Selbstzweifel: Warum machen Frauen sich über alles Gedanken?

Frauen in der Grübelfalle
Frauen machen sich zu viele Gedanken © deutsche presse agentur

Frauen grübeln viel zu viel

Eine britische Umfrage ergab gerade: Ein Viertel der weiblichen Patienten würde ihren Liebsten oder engen Freunden im Falle einer Krebsdiagnose nicht die Wahrheit sagen. Aus Angst, sie damit zu sehr zu belasten oder selbst durch die Krankheit zur Belastung zu werden. Typisch Frau, oder? Wir machen uns einfach viel zu viel Gedanken über andere – und über unser schlechtes Gewissen.

Von Merle Wuttke

Keine Ahnung, aber manchmal könnte man fast glauben, wir Frauen kommen schon mit einem Grübel-Gen auf die Welt. So oft, wie wir uns ständig und über alles Gedanken machen, unabhängig davon, ob es sich überhaupt lohnt über das jeweilige Thema nachzudenken (tut es meistens nicht, aber das scheinen wir einfach nicht kapieren zu wollen). Also grübeln wir darüber nach, ob wir gerade zu schroff mit der Nachbarin gesprochen haben (weil wir dringend die Kinder von dem Kindergarten abholen mussten) und ob diese jetzt vielleicht beleidigt ist; oder ob wir der Kollegin in der Konferenz zu sehr über den Mund gefahren sind und wir jetzt als Zicke gelten oder – wie eben in der oben genannten britischen Umfrage – ob wir unserer Familie die Wahrheit zumuten können, wenn wir schwer erkrankt sind... Hallo?! Geht’s noch?! Warum müssen wir uns eigentlich ständig darüber Gedanken machen, ob unser Verhalten nun richtig, falsch oder für andere zumutbar ist? Machen Männer doch auch nicht. Und die kommen in der Regel ohne Schlafprobleme und Grübelfalten durchs Leben.

Aber wir Frauen lieben einfach das Grübeln, obwohl wir uns damit das Leben selbst ein kleines bisschen schwerer machen als es sein muss. Denn wer sich zu viele Gedanken macht, der gerät leicht in Gefahr depressiv zu werden. Grübeln ist sozusagen der Köder der negativen Gefühle, die darüber Einlass in unser Herz finden. Das führt z.B. oft zu Schlafproblemen, weil man entweder vor lauter Gedanken erst gar nicht einschlafen kann oder weil man mitten in der Nacht aufwacht, um über ein Problem nachzudenken, das gar keines ist. Aber auch Missverständnisse sind häufig das Ergebnis von Grübeln, etwa, wenn der Bekannte auf der Straße nicht grüßt, weil er im Stress ist und einen übersieht, man selbst aber denkt: „Der weicht mir aus, der mag mich nicht.“ Schon ist sie da, die negative Energie.

Über diese Dinge machen sich Frauen Gedanken

Dabei kann man das Gedankenkarussell relativ einfach stoppen. Psychologen raten dazu, die eigene Achtsamkeit zu schärfen und ungefähr eine Viertelstunde am Tag bewusst wahrzunehmen, was in der Welt geschieht. Etwa, wie das nasse Laub riecht oder wie sich das Wasser auf der Haut bei der Morgendusche anfühlt. Damit löst man von der Konzentration auf die eigene Befindlichkeit. Oder, wenn wieder die Negativ-Gedanken durch den Kopf ziehen, sollte man sie als das sehen, was sie sind: Gedanken. Keine Fakten. Und sich dabei sagen: „Ich habe gerade gedacht, dass...“ Auch das Aufschreiben von Grübelgedanken hilft, ihnen den Schrecken zu nehmen.

Und hier? Unsere Top Ten der typischen Dinge, über die wir Frauen zu viel nachdenken – vielleicht fällt Ihnen ja auch noch der ein oder andere Gedanke ein...:

1. Ich bin zu dick

2. Ich bin nicht genug für diesen Job, diesen Mann, diese Familie...

3. Warum grüßt mich die Mutter von Jana nie in der Kita?

4. Bestimmt ist XY sauer, weil ich sie nicht eingeladen habe.

5. Der Klassenlehrer mag uns nicht, weil wir nicht beim Elternabend waren.

6. Warum guckt Er in letzter Zeit so oft auf sein Handy?!

7. Bestimmt werde ich nicht befördert, weil ich letztens das Projekt kritisiert habe.

8. Hätte ich studiert, dann könnte ich jetzt das Jobangebot annehmen.

9. Seine neue Kollegin ist genau sein Typ.

10. Warum ruft Lisa in letzter Zeit bloß nicht mehr so oft an?

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