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Sex-Yoga: Sind wir zu unentspannt für guten Sex?

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Top 5 Muskel Übungen für das Core Training Training für Rücken und Beckenboden 00:01:26
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Und jetzt alle mal tief ausatmen...

Sind wir zu unentspannt für guten Sex? Ob im Fernsehen, Internet oder in Magazinen – Sex ist allgegenwärtig. Aber wie offen, neugierig und lustvoll sind wir wirklich in unserem Alltag? Offensichtlich nicht besonderes: Eine Schweizer Universität bietet jetzt extra ein Kursprogramm für Studenten an, damit die sich um ihr brachliegendes Sexleben kümmern können. Die Frage ist: Brauchen wir das?

Sex-Yoga: Sind wir zu unentspannt für guten Sex?
© picture-alliance / beyond/Claudi, beyond/Claudia Göpperl

Von Merle Wuttke

Der Kurs, der sich im Hochschulsportprogramm der Uni Zürich findet, nennt sich 'Yoga für eine gesunde Sexualität:, findet samstags zwischen 13:30 Uhr und 16:30 Uhr statt und soll den Teilnehmern helfen, ihre angestaute und blockierte sexuelle Energie wieder zu entdecken bzw. zu lösen. Frauen, die Probleme haben, sich beim Sex hinzugeben, weil sie ihren Körper und Bedürfnisse zu wenig kennen und Männer, die zu sehr unter Druck stehen, sollen nach diesem Kurs zu einer erfüllten Sexualität zurückfinden.

Das klingt alles ein wenig angestaubt und nach 70er-Jahre-Esoterik-Hippie-Philosophie, denn eigentlich haben wir doch das ganze Programm – zumindest als Gesellschaft – schon abgearbeitet, oder? Von Blümchensex, freier Liebe, Tantra, SM, Fetisch und was der Erotik-Markt sonst so alles hergibt. Nie war Sexualität freier verfügbarer als heute, Popstars wie Miley Cyrus treten quasi nackt auf, und wer will, kann sich um jede Tageszeit sexuell „bedienen“ lassen – per Internetpornografie, aber auch ganz real.

Jugendliche wissen heute so gut über Sex Bescheid wie keine Generation vor ihnen. Dank Aufklärung durch Eltern, Schule und natürlich durch das Internet. Da wundert es doch sehr, dass (insbesondere junge) Leute gezielt angesprochen werden sollen, ihre Sexualität zu entdecken wie jetzt in Zürich. Andererseits ergab die letzte aktuelle Studie zur Jugendsexualität von der Bundeszentrale für sexuelle Aufklärung aus dem Jahr 2010, dass Mädchen und Jungen eher später sexuell aktiv werden, und das erste Mal zum größten Teil in einer festen Beziehung erleben. Das wirkt doch alles eigentlich eher sehr bodenständig und wenig übersexualisiert. Eigentlich. Denn irgendwie scheint im Bett dann ja doch etwas schief zu laufen. Laut Erhebungen hat knapp die Hälfte aller Deutschen nur dreimal im Monat Sex – die andere Hälfte schläft über Wochen gar nicht miteinander. Und ca. 15 Prozent der Frauen und fünf Prozent der Männer leiden unter permanenter Lustlosigkeit. Das liegt an chronischem Stress, depressiven Verstimmungen, aber, insbesondere bei jüngeren Männern, auch daran, dass diese sich von den Bildern der Pornografie zu stark beeinflussen lassen – das wiederum führt zu großem Druck, diesem Männerbild selbst zu entsprechen, aber auch dazu, dass echter Sex nicht mehr als aufregend und schön wahrgenommen wird.

Orgasmen beugen Kopfschmerzrisiko vor

Es gibt sie also doch noch, die Baustellen im Bett. Eine davon ist die Onanie. Weibliche Selbstbefriedigung, für viele Sexualtherapeuten der Schlüssel für eine lustvolle, weibliche und lebendige Sexualität, gilt heute zwar nicht mehr als Tabu, so richtig darüber sprechen will aber auch keiner.

Einer amerikanischen Studie zufolge machen es sich auch viel weniger Frauen selbst als früher allgemein angenommen. Dabei ist erwiesen, dass, wenn man als Frau weiß, wie man sich selbst Lust bereitet, nicht nur der Sex mit dem Partner besser wird, sondern man sich damit auch jedes Beckenbodentraining sparen kann. Denn durch die Orgasmen, die man sich selbst verschafft, trainiert man den Beckenbodenmuskel, senkt das Kopfschmerzrisiko und beugt Regelschmerzen vor.

Lust ist ja gerade bei Frauen eine Sache, die häufig erst im Kopf entsteht – da hilft es zu wissen welchen Schalter man drücken muss. Für guten Sex muss man also kein teures Kursprogramm buchen, ein wenig selbst Hand anlegen reicht schon – mehr Spaß macht es sowieso.

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