Sexarbeit ist auch Arbeit: Ist "Prostituierte" ein ganz normaler Job?

Sexarbeit ist auch Arbeit: Ist "Prostituierte" ein ganz normaler Job?
© dpa, Tim Brakemeier

Ist Prostitution wirklich ein ganz normaler Job?

Welche Mutter wünscht sich für ihre Tochter schon eine Arbeit als Prostituierte, gefangen in einem Schmuddel-Milieu, zwischen Zuhältern, Bandenkriegen und der männlichen Kundschaft? Die deutschen Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter wollen schon lange weg von diesem Image und fordern Respekt und Anerkennung ihrer Menschenrechte. Deshalb treffen sie sich nun zu dem Kongress 'Sexarbeit in Zeiten der Bewegung' in Berlin.

Drei Tage wollen die Prostituierten in Deutschland diskutieren, sich beraten und vernetzen, um ihre beruflichen Interessen gegenüber Politik, Justiz, Polizei, Gesundheitsämtern, Presse und Öffentlichkeit zu vertreten. Das 'Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter' (bufaS e.V.), die Beratungsstelle 'Hydra' in Berlin und der 'Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen' (BesD) hat diese gemeinsame Tagung organisiert. Vor dem Hintergrund einer geplanten Änderung des Prostitutionsgesetzes und verschiedener Sondergesetze soll es einen direkten Dialog zwischen Politikern und SexarbeiterInnen geben: Zu einem besseren Schutz und zu menschenwürdigen Arbeitsumständen.

Es geht unter anderem um die Problematik der Sperrbezirke, in denen Wuchermieten von täglich bis zu 300 Euro verlangt werden, über mangelnde Sozialleistungen bis hin zum fehlenden Schutz der SexarbeiterInnen und Polizeigewalt. In der Öffentlichkeit werde zudem der Eindruck erweckt, der Prostitution selbst hafte eine gesteigerte Gefährlichkeit für den sozialen Frieden an. Auch würden alle Maßnahmen bestraft, die die Arbeit angenehmer oder lukrativer gestalten könnten.

Sexarbeiter und Prostituierte wollen mit dem schlechten Image aufräumen

Die Berufsverbände möchten klarstellen, dass Prostituierte heute keineswegs mehr dem Stereotyp der versklavten und erniedrigten Hure entsprechen. Vielmehr habe sich mehr und mehr der Typ der/des selbständigen Unternehmers/in herausgebildet, der/die das erworbene Know-how, die vorhandenen kommunikativen Fähigkeiten und den eigenen Körper unternehmerisch einzusetzen weiß. Prostituierte seien selbstbewusste und selbstbestimmte Individuen, die weniger unter ihrem Umfeld als vielmehr unter der fortbestehenden rechtlichen Diskriminierung und Kriminalisierung zu leiden haben.

Dabei sollen beim Kongress auch Weiterbildung und Vernetzung nicht zu kurz kommen. In Workshops, die ausschließlich den SexarbeiterInnen offenstehen, wird die gesamte Bandbreite abgedeckt. Schon in früheren Kongressen ging es dabei um Tantra-Massage, Erotische Massage, Werbung, Selbstverteidigung, Bildbearbeitung, Steuern, Berufsberatung für Neulinge, Grenzen definieren und beim Kunden durchsetzen, Deeskalation in schwierigen Situationen.

Die Verbände fordern aber nicht noch mehr Kontrollen, sondern eine Gleichstellung mit anderen Erwerbstätigen. Sexarbeit werde mit Gewalt, Menschenhandel und anderer Kriminalität gleichgesetzt, um den Kampf gegen Prostitution zu legitimieren. Dabei seien die Frauen häufig gezwungen, allein und ohne Schutz zu arbeiten. Sie haben Angst, Gewalt und Willkür ausgesetzt zu werden. Die Verbände fordern nach wie vor: Prostitution ist eine legale Erwerbstätigkeit. Die darin arbeitenden Personen verdienten Respekt und hätten ein Recht auf sichere und geschützte Arbeitsplätze. Denn Sexarbeit ist eben auch nur Arbeit - ob es ein Traumjob ist, sei dahingestellt.

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