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Sex-Depressionen: Der Frust nach der Lust

Jede dritte Frau fühlt sich nach dem Sex deprimiert und traurig
Sex-Depressionen: Frust nach der Lust © istockphoto

Sex-Depressionen: Jede dritte Frau nach dem Sex deprimiert

Tränen nach dem Sex - gar nicht ungewöhnlich, meldet eine Studie. Mehr als 30 Prozent der Frauen kennen den Frust nach der Lust. Was ist denn da los?  

Von Jutta Rogge-Strang  

Eigentlich fühlt man sich wohl nach dem Sex, entspannt und zufrieden. Aber das muss bei Frauen nicht immer so sein: In einer australischen Studie berichteten 32 Prozent der Frauen von Traurigkeit oder Unruhe nach dem Liebesspiel. Zehn Prozent erleben diese Gefühle sogar regelmäßig.

Selbst wenn der Sex gut war, der Partner liebevoll, die gesamte Situation entspannt – eine Garantie für eine zufriedene Gefühlslage gibt es für Frauen offenbar nicht! Das haben nun Forscher der Queensland University herausgefunden. Robert Schweitzer und sein Team befragten 222 Studentinnen nach der "postkoitalen Dysphorie" - und erlebten eine Überraschung. Denn so ungewöhnlich ist der Frust nach der Lust offenbar nicht.

Sex-Depression durch Alltagsstress programmiert?

Ist der Spaß erst einmal vorbei, stellen sich oftmals Melancholie, Weinerlichkeit, Reizbarkeit, Ängstlichkeit oder Unruhe ein - zumindest bei einem ganzen Drittel der Frauen. Zehn Prozent erleben diese "Gefühle danach" sogar regelmäßig.

 

Eigentlich kein Wunder, wenn man bedenkt, was außer dem Liebesspiel noch so alles auf dem Programm steht: Putzen, Einkaufen, Essen vorbereiten, Kochen, Abwaschen, Aufräumen, Haare waschen, Pickelcreme nicht vergessen, Stromanbieter wechseln, Zahnarzt-Termin machen, Pille nehmen, Blumen gießen, Mutter anrufen, Geschenke für die Freunde kaufen, Fahrradschlauch flicken. Und bei Studentinnen kommt natürlich noch einiges hinzu - Aufbrezeln für die Erstsemesterparty, Kaffeetrinken, ungewohnt lange schlafen, dauerndes Freunde treffen, Kinobesuche, Doppelkopfabende, Interrail-Touren. Ach ja, und natürlich Lernen.  

All das zudem in einem Umfeld, das Perfektion von den Frauen nicht nur im Büro/ an der Uni verlangt, auch die Wohnung soll aufgeräumt und sauber sein, Figur perfekt, optisch alles optimal - wie auf den Zeitschriften - Covern eben. Täglich werden wir auf die eine oder andere Weise mit Sex konfrontiert: in Büchern, auf Fotos, in den Medien, auf Plakaten, im Fernsehen.

Und dann, wenn der Moment gekommen ist, auf den die Mädels sich so super vorbereitet haben - charmantes Lächeln, neue Frisur, tolles Make-up, stylische Kleidung, reizende Unterwäsche - und alles läuft wie geschnitten Brot - tja, da kann schon mal der Frust durchbrechen. So viel Mühe für eine Stunde Spaß: Und das soll es dann gewesen sein?

Wissenschaft sucht Gründe für den Frust

Auch die Wissenschaftler suchen nach den Gründen für den Frust nach dem Liebesspiel: Frühe negative sexuelle Erfahrungen oder sexueller Missbrauch haben sich als Gründe für die postkoitale Dysphorie nicht bestätigt. Die Forscher wollen nun in einer weiteren Studie untersuchen, ob es bestimmte biologische oder psychologische Gründe für die traurigen Stimmungen nach dem Sex gibt.

Eins ist jedoch klar: Sex ist gesund, stärkt das Immunsystem, baut Stress ab und schützt vor zahlreichen Krankheiten. Und eigentlich hebt Sex auch die Stimmung und macht glücklich. Sollten diese Faktoren nicht zutreffen, wird es dringend Zeit, die Gründe dafür zu erforschen. Damit die schönste (kostenlose) Nebensache der Welt auch weiterhin die schönste Sache bleibt. 

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