GESUNDHEIT GESUNDHEIT

Sepsis: Das müssen Sie über die Infektion wissen

Das passiert bei einer Blutvergiftung im Körper
Das passiert bei einer Blutvergiftung im Körper Sepsis ist die dritthäufigste Todesursache 00:01:27
00:00 | 00:01:27

Schnelle Erkennung der Sepsis rettet Leben

Alle vier Sekunden stirbt weltweit ein Mensch an einer Sepsis. In Deutschland ist die Erkrankung laut einer aktuellen Studie des Kompetenznetzes Sepsis mittlerweile die dritthäufigste Todesursache - sie fordert fast genauso viele Opfer wie der Herzinfarkt. Pro Tag sterben allein in Deutschland durchschnittlich 162 Menschen an der Erkrankung, die auch als Blutvergiftung bezeichnet wird.

Der kleinste Kratzer kann eine Sepsis auslösen.
Wird eine Sepsis rechzeitig erkannt, liegen die Überlebenschancen noch über 80 Prozent. © Prodakszyn - Fotolia

Bei der Sepsis handelt es sich um eine außer Kontrolle geratene Infektion, die im Verlauf den gesamten Körper betreffen kann. Giftstoffe und Keime verbreiten sich über das Blut im gesamten Organismus.

Wird eine Sepsis nicht frühzeitig erkannt und sofort behandelt, so kann sie Schock, Multiorganversagen und im schlimmsten den Tod zur Folge haben. Sie verursacht jährlich mehr Todesfälle als Brustkrebs, Prostatakrebs und HIV/AIDS zusammen. In Deutschland ist die Zahl der Erkrankungen der Global Sepsis Alliance zufolge in den vergangenen Jahren stark gestiegen: zwischen 2007 und 2013 von rund 200.000 auf etwa 280.000. Für fast jeden vierten Patienten (24,3 Prozent) endete die Erkrankung demnach tödlich.

Da es sich um einen medizinischen Notfall handelt, spielt die Zeit eine entscheidende Rolle. Erfolgt die Diagnosestellung und Behandlung innerhalb der ersten Stunde der Infektion, liegt die Überlebensrate bei über 80 Prozent - nach sechs Stunden nur noch bei 30 Prozent. Vor allem in Industrieländern steigt wegen mangelhafter Hygiene das Auftreten der Sepsis dramatisch an.

So erkennen Sie eine Sepsis rechtzeitig

Was passiert bei einer Sepsis?

Von einem Entzündungsherd dringen Erreger (Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten) in den Körper ein. Dies geschieht oft über die Lunge, aber auch über Verdauungsorgane, Harnwege oder Wunden. Dämmt das körpereigene Immunsystem die Infektion nicht direkt am Ursprungsort ein, gelangen die Eindringlinge in den Blutkreislauf.

Dort erst einmal angekommen, versetzen sie das ohnehin geschwächte Immunsystem in helle Aufruhr. Dieses bekämpft die Erreger massenhaft mit Immunzellen und Botenstoffen. Durch die Abwehrschlacht werden aber die Gefäße geschädigt. In der Folge spielt die Blutgerinnung verrückt und der Blutdruck sackt ab. Indes verbreiten sich die Erreger unkontrolliert über den Blutkreislauf im ganzen Körper. Die Immunabwehr kann diesen Prozess nicht mehr stoppen. Die Organe werden nun nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und verweigern nach kurzer Zeit den Dienst. Es kommt zum Kreislaufzusammenbruch. Ärzte sprechen von einem "septischen Schock".

Wie erkennen Sie eine Sepsis rechtzeitig?

Die Symptome der Sepsis sind sehr allgemein und ähneln einer banalen Erkältung - das macht sie so heimtückisch. Liegt eine Infektion und obendrein folgende Symptome vor, sollten Sie schnellstmöglich zum Arzt gehen:

- Fieber (mindestens 38 Grad) oder Untertemperatur (höchstens 36 Grad)

- erhöhter Puls (Ansteigen der Herzfrequenz auf 90 Schläge pro Minute)

- erhöhte Atemfrequenz (Mindestens 20 Atemzüge pro Minute)

Es ist wichtig, dass Sie den Arzt konkret fragen: "Kann das eine Sepsis sein?"

Gibt es Risikogruppen?

Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem - etwa durch Krankheiten, Medikamente oder hohes Alter. Aber auch Junge und Gesunde können eine Sepsis bekommen.

Wo ist die Gefahr einer Sepsis am größten?

Krankenhäuser sind Hochburgen für Erreger: Dort gibt es viele kranke Menschen auf engem Raum. Wegen Operationen, Kathetern und Beatmungsschläuchen sind den Eindringlingen Tür und Tor geöffnet.

Anzeige