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Selektive Essstörung: So entstehen Essstörungen bei Kindern

Wenn Kinder nur ein Nahrungsmittel essen, leiden sie oft unter einer Essstörung.
Die Vorliebe für nur eine Speise ist bei Kindern häufig der Anfang einer Essstörung. © Natallia Vintsik - Fotolia

Selektive Essstörung: Wenn das Kind nur noch Pizza isst

Immer mal wieder hört man von Menschen, die sich seit Jahren von nichts anderem ernähren als beispielsweise Pizza oder Hähnchen-Nuggets. Doch was da so kurios klingt, ist tatsächlich eine Krankheit. Man spricht von einer selektive Essstörung - sie tritt vor allem bei Kindern auf und kann schwere Folgen haben.

Die 17-jährige Britin Stacey Irvin mag Chicken McNuggets – und zwar so sehr, dass sie sich angeblich in den letzten 15 Jahren ihres Lebens fast ausschließlich von der Fast-Food-Mahlzeit ernährt hat. Selektive Essstörung nennen es Wissenschaftler, wenn jemand ausschließlich ein einziges Lebensmittel als Nahrung akzeptiert.

Das ist zunächst für die Betroffenen selbst ein Problem, denn eine so extrem einseitige Ernährung führt mitunter zu Störungen des Stoffwechsels. Stacy Irvin jedenfalls brach irgendwann zusammen und wurde mit schwerem Vitamin- und Mineralmangel ins Krankenhaus eingeliefert. Je nachdem bei welchen wichtigen Nährstoffen der Mangel am gravierendsten ist, entstehen als Folge Krankheiten - beispielsweise Diabetes, Gallensteine, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gicht und verschiedenen Krebsarten. Spätestens dann kommen Ärzte ins Spiel, aber dann ist es eigentlich schon viel zu spät.

Denn vom Ursprung her sind es seelische Nöte, die sich im problematischen Essverhalten als Symptom eben einen Not-Ausgang suchen. „Bei Essstörungen geht es immer um die Abwehr negativer Gefühle“, erklärt Barbara Gmöhling, Diplom-Psychologin in Nürnberg und Expertin von „Psychologe.de“, und weiter: „Man nutzt sie, um die eigenen Stimmungen zu regulieren.“

Die Gründe für eine selektive Essstörung liegen tief

Es geht also um Gefühlskontrolle, um Ohnmachtsängste und Allmachts-Phantasien, die in der Essensfrage ihr Ventil finden. Und es geht nicht nur um Extremfälle, die Schlagzeilen machen, sondern um die unzähligen Alltagsstreitigkeiten mit Kindern wegen ihrer sehr speziellen oder ausschließlichen Essensvorlieben. Dabei gilt immer: Das Essensproblem ist nur ein Symptom!

Wenn also ein Kind über längere Zeit nichts außer Brot mit Nuss-Nougat-Creme, immer nur Pizza oder eben ausschließlich Chicken-Nuggets als Hauptmahlzeit essen mag, dann geht das in den meisten Fällen von selbst vorbei. Und in den anderen Fällen geht’s vielleicht gar nicht ums Essen – vielleicht geht es dort vielmehr um ganz andere Bedürfnisse?

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