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'Selfiejob'-App stellt Aussehen bei der Jobsuche in den Vordergrund

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Die Nutzung von Apps ist sehr beliebt - Aber muss es wirklich eine App geben um Jobs zu finden? © picture alliance / dpa Themendie, Franziska Gabbert

Sollte ein Arbeitgeber seine Mitarbeiter wirklich so oberflächlich auswählen?

Es ist allgemein bekannt, dass Menschen, die gut Aussehen, es in vielen Situationen einfacher haben. Vor allem beim Dating entscheidet sich bereits innerhalb weniger Sekunden, ob einem die Person sympathisch erscheint oder nicht. Und genau in diesen Situationen haben hübsche und Selbstbewusstsein ausstrahlende Frauen und Männer viel bessere Karten als kleine graue Mäuschen. Prinzipiell ist dies nichts Verwerfliches, da wir diese Entscheidung nicht einmal bewusst treffen. Aber wie sieht es aus, wenn genau dieses 'First Impression Prinzip‘ bei der Jobausschreibung angewendet wird?

von Sarah Hantschel

Genau dieser Versuch wurde vor kurzem mit der schwedischen App 'Selfiejob‘ gestartet. Das Prinzip der App ist dabei ähnlich wie bei der beliebten Dating App 'Tinder'. Allerdings mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Tindernutzer sind meist einfach nur auf eine schnelle Nummer aus. Charaktereigenschaften oder Ähnliches spielen daher keine große Rolle. Geht es allerdings um einen Job, ist es doch sehr fraglich, ob ein Foto und ein kurzes Video von 22 Sekunden Auskunft über die Qualitäten des Jobsuchenden geben.

'Selfiejob'-App-Gründer Martin Hall erklärt, dass die App vorwiegend da sei, um Jobsuchenden den ganzen Bürokratiekram zu ersparen und durch eine nutzerfreundliche App Menschen schnell und einfach zu einem passenden Job zu verhelfen. Mit Hilfe der App solle die Jobsuche Spaß machen.

Und so funktioniert die App

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Jede muss sie sofort haben - die neusten und angesagtesten Apps © dpa, Christoph Schmidt

Die Nutzer melden sich mit ihrem Facebookprofil an und laden ein Foto, sowie ein kurzes Video hoch, in dem sie sich kurz vorstellen. Auch Informationen zur Ausbildung, Erfahrungen und Stärken können eingetragen werden. Mit Hilfe der Swipe-Funktion (genau wie bei 'Tinder') kann der Jobsuchende nun verschiedene Jobangebote ‚durchwischen‘.

Gefällt eine Jobannonce, wischt er das jeweilige Unternehmen nach rechts. Gefällt es nicht, wird es nach links gewischt und der nächste potenzielle Arbeitgeber erscheint. Dieser erhält alle Profile der Bewerber und kann nun ebenfalls nach dem Wischprinzip entscheiden, wer geeignet erscheint oder nicht. Bei Eignung treten beide Parteien in einem nächsten Schritt in Kontakt.

Das Problem des Ganzen: Obwohl auch essenzielle Daten wie Stärken und Erfahrungen angegeben werden, sind diese weitaus nicht so detailliert aufgeführt, wie bei anderen Onlineplattformen wie LinkIedIn oder Xing. Das Aussehen steht durch ein groß ausgestrahltes Bild im Fokus. Aber was bringt es einem Restaurant, einen gut aussehenden Kellner einzustellen, wenn dieser keine Ahnung hat vom Bedienen hat? Denn gerade für Jobs Im Servicebereich, in Hotels oder Bars freut sich die App an äußerster Beliebtheit.

Der Erfolg der App zeigt allerdings, dass viele Menschen sie als durchaus für gut und geeignet empfinden, um den passenden Job zu suchen. Fast 10.000 Menschen nutzen sie. Die meisten von ihnen aus Skandinavien. Seit kurzer Zeit ist die App auch in Deutschland verfügbar. Wie hoch der Erfolg hier sein wird, wird sich noch zeigen.

Fest steht aber, dass die App 'Selfiejob' gegen den Trend des anonymisierten Bewerbens geht, bei dem eine Bewerbung frei von Foto oder Herkunftsdetails überzeugen soll und auch kann!

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