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Sex nach der Geburt: Ab wann haben wir wieder Lust?

Kind da, Lust weg: Klischee oder Fakt?
Sex nach der Geburt: Lust oder Frust? © MORO - Fotolia, Iurii Kryvenko

Wenn die Libido in der Babypause ist...

Sechs bis acht Wochen. Solange warten die meisten Paare nach der Geburt ihres Kindes. Dann haben sie wieder Sex. Hebammen und Ärzte raten zu dieser Zeitspanne. Die klassische Wochenbett-Zeit dauert so lange. Und die meisten Paare machen es auch genauso. Ob auf ärztliches Anraten hin oder aus langsam wiedererwachender Lust, sei dahingestellt. Bei einer aktuellen Studie aus Australien gaben 41 Prozent der Frauen an, dass sie etwa sechs Wochen nach der Geburt wieder Sex hatten, 24 Prozent nach acht Wochen.

Von Ursula Willimsky

Dann ist Mutti meist wieder so weit, sich auch ein bisschen als Frau oder Ehefrau zu fühlen. Der Körper hat sich erholt, die äußeren Zeichen (und auch Wunden) der Schwangerschaft und Geburt sind meist verheilt, und man hat sich in das neue Leben zu dritt eingefunden. Das alles sind natürlich nur statistische Werte. Manche Paare (etwa 10 Prozent) haben schon viel früher wieder Lust auf Sex, und manche lassen sich damit sehr viel mehr Zeit (sechs Prozent lassen ihr Liebesleben auch sechs Monate nach der Geburt noch ruhen). Zeit für Eile gibt es ja eigentlich nicht. Und den "richtigen" Zeitpunkt für den Wiedereinstieg ins Ehebett auch nicht.

Nun, die Paare, bei denen neben dem Babyglück auch die Lust auf den anderen wiedererwacht, werden sich über dieses Thema ohnehin wenig Gedanken machen. Aber wie sieht es mit den Paaren aus, bei denen nach der Geburt Funkstille herrscht? Und kein Fünkchen der Begierde sich regen mag? Für die Enthaltsamkeit gibt es viele Gründe: Bei manchen Muttis ist das Bedürfnis nach körperlicher Nähe allein schon durch den ständigen Knuddelkontakt mit ihrem Baby gestillt. Manche fühlen sich vielleicht unwohl in ihrer Haut, nicht mehr so begehrenswert wie vor der Schwangerschaft. Manche haben mit Depressionen oder Leere zu kämpfen, weil sie die meiste Zeit des Tages recht isoliert mit ihrem Baby sind. Und manche sind einfach nur viel zu müde…

In einer britischen Umfrage gaben immerhin 67 Prozent der Mütter an, dass ihre "Freizeit" nach der Geburt des Babys darin besteht, aufzuräumen. Und 54 Prozent gaben als Freizeit-Beschäftigung Auf-dem-Sofa-Sitzen an. Klingt auf den ersten Blick nicht nach dem Nährboden für feurige Leidenschaft. Eher danach, dass hier die Windeln den Wonderbra ganz eindeutig verdrängt haben.

Viele Männer fühlen sich überflüssig

Eine Situation, die auch für die Väter nicht ganz einfach sein kann: Viele fühlen sich überflüssig, oder sogar zurückgewiesen. Psychologen raten dazu, auf jeden Fall mit dem Partner über die Gründe zu sprechen, weshalb man noch keine Lust hat. Dann kann er verstehen, weshalb die Libido noch in der Babypause ist. Andererseits kann ein bisschen Initiative auch nicht schaden, um genau diese Libido zumindest zu einem klitzekleinen ehelichen Teilzeitjob zu überreden. Es hebt ja das Selbstwertgefühl durchaus, wenn man auf seine äußere Erscheinung achtet (sofern Zeit dafür ist) und sich irgendwann wieder was Nettes anzieht und sich zurechtmacht. Schließlich haben die wenigsten Männer sich ein Wesen in Schlabberhose und mit ungewaschenen Haaren verliebt, und dem Eigen-Idealbild entspricht es auch nicht unbedingt.

Bleibt die Frage nach dem wann? Nach dem Windelwechseln? Wenn Baby endlich, endlich abends eingenickt ist? Während des Mittagsschläfchens, also genau dann, wenn man als Mutti selbst auch total müde ist? Es kann sehr schwer sein, sich dann statt aufs Sofa in die Arme seines Mannes sinken zu lassen. Und überhaupt kann das Sich-Fallen-Lassen sehr schwer sein, wenn mindestens ein Ohr in Alarmbereitschaft ist und jedes kleinste Geräusch aus dem Babyzimmer analysiert. Aber offenbar geht es, schließlich haben Paare ja Sex – trotz Kind.

Die Psychologin und Buchautorin Esther Perel rät Paaren, deren Liebesleben eingeschlafen ist, übrigens dazu, sich zum Sex zu verabreden. So, als wär´s ein Geschäftstermin. Oder ein Termin beim Kinderarzt. Und diesen Termin dann auch unbedingt einzuhalten. Klingt streng, klappt aber angeblich (wenn man Internet-Foren glauben darf). Und wem das zu wenig spontan erscheint, die sei erinnert an Paare, die sich für ein Rendevouz irgendwo ein Hotel-Zimmer mieten…

Sex ist für viele Paare wichtig, aber nicht sehr wichtig, das wissen wir aus Umfragen. Aber irgendwie gehört der regelmäßige Vollzug der Ehe bei den meisten Paaren ja schon zum Paarsein dazu. Sex ist so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal, das Partnerschaften von tiefen Freundschaften unterscheidet. Und gesund ist er auch: Gilt er doch als Stresskiller und Stimmungsaufheller. Beides können ja gerade junge Mütter (Stichwort: Wochenbettdepression, Isolation, Babystress) recht gut brauchen. Und wohlig zufrieden und müde macht Sex auch. Obwohl: Zum Müdewerden brauchen wohl die wenigsten jungen Mütter ihren Mann. Das sind sie ohnehin die meiste Zeit.

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