GESUNDHEIT GESUNDHEIT

Sex-Pille 'Addyi': Von wegen 'Viagra für Frauen'

Mehr Lust auf Sex durch Filbanserin? Fehlanzeige

In den USA ist jetzt ein Mittel namens 'Addyi' mit dem Wirkstoff Filbanserin zugelassen worden, das als 'Viagra für die Frau' gepriesen wird und eingeschlafene sexuelle Lust steigern soll. Mit den blauen Potenzpillen hat das Medikament jedoch in Wahrheit gar nichts zu tun, es wirkt ganz anders als Viagra - wenn es überhaupt wirkt. Außerdem kann es einige Nebenwirkungen haben.

Sex-Pille 'Addyi': Von wegen 'Viagra für Frauen'
© Reuters

Von Christiane Mitatselis

Wie wirkt Filbanserin?

Der Wirkstoff Filbanserin wurde von der deutschen Firma Boehringer Ingelheim entwickelt - ursprünglich als Antidepressivum. Der Stoff, der in Europa nicht zugelassen ist, wirkt im Gehirn und hat einen Effekt auf die Botenstoffe Serotonin und Dopamin. Grob gesagt wird der eine Botenstoff gebremst, der andere gesteigert - wodurch die Lust ansteigen soll.

Ist 'Addyi' mit Viagra zu vergleichen?

Nein, überhaupt nicht. Die blauen Viagra-Pillen wirken körperlich und sollen Männern helfen, die zwar Lust verspüren, aber nicht so können, wie sie wollen. Das psychisch wirkende 'Addyi', das in den USA in Form von rosa Pillen auf den Markt kommen wird, ist hingegen für Frauen gedacht, die vor der Menopause an sexueller Unlust leiden. Vor der Einnahme muss ausgeschlossen werden, dass dies nicht durch äußere Umstände wie Stress oder Krankheit bedingt ist.

Welche Wirkung ist nachgewiesen?

Es dauerte lange, bis Filbanserin zugelassen wurde, da seine Wirksamkeit in puncto Luststeigerung sich in Tests als sehr gering erwies. Dafür traten vergleichsweise häufig Nebenwirkungen wie Übelkeit und Benommenheit auf. Boehringer Ingelheim stellte die Entwicklung von Filbanserin im Oktober 2010 ein, die US-Firma Sprout Pharmaceuticals übernahm. Erst im insgesamt dritten Anlauf wurde das Mittel jetzt von der US-Arzneibehörde FDA zugelassen. Die Effizienz ist trotzdem weiter umstritten. In Untersuchungen, die von der FDA veröffentlicht wurden, hatten Frauen, die Filbanserin schluckten, nur bis maximal einmal mehr Sex pro Monat als Frauen, denen ein wirkungsloses Placebo verabreicht wurde.

Die Nebenwirkungen können schlimm sein

Wie sieht es mit Nebenwirkungen aus?

In den Tests klagten circa zehn Prozent der Frauen über Übelkeit, Benommenheit, Schwindel oder Müdigkeit. In der Placebo-Kontrollgruppe waren es nur zwei bis fünf Prozent. Vor allem in Kombination mit Alkohol kann Filbanserin gefährlich werden: Abfall des Blutdruckes und Ohnmacht können auftreten. Es wird empfohlen, Filbanserin nur vor dem Einschlafen zu schlucken.

Fazit

Es handelt sich um ein Medikament, von dem Frauen, denen ihre Gesundheit lieb ist, besser die Finger lassen sollten. Die Nebenwirkungen können groß sein, der erwünschte Effekt ist jedoch nur gering. Außerdem muss man sich fragen, ob sexuelle Unlust wirklich eine Krankheit ist, die mit Pillen behandelt werden muss, die auf die Psyche wirken? Oder vielmehr ein natürliches Phänomen, das durch die Lebensumstände bedingt ist und nur aus Kommerzzwecken problematisiert wird? Insgesamt sieht es so aus, als werde Frauen hier eine neue Krankheit angedichtet, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Anzeige