Schwarz-Rot-Geile Party, aber keine Ahnung von Fußball!

Schwarz-Rot-Geile Party, aber keine Ahnung von Fußball!
Schwarz-Rot-Geile Party, aber keine Ahnung von Fußball! © dpa, Malte Christians

Alle zwei Jahre wird die Fan-Kollektion rausgekramt

Es gibt Farbkombinationen, die einfach nicht schön sind: Zu schrill, zu fad oder sie „beißen“ sich. Aus einigen davon werden 'Ed Hardy'- Klamotten gemacht und der untragbare Rest findet sich im bunten Spektrum der Nationalfarben wieder. Die muss man nicht ständig angucken, eine Flagge braucht kein passendes Make-up und man muss sie nicht anziehen.

Von Karla Steuckmann

Außer im Moment. Wir haben nämlich mal wieder Fußball und gefühlte 75 Prozent der Deutschen behängen sich mit unseren wirklich nicht sehr kleidsamen Nationalfarben. Jede einzelne davon ist kein Knaller und kommt mir nicht in den Schrank, aber in Kombination sind sie nur oben an einem Mast wirklich gut auszuhalten. Ich kann ja noch verstehen, wenn Männer ihren Golf als Staatskarosse verkleiden: Nylonüberzieher an den Außenspiegeln, -Felgenpuschen und Nationalläppchen am Fenster. Schließlich trägt dieses Geschlecht auch immer noch Socken in Sandalen und braune Cordhosen, da kann ein Podolski-Trikot das Outfit nicht mehr verheeren, selbst wenn es an den Hüften spannt und zum Nahtdekor passende Bierflecken in – nennen wir es mal – Gold aufweist.

Aber es laufen ja 75 Prozent so rum, heute Abend sicher noch mehr. Das bedeutet, dass auch immer mehr Frauen während Fußball Meisterschaften zur farblichen Desorientierung neigen. Und wie! Alle zwei Jahre wird die Fan-Kollektion aus der Mottenkiste gekramt und das Hawai-Gebammel in Fehlfarben um den Hals gehängt. Es soll sogar Dessous im National-Look geben. Da bekommt der Begriff 'Fankurve' ganz neuen Inhalt und im Strafraum ist das Handspiel erwünscht…

Auch Ahnungslose tragen plötzlich schwarz-rot-gold

Aber das ist Privatsache und Fußball das Gegenteil davon, denn dabei kann man so schön Teil einer Masse werden: Nämlich Fan von einem Mannschaftssport für Grobmotoriker und damit eine von ganz vielen und alle sind irgendwie gleich: Ballettratten tanzen die La-Ola-Welle; Querflötenspielerinnen blasen langgezogene Fürze auf der Vuvuzela in den Nachthimmel und Dressurreiterinnen geben Punktabzug für Blutgrätschen an der Strafraumgrenze. Natürlich regen sich alle Jahre wieder irgendwelche Sportkanal-Gucker darüber auf, dass die Chicas im National-Tanktop beim Public-Viewing nur Yoga- aber keine Abseitspositionen erklären können. Aber darum geht es bei der EM-Hysterie wirklich nicht. Es geht um mehr:

Normalerweise trennen uns Welten voneinander, doch König Fußball eint uns. Es ist egal, ob du im Management oder am Empfang arbeitest, ob du nach Malle oder auf die Malediven fliegst: Das, was alle gemeinsam haben, ist in diesem Fall die Nationalität und der Spaß an der Party. Zumindest bis die Deutschen rausfliegen. Dann ist wieder Schluss mit Ole – Deuheut-Schlaaaand und Ohohohohoooo Gesängen. Für den Spaß am zusammen Feiern muss man die wenig kleidsame Farbkombi mal für ein paar Wochen aushalten. Es könnte schlimmer kommen, orange zum Beispiel…

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