Schwangerschaft nach Chemotherapie: Das müssen Sie wissen

Schwangerschaft nach Chemotherapie: Das müssen Sie wissen

Eine Schwangerschaft nach Chemotherapie ist nicht ausgeschlossen

Schockdiagnose Krebs - das bedeutet meist erst mal Kampf ums Überleben. Hat man die Krankheit besiegt, können die Neben- und Nachwirkungen trotzdem das Leben stark belasten. Sylvie van der Vaart meint, dass ihre Ehe auch daran scheiterte, dass sie durch ihren Brustkrebs nicht nur ihre Unbeschwertheit, sondern auch die Möglichkeit weitere Kinder zu bekommen, verloren hat. Früher war das selbstverständlich- aber heute? Kann sich der Kinderwunsch trotz Krebs noch erfüllen?

Von Dagmar Baumgarten

Die Moderatorin Miriam Pielhau hatte ebenfalls Brustkrebs. Doch sie bekam vier Jahre nach der Diagnose eine gesunde Tochter. Sie selbst bezeichnet es als ein Wunder. Für sie selbst fühlt sich das bestimmt auch so an - aus medizinischer Sicht gibt es heutzutage aber durchaus Möglichkeiten auch nach einer Krebs- Diagnose noch Kinder zu bekommen. Das gilt sowohl für Frauen, als auch für Männer! Denn auch Männer leiden sehr darunter, dass sie nach einer Krebstherapie eventuell nicht mehr zeugungsfähig sind.

Der häufigste Grund für Kinderlosigkeit nach Krebs sind die aggressiven Behandlungsformen, mit der man die Krankheit bekämpft. Die gängigsten Methoden dabei: Strahlen oder Chemo-Therapie. Um zu verhindern, dass die bösartigen Zellen weiter wachsen, verwendet man häufig Zytostatika. Da sie durch das Blut über den ganzen Körper verteilt werden, schädigen sie aber auch gesunde Zellen. Am deutlichsten zu erkennen, ist das am Haarausfall. Auch Keimzellen sind davon betroffen.

Wie wirkt sich also die Chemotherapie auf die Fruchtbarkeit aus? Das hängt von drei Faktoren ab:

1) Der Art des Medikaments. Das bekannteste Medikament Cyclophosphamid greift besonders die Eierstöcke und damit die Eizellen an. Es gibt aber mittlerweile Alternativen.

2) insbesondere bei Frauen spielt das Alter eine Rolle. Im Laufe eines Lebens reifen bei einer Frau ca. 500 gesunde, befruchtungsfähige Eizellen heran. Je älter eine Frau ist, umso weniger Eizellen hat sie noch zur Verfügung. Werden diese durch eine Chemotherapie geschädigt, oder verringert, sinkt dadurch die Wahrscheinlichkeit auf eine Schwangerschaft.

3) der Höhe der Dosis. Je größer die Medikamentenmenge ist, die verabreicht werden muss, umso mehr Nebenwirkungen gibt es natürlich. Männer produzieren zwar fortlaufend Spermien, dafür brauchen sie aber bestimmte Samenstammzellen. Werden sie durch die Behandlung geschädigt, oder zerstört, bleibt der Mann unfruchtbar. Solange aber noch einige Stammzellen erhalten bleiben, erholt sich die Samenproduktion. Es kann Monate, manchmal Jahre dauern, aber dann ist eine Zeugung wieder möglich.

Maßnahmen schon vor der Krebs-Behandlung ergreifen

Was passiert bei einer Strahlentherapie?

Hier wird mit starken Strahlen ein begrenztes Gebiet behandelt.

Dies wird zum Beispiel bei Gebärmutterhalskrebs gemacht. Auch hier hängt die Schädigung von der Häufigkeit der Behandlung und der Stärke der Strahlen ab. Um die Eierstöcke zu schützen, gibt es allerdings die Möglichkeit, sie durch eine Operation aus dem Strahlungsfeld zu verlagern.

Bei Krebs-Operationen gilt: Wenn eine Frau operiert werden muss, kann sie nach der Entfernung eines einzigen Eileiters noch schwanger werden. Müssen beide entfernt werden, ist eine natürliche Zeugung nicht mehr möglich. Gänzlich unmöglich wird eine Schwangerschaft bei der Entfernung der Gebärmutter.

Für Männer gilt: Falls ein Hoden entfernt werden muss, produziert der andere Hoden in der Regel ausreichend genügend Spermien, so dass die Zeugungsfähigkeit erhalten bleibt.

Welche Maßnahmen kann man vor einer Behandlung treffen? Am populärsten ist mittlerweile das Einfrieren von Eizellen, Eierstockgewebe, und Samen.

Am größten ist die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden, wenn man bereits befruchtete Eizellen einfriert, die man später einsetzen kann. Dazu braucht man allerdings eine begleitende Hormontherapie. Das bedeutet, dass eine Chemo oder Strahlen-Therapie so lange hinausgezögert werden muss, bis der Arzt erfolgreich ca. 20 Eizellen entnehmen kann. Das sind meistens zwei Wochen. Früher galt dieses Vorgehen vor allem bei Brustkrebs als undenkbar, weil man Hormone mitverantwortlich für das Krebswachstum machte. Heutzutage ist es allerdings sehr umstritten, ob eine kurzzeitige Hormontherapie das Krebswachstum wirklich beeinflusst.

Eine neue Methode die Eizellen vor der Chemotherapie zu schützen, ist die Gabe von Antihormonen. Sie stellen die Tätigkeit der Eierstöcke ein. Dadurch reifen die Eizellen nicht heran, und werden so theoretisch weniger stark durch die Zellgifte der Chemotherapie angegriffen. Auch nach einer Krebserkrankung kann sich also ein Kinderwunsch noch erfüllen.

Damit sollte man allerdings nach der Behandlung noch mindestens zwei Jahre warten, raten Ärzte. Denn dann ist das Rückfallrisiko stark verringert, und der Körper hat auch wieder genug Kraft für eine Schwangerschaft.

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