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Selbstbefriedigung bei Frauen: Immer noch ein Tabu?

Selbstbefriedigung bei Frauen: So geht's
Selbstbefriedigung bei Frauen: So geht's Nicht nur Männer haben Spaß am Spiel mit sich selbst! 00:02:00
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Macht ein PC-Spiel die Selbstbefriedigung bei Frauen jetzt gesellschaftsfähig?

Hoffentlich redet sie nicht irgendwann auch noch. Das war leider mein erster Gedanke, als ich 'Happy' gesehen habe, die Heldin eines – noch in der Entwicklung befindlichen – Computerspiels. 'Happy' ist eine kleine rosafarbene Animation mit Kußmündchen und Trippelfüßchen. Und mit diesen Füßchen hüpft sie über meinen Bildschirm und wirft mir via Sprechblase Sätze zu wie „Come to mama“ oder „Let´s go dir-tay“. Allein dieser Satz hat mich etwas verstört: Immerhin ist 'Happy' ja die Hauptfigur in einem Spiel, das Frauen die Freuden der Masturbation näherbringen soll. Was daran „dir-tay“ ist erschließt sich nicht unbedingt.

Selbstbefriedigung bei Frauen: Wie lässt sich das Thema enttabuisieren?

Von Ursula Willimsky

'HappyPlayTimes' will, so interpretieren wir die Seite der Entwicklerinnen, nämlich alles andere als schmuddelig sein. Vielmehr sollen Frauen hier lernen, wie sie „richtig“ masturbieren und dabei soll das Thema auch gleich noch gesellschaftlich enttabuisiert werden. Ein Computer-Lernspiel für Große also mit einem großen Anspruch.

Offenbar –so die Entwicklerinnen– gibt es nämlich jede Menge Aufklärungsbedarf in Sachen Selbstbefriedigung. Auf ihrer Statistikseite erklären sie, dass fast die Hälfte aller Frauen weniger als einmal im Monat lustvoll selbst Hand anlegt (was ja im Grunde auch nicht besonders schlimm wäre, wenn die ihre Lust denn eben anders ausleben). Viele, so die Seite weiter, würden dabei oder danach von Schuldgefühlen geplagt (ein Umstand, den tatsächlich in diversen Foren Frauen, aber auch Männer, beklagen. Und noch immer gibt es Teenager, die Angst vor gesundheitlichen Folgen durchs Onanieren haben).

Die Universität Bonn dagegen fand vor einigen Jahren heraus, dass 86 Prozent aller Frauen sich regelmäßig selbst befriedigen, wobei sehr viele von ihnen diese Selbstbeschäftigung als eigenständige Spielart der Sexualität empfanden. Gerne übrigens im Kontext einer glücklichen Partnerschaft. Eine Studie fand sogar heraus, dass Frauen gerade in Zeiten, in denen es ihnen gut geht, besonders gut auch mit sich selber können. In Trennungsphasen scheint die Lust zu ruhen.

Selbstbefriedigung bei Frauen - machen wir unsere 'Happy' fröhlich!

'Happy', die unschwer als stilisierte Vagina zu erkennen ist, soll die Frauen also an ihre virtuelle Hand nehmen und ihnen zeigen, wie sie ihre ganz persönliche 'Happy' glücklich machen. Indem sie zum Beispiel mit der Maus den Teil von 'Happy' umkreisen, der die Klitoris darstellt. Wie der Highscore-Höhepunkt ermittelt wird, wissen wir aber nicht. Zählt die Schnelligkeit der Umrundungen? Oder geht das ganze Spiel auf Zeit? Und noch eine Frage hätten wir: Lernt Frau tatsächlich mit einer Computermaus, „was ihr eigener Körper mag, damit sie auch Lust mit jemandem austauschen kann?“, wie es die Seitenbetreiberinnen formulieren?

Bisher dachten wir nämlich immer, dass gerade dieser Aspekt der Sexualität in einem Feuchtgebiet stattfindet, in dem eben sonst niemand reindarf, weil es unter Privatschutz steht. Und irgendwie dachten wir außerdem, dass gerade das Erkunden des eigenen Körpers mit den ganz eigenen Phantasien und Träumen den Reiz der Sache ausmacht – eine technische Betriebsanleitung haben wohl die wenigsten bisher vermisst. Oder vielleicht doch?

Studien zeigen, dass gerade ältere Frauen –wenn sie denn die vermeintliche Männerdomäne Selbstbefriedigung für sich entdecken– zum Höhepunkt kommen. Oft sogar zum ersten Mal. Und vielleicht nutzen ja junge Mädchen lieber eine lustige Computeranimation als eine Broschüre, um sich zu informieren? Schätzungsweise die Hälfte aller 15-Jährigen hat sich schon einmal allein auf die Suche nach ihren ganz eigenen erogenen Zonen gemacht. Wenn sie das erste Mal mit einem Jungen intim werden, stehen die Chancen also gut, dass sie wissen, was ihnen und ihrer 'Happy' gefällt.

Fairerweise müssen wir zugeben, dass 'Happy' einfach netter klingt als „Vagina“ oder das schulbiologische „Scheide“. Über den Umgang mit weiblicher Sexualität gibt es ja viel Literatur. Übrigens auch speziell über die Namensgebung für die „Vulva“. Was den Männer ihr „kleiner Freund“, um mal ein nichtpornographisches Synonym zu verwenden, ist für die Frauen ihre „Mumu“ oder „Muschi“. In einschlägigen Listen findet man aber noch ganz andere Kosenamen: „Heißer Magnet“ zum Beispiel. Oder „Hafenbecken“ . Oder für die Freundinnen vieler Worte „Auster mit Perle in der Mitte“.

Ob das Spiel um die kleine fröhliche Vagina Frauen auf neue Ideen bringt, was sie mit der Perle in ihrer Mitte so alles anstellen könnten? Was haltet ihr von einem solchen Angebot? Und: Glaubt ihr, dass Selbstbefriedigung für Frauen tatsächlich immer noch ein Tabu-Thema ist?

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