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Sehschwäche bei Kindern: Mehr Routine-Untersuchungen gefordert

Sehschwäche bei Jungen häufiger unentdeckt
Sehschwäche bei Jungen häufiger unentdeckt Mädchen sprechen über Sehprobleme, Jungen nicht 00:00:28
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Kopfschmerzen bei Kindern oft Folge unentdeckter Sehschwäche

Ungefähr fünf Prozent der Kinder in Deutschland haben eine Sehschwäche. Oftmals wird die aber zu spät erkannt. Das kann schwere Folgen für die weitere Entwicklung haben. Das Problem jedoch ist: Noch gibt es bei uns zu wenig Routine-Untersuchungen der Sehkraft für Kleinkinder. Augenärzte und Optiker fordern: Das muss sich ändern.

Sehschwäche bei Kindern oft unentdeckt
Etwa fünf Prozent aller Kinder in Deutschland haben eine Sehschwäche. Diese wird jedoch oft viel zu spät entdeckt. © iStock

Im Kindergarten Rosenberg im Baden-Wüttembergischen Öhringen testen Optiker Michael Hornig und Kay-Rüder Harms, Professor für Augenoptik, das Sehvermögen der Kinder. Der fünfjährige Mark Botsch hat schon seit etwa einem Jahr eine Brille. Dass er eine Sehschwäche hat, kam nur durch Zufall heraus. „Er hatte über einen langen Zeitraum sehr starkes Kopfweh. Dann sind wir zum Kinderarzt gegangen. Dann kam raus, es liegt an den Augen und er bekam eine Brille. Nach vier Tagen waren die Kopfschmerzen weg“, schildert seine Mutter Heike Botsch.

Die Geschichte von Mark bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Oft bleiben Sehschwächen bei Kindern in Deutschland unbemerkt. Das erste Mal testen Kinderärzte die Augen routinemäßig bei der U7 – also im Alter von drei Jahren.

Sehtests erfolgen bei Kinder zu spät

Richtige Sehtests werden häufig erst dann gemacht, wenn erste Probleme in der Schule auftauchen. Dagegen kämpfen Experten wie Kay-Rüdiger Harms: „Wir wissen, dass etwa 5 Prozent der Kinder in Deutschland eine Schwachsichtigkeit aufweisen. Und da könnte man mit frühzeitigen Tests viel tun“, erklärt der Experte. In Schweden beispielsweise hätten nur 0,5 Prozent der Kinder eine solche Sehschwäche, eben weil früh und regelmäßig getestet werde. „Man sollte eigentlich schon im ersten Lebensjahr schauen, ob das Auge gesund ist“, empfiehlt Optiker Michael Hornig.

Erste aussagekräftige Tests können mit drei Jahren durchgeführt werden. Und dann regelmäßig jedes halbe Jahr – schließlich sind ja auch die Kinderaugen im Wachstum und verändern sich. Bleibt eine Sehschwäche unbemerkt, kann das ernste Folgen haben - und vor allem bleibende!

„Wenn ein Sehfehler zu spät erkannt wird, bleibt im schlimmsten Fall das beidäugige Sehen ein Leben lang gestört. Im Extremfall kann das dazu führen, dass das Gehirn ein Auge abschaltet“, warnt Hornig.

Im Kindergarten Rosenberg muss das keines der Kinder befürchten. Die Ergebnisse waren durchweg gut. Aber: Hätte zum Beispiel der kleine Mark schon früher – routinemäßig - einen Augenarzt aufgesucht, wären ihm viele Kopfschmerzen erspart geblieben.

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