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Schwestern-Wiedervereinigung nach 65 Jahren

Inge Wolf und Lydia Brigitte Teuber
Die Schwestern wurden als kleine Kinder getrennt © dpa, Marc Müller

Rührendes Wiedersehen

Nach 65 Jahren haben sich die Schwestern Lydia Brigitte Teuber und Inge Wolf wiedergefunden. Die beiden wurden nach dem Zweiten Weltkrieg voneinander getrennt. Inge Wolf war damals gerade mal vier Jahre alt und ihre Schwester ein neun Monate altes Baby.

Im September 2011 hatte Inge Wolf eine Suchanfrage beim Suchdienst des Roten Kreuzes in München gestellt. Elf Monate später, im August 2012, erhielt die gesuchte Schwester Lydia Brigitte Teuber einen Brief vom Roten Kreuz. In diesem Brief wurde sie gefragt, ob sie bereit sei, ihre Schwester Inge Wolf zu kontaktieren. Die Telefonnummer ihrer Schwester stand dabei. Mehr als eine Million anderer Fälle von Vermissten aus der damaligen Zeit sind dagegen bis heute ungeklärt.

Nach ganzen 65 Jahren trafen sich die beiden Schwestern am Ostbahnhof in München wieder und konnten es kaum glauben. "Bist du es, meine Schwester", habe Teuber, laut der 'Süddeutschen Zeitung', gefragt und Inge Wolf dann in die Arme geschlossen. Wenn sie ihre kleine Schwester anschaut, sieht sie die schönen blauen Augen ihrer Mutter.

Jahrelang lebten die Geschwister ganz nahe beieinander, ohne es zu wissen. Inge Wolf litt unter ihrem Stiefvater, während Lydia Teuber eine glückliche Kindheit am Tegernsee hatte. Ohne dass jemand davon wusste, habe die leibliche Mutter sich immer wieder nach ihr erkundigt.

Ein Leben lang hat sie sich eine Schwester gewünscht

Ihre Mutter war im Alter von 23 Jahren, war sie mit ihren beiden Töchtern aus Polen geflohen. Es gab nichts zu essen, die Fahrt in Viehwaggons war anstrengend und kräftezehrend. Unterschlupf fand die kleine Familie bei einem Bauern in Bayern. Dort lebte sie in einer kalten Abstellkammer.

Inge Wolf erinnert sich, wie sehr ihre Mutter damals mit sich gerungen habe. Schließlich war die Not zu groß und sie gab ihr neunmonatiges Baby zur Adoption frei. 1947 war das Jahr, in dem die Mutter und Inge Wolf, ihr kleines Mädchen im Arm hielten.

Nach dem Tod der Mutter und 65 Jahre später, schließen die beiden Schwestern sich nun endlich wieder in die Arme: "Ein Leben lang habe ich mir eine Schwester gewünscht", sagte Wolf der 'Süddeutschen Zeitung'. Ihr Wunsch ist in Erfüllung gegangen.

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