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Selbstbewusster im Job: So wird aus Ihnen eine 'Alphafrau'!

Feminess-Kongress-Veranstalterin Marina Frieß gibt Tipps
Marina Frieß weiß, ob sie das Zeug zur 'Alphafrau' haben. © Torsten Brandt - Photography, Torsten Brandt

Feminess-Kongress-Veranstalterin Marina Frieß erklärt den Begriff 'Alphafrau'

Marina Frieß (30) ist Expertin für Eigenmarketing. Sie coacht Frauen, die im Beruf vorankommen und sich nicht unter Wert verkaufen wollen. Am 27. September veranstaltet sie in Würzburg den zweiten Feminess-Kongress, an dem 500 Frauen teilnehmen werden. Im Interview erklärt sie ihren Begriff der 'Alphafrau' und spricht über die typischen Schwierigkeiten, mit denen Frauen im Job zu kämpfen haben.

Von Christiane Mitatselis

Frau Frieß, Sie nennen Frauen, die erfolgreich sind, Alphafrauen. Geläufiger ist der Begriff des Alphamannes, er ist nicht unbedingt positiv besetzt, klingt nach Machotum, Aggression und Ellbogen. Was zeichnet eine Alphafrau aus?

Martina Frieß: Das ist eines meiner Themen. Ich möchte mit dem falschen Begriff von Alphatieren aufräumen. Es heißt meist: Sie sind egozentrisch und laut. Wenn ihnen etwas nicht passt, dann brüllen sie gern. Das ist falsch. Solche Menschen sind Möchtegern-Alphatiere. Meiner Meinung nach sind wahre Alphatiere Menschen, die andere Menschen führen können. Und zwar nicht über Macht – wie wir es leider viel zu oft in der Wirtschaft erleben – sondern über Einfluss. Alphatiere gelingt es, aus Menschen das Beste herauszuholen. Sie schaffen es, dass die Menschen ihnen gern folgen, sie unterstützen, um mit ihnen gemeinsam Ziele zu erreichen.

Was bedeutet das für Frauen im Beruf?

Frieß: Ich möchte Frauen mitgeben, dass sie genau hinschauen. Wer ist ein wirkliches Alphatier – und wer wäre nur gern eines? Und: Was sind die wahren Eigenschaften der Alphatiere?

Und was kann ich tun, wenn ich unglücklicherweise einen Chef habe, der ein falsches Alphatier ist und gern brüllend kommuniziert?

Frieß: Bei Frauen ist es häufig so, dass sie alles auf sich beziehen. Mein Appell ist deshalb, dass sie lernen, hinter die Fassade zu schauen und zu erkennen, dass Menschen, die es nötig haben, so zu kommunizieren, in sich sehr schwach sind. Sie sind oft in ihren Mustern gefangen und sehen, wenn ihnen etwas nicht passt, keinen anderen Ausweg als rumzuschreien. Wenn eine Frau lernt, so etwas nicht auf sich, sondern auf die Sache zu beziehen, dann ist es sehr hilfreich. Es hilft im Business auch nicht, in Tränen auszubrechen, wozu Frauen neigen.

Wie lautet Ihr konkreter Rat in solchen Fällen?

Frieß: Mein Rat lautet: Durchatmen, sich sammeln, die Emotionen runterfahren und so wieder ins konstruktive Denken kommen. Gut ist es auch, einen verbalen Stoßdämpfer zu geben und beispielsweise zu sagen: Danke, dass sie das so offen ansprechen… Damit nimmt man dem Angreifer Wind aus den Segeln. Auf keinen Fall sollte man in die Rechtfertigung gehen, wenn man sich ungerecht angegriffen fühlt. Dazu neigen Frauen auch.

Haben Sie das Zeug zur 'Alphafrau'?

Was sind die weiteren Hauptprobleme, mit denen Frauen, die von Ihnen beraten werden, im Beruf zu kämpfen haben?

Frieß: Durchsetzungsfähigkeit ist ein Thema. Auch Beförderung und Gehaltserhöhung. Ich berate auch Unternehmerinnen. Da geht es oft um das Thema Preisgestaltung. Welchen Wert habe ich und wie kommuniziere ich meinen Wert? Es geht auch darum, hinter seinem eigenen Wert zu stehen. Ich finde es schade, dass sich Frauen permanent unter Wert verkaufen. Man merkt es auch in der Weiterbildungsbranche, in der ich tätig bin. Gute männliche Referenten rufen problemlos fünfstellige Beträge als Honorar auf. Wenn Frauen bei 3.000 oder 4.000 Euro sind, bekommen sie schon ein schlechtes Gewissen. Manche sogar schon viel früher.

Vielleicht sind Frauen weniger raffgierig als Männer.

Frieß: Ich weiß nicht, ob das etwas mit Raffgier zu tun hat. Wenn Menschen bereit sind, für gute Leistungen zu bezahlen, warum soll ich meine Leistung dann unter Wert verkaufen? Wenn jemand zu mir sagt: Mensch, du nimmst aber einen ordentlichen Stundensatz, dann freue ich mich. Dafür habe ich jahrelang Ausbildungen gemacht.

Können Frauen in Sachen Selbstbewusstsein von Männern lernen?

Frieß: Ja, das können sie. Um noch mal zu den Alphafrauen zu kommen. Sie verwenden sehr oft das Wort 'und‘. Sie sagen: Ich will Kinder und Karriere. Oder: Ich will Geld verdienen und glücklich sein, ich weiß, dass das möglich ist. Und nicht: Wenn du viel Geld hast, kannst du nicht glücklich sein. Das sind ja so Dinge, die kursieren und sehr hinderlich sind, weil sie mich einschränken. Alphafrauen sind souverän und bilden sich ihre eigene Meinung. Sie haben an ihrer Persönlichkeit und ihrem Selbstbewusstsein gearbeitet. Sie wissen, dass sie gut sind und kommunizieren das auch. Sie kennen ihren eigenen Wert.

Was ist Ihr wichtigster Tipp, den Sie Frauen geben, die erfolgreiche Alphafrauen werden wollen?

Frieß: Ach, es sind so viele… Ich glaube, es ist sehr wichtig durchzuhalten und sich zu sagen: Auch wenn es gerade schwierig ist, ich schaffe das. Man muss kontinuierlich an seinem Selbstvertrauen arbeiten und bereit sein, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Man muss wissen: Wer bin ich, was kann ich, was möchte ich, wohin möchte ich? Man sollte nicht zu sehr auf andere hören, sondern vor allem auf sich selbst.

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