Sätze wie: "Jungs sind halt Jungs und so verhalten sie sich auch"

Ja, Jungen sind manchmal unberechenbar und sie gehen bisweilen über Tisch und Bänke. Das kann man aber nicht mit Sätzen wie "Jungs sind halt so" herunter spielen. Auch Jungen brauchen Grenzen und sie müssen wissen, dass sie sich nicht benehmen dürfen wie der Neandertaler im Urwald. In unserer Gesellschaft gibt es anerkannte Verhaltensweisen und jedes männliche Wesen ist in der Lage, das einzuhalten – egal ob groß oder klein. Schlechtes Verhalten ist ein No Go – die richtige Erziehung beginnt im Kinderzimmer. Spricht mein knapp Vierjähriger mit mir in einem Ton, der für mich unangemessen ist, reagiere ich entsprechend, denn so lasse ich nicht mit mir reden. Gleiches erwarte ich übrigens auch von anderen Eltern! Hat er das verinnerlicht, wird er auch als Erwachsener entsprechend mit seinen Mitmenschen umgehen.

2. Erzwingt von Kindern keine Umarmungen oder Küsse

"Gib der Oma mal ein Küsschen!" Nein! Kinder haben das Recht, diese Nähe abzulehnen, egal ob Mädchen oder Junge. Auch sie fühlen sich in dieser Situation unwohl und sollen dann auch "Nein" sagen dürfen. Genauso reagieren wir doch auch, wenn uns ein Fremder zu nahe kommt. Also warum räumen wir unseren Kindern nicht genau dieselben Rechte ein?! Ein Zwang führt nur dazu, dass sie abspeichern, körperliche Distanz wäre nichts wert und man brauche eine Gegenwehr nicht ernst nehmen. Getreu dem Motto: Ich nehme mir, was ich will.

3. Fragen Sie nicht: "Was hast du getan, dass er oder sie dich geschlagen hat?"

In uns ist der Gedanke verankert, dass zu einer 'Tat' immer zwei gehören. Einer, der angefangen hat, und einer, der sich gewehrt hat. Der erste, der angefangen hat, muss ja irgendetwas gemacht haben, dass der zweite reagiert. Ja, bei Kindern ist diese Herangehensweise in Ordnung. Aber die legen wir auch an den Tag, wenn es um Vergewaltigungsopfer geht: Irgendwas muss die Frau ja gemacht haben, dass der Täter so gehandelt hat.

Um nicht zu suggerieren, dass der Täter nur gehandelt hat, weil das Opfer 'irgendwas' gemacht hat, sollten wir in solchen Fällen eher nach der ganzen Geschichte fragen. In solch einer Situation sollten wir eher sagen "Erzähl mir die ganze Geschichte – von Anfang an." Nur so können wir erfahren, welche Rolle jedes Kind in dieser Schuldfrage gespielt hat. Außerdem wichtig: Machen Sie Kinder darauf aufmerksam, dass Gewalt nicht das Mittel zum Zweck ist. Auch Kinder haben die Wahl, ein anderes Mittel zu wählen.

4. Wir bringen Kindern bei, dass Jungen Mädchen hauen, wenn sie sie mögen

Ein völlig falsches Zeichen! Wie oft hören wir, dass wir Frauen Männer wollen, die uns richtig behandeln. Wir wollen nicht mir Schlägertypen zusammen sein. Wir sollten unseren Kindern daher auch klar machen, dass man jemandes Aufmerksamkeit nicht bekommt, wenn man ihm wehtut oder verletzt. Wir sollten aufhören den Kindern Sachen zu sagen wie "Der haut dich vielleicht, weil er dich mag". Nein! Es ist in keiner Weise in Ordnung, wenn ein Kind so seine Gefühle zum Ausdruck bringt. Das ist keine Zuneigung, sondern Gewalt und die tut sehr weh.

5. Man bezeichnet keine Frau einfach so als 'Schlampe'

In unserer heutigen Sprechweise ist es scheinbar Gang und Gäbe, eine Frau mal eben als 'Schlampe' zu betiteln. Auch wenn Erwachsene sich untereinander austauschen, fallen diese Begriffe. Unsere Kinder schnappen das auf und wenden es selbstverständlich in ihrem Umfeld an. Dadurch lernen sie, dass es völlig ok ist, jemanden so zu beschimpfen. Aber unsere Kinder verinnerlichen solche Sprüche und Bezeichnungen, ohne sie zu reflektieren. Es ist daher unsere Aufgabe, darauf zu achten, wie wir miteinander sprechen und wie wir über andere im Beisein unserer Kinder urteilen.

Weitere Sätze, die man sich in diesem Zusammenhang verkneifen sollte: "Sie ist selber schuld" oder "Sie hat es nicht anders verdient". Ein Mensch hat es nie verdient, aufgrund seines Geschlechts, seiner Religion oder seiner sexuellen Orientierung von jemandem angegriffen zu werden. Das sollten wir auch unseren Kindern beibringen!

6. "Das erste Mal muss etwas ganz Besonderes sein" ist schlichtweg falsch

In den USA gibt es den Trend, dass Mädchen möglichst lange jungfräulich sein sollen und teilweise auch dahin erzogen werden, dass Sex erst in der Ehe ok ist. Sie wollen warten, bis ihre große Liebe auftaucht. Doch so schnell werden diese Einstellungen ausgenutzt: Erst die große Liebe, dann Sex und was bleibt? Die Enttäuschung, dass sich der Traumprinz als jemand entpuppt, der Gefühle ausnutzt, nur damit er Sex bekommt.

Die Erwartungen, die an diesen Satz geknüpft sind, sind enorm. Darum sollten wir unseren Kindern spätestens bei der Aufklärung oder ihrem ersten sexuellen Kontakt klar machen, dass es mitunter anders wird, als man sich das vorgestellt hat. Oder sie vielleicht sogar Angst davor bekommen. Das ist kein Problem. Diese Gefühle sollten für Teenager, die ihre ersten Erfahrungen machen, ok sein.

Nur so können wir unseren Kindern beibringen, dass es in dieser vom Sexismus beherrschten Welt in Wahrheit ganz anders aussieht. Dass Sex nicht in Superlativen endet. Wir müssen mit unserem Verhalten dafür sorgen, dass alles, was gegen einen gewissen Verhaltenskodex spricht, einfach nicht akzeptabel ist. Aber wir müssen bei uns anfangen – nur so können wir unseren Kindern eine bessere Welt schaffen.

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