Selfie-Wahn nervt: Wenn sich selbst Promis nicht ans Selfie-Verbot halten

Selfies immer und überall - das nervt nur noch.
Jeder macht dauernd irgendwelche Selfies. Selbst Promis sind im Wahn und nerven damit nur noch. © Eugenio Marongiu - Fotolia, © Eugenio Marongiu

Jeder macht Fotos von sich selbst

Bei der Gala im New Yorker Metropolitan Museum galt ein Selfie-Verbot. Und das, obwohl massenweise Stars zu der Veranstaltung kamen, die ja sich mehrheitlich gern selbst fotografieren und die Bilder in soziale Netzwerke stellen. Vogue-Chefin Anna Wintour, Schirmherrin der Veranstaltung, hatte das Verbot durchgesetzt. Es wurde nicht von allen eingehalten, viele Menschen können ohne Selfies nicht mehr leben.

Von Christiane Mitatselis

Zum Beispiel postete Kim Kardashian bei Instagram Selfies von der Gala, auch Miley Cyrus stellte Bilder ins Netz. Viele können nicht mehr ohne. Es hat sich zu einer Sucht entwickelt. Nur wer Selfies postet, ist wirklich dabei gewesen. Und wenn auf den Fotos alle gute Laune haben, dann war es auch ein toller Abend. Denn es geht in dieser Welt um den schönen Schein. Die Fans lechzen nach Bildern von den Stars, somit erfüllen diese Fotos immerhin einen Zweck.

Im alltäglichen Leben ist der Selfie-Wahn hingegen nur lästig, zum Beispiel im Restaurant. Erst mal ein Selfie posten: "Meine Pizza und ich" oder "Meine Freundin, die Pizza und ich", denn sonst kriegt es ja niemand mit, dass man einen fantastisch lustigen Abend hat. Dass er vielleicht gar nicht toll ist, da die unmittelbar Betroffenen, also die am Tisch Sitzenden, genervt davon sind, dass das Smartphone wichtiger ist als ein Gespräch - egal, Hauptsache das launige Foto ist im Netz.

Sind wir süchtig nach Selfies?

Das Wort "Selfie" gibt es seit 2002, seit etwa 2012 ergießt sich eine Flut von Selbst-Fotos über die sozialen Netzwerke. Warum sie so populär sind, ist einfach zu erklären. Man hat es selbst in der Hand, sich wunschgemäß in Szene zu setzen. Missratene Fotos löscht man einfach. Neuerdings kann man sogar überprüfen, wie alt man auf dem Selfie aussieht. Einfach ein Foto bei how-old.net hochladen und das Alter wird geschätzt.

Nicht alle Selfies sind sinnlos. Nichts ist einzuwenden gegen ein Reise-Selfie - etwa vor dem Eiffelturm, es ist ein Dokument. Bevor so gut wie jeder Mensch ein Smartphone besaß, also vor 2010, fragte man einfach andere, ob sie das Foto machen könnten, das zeigt: Ich war dort. Schon im 19. Jahrhundert gab es solche Reisefotos.

Wie bei vielen Dingen des Lebens macht aber auch hier die Dosis das Gift. Wer soll ernsthaft Interesse daran haben, sich eine Flut nichtssagender Fotos (meine Pizza und ich, meine neuen Schuhe und ich, mein Frühstück und ich, meine Umzugskartons und ich, meine neue Lampe und ich, ich mit Hunger, ich nach dem Sport, ich an der Bushaltestelle) anzusehen? Natürlich niemand. Der normal Sterbliche ist kein Star und hat keine Fans, die sich an jedem Unfug ergötzen. Wer massenhaft sinnlose Selbstporträts postet, dokumentiert nur, dass er zu eitel ist, um nachzudenken. Und dass ihn die Selfie-Sucht im Griff hat. Bestimmt gibt es bald Therapeuten, die sich auf dieses Problem spezialisieren.

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