Schwanger & Sexsymbol: Geht das überhaupt?

Eine schwangere Frau ziert das Cover des Playboys
Eine schwangere Frau ziert das Cover des Playboys

Kann eine Schwangere ein Sexsymbol sein?

Darf es noch was mehr sein? Diese Frage wird häufig im Zusammenhang mit der abzuwiegenden Menge an der Metzgertheke gestellt. Es war nur eine Frage der Zeit, dass der Playboy als Fachblatt für Fleisch im Bild darauf mit: „Ja, gerne!“ antwortet. Das Cover der Mexiko-Ausgabe zeigt das argentinische Topmodel Dorismar mit ordentlich „was mehr“ um den Bauch rum. Die 37 Jährige ist auf dem Bild im fünften Monat schwanger.

Von Karla Steuckmann

Keine Frage - sie sieht klasse aus! Eine wunderschöne Frau, mit einem ästhetisch einwandfreien Bauch, wie ihn sich wahrscheinlich 90 Prozent aller Normalo-Schwangeren wünschen. Dank Körper-Make-up und Bildbearbeitung verunziert nicht ein Schwangerschaftsstreifen, kein geplatztes Blutgefäß und natürlich auch kein Krampfäderchen den bronze-braunen Körper der werdenden Modelmami. So schön kann schwanger sein. Muss aber nicht. Und damit sind wir beim Knackpunkt.

Erst gestern unterhielt ich mich mit einer Kollegin, die im Hochsommer ihr Baby bekommt. Obwohl sie zurzeit schon beim Schälen eines Apfels in Schwitzen kommt, meint sie, das sei besonders praktisch. Wegen der höheren Außentemperaturen müsse sie sich nicht so eine teure Zeltkollektion anschaffen: „Ein paar Schlabberkleider reichen.“ Außerdem spare sie sich neue Schuhe zwei Nummern größer. Bis zur Niederkunft passen Flip Flops und Birkenstöckel, danach schwellen die Füße hoffentlich wieder auf Größe 38 ab. Der Playboy adelt also keineswegs die natürliche Weiblichkeit mit einer Schwangeren auf dem Titel. Im Gegenteil: Er diktiert nun auch für werdende Mütter ein völlig unrealistisches Schönheitsideal, das im Grunde nur einen neuen Kick zum Aufgeilen all jener Typen darstellt, die besser gucken als lesen können. Dass der Playboy wegen seiner „tollen Reportagen“ gekauft wird ist ungefähr so realistisch wie Veganer, die wegen der leckeren Beilagen-Salate ins Steakhaus gehen, um beim Thema Fleisch zu bleiben…

Schwangeres Sexsymbol für Fetischisten?

Das „Herrenmagazin“ signalisiert mit seinem Titel: Schwanger? Egal! Hauptsache geil! Dabei ist gerade die Zeit der Schwangerschaft dazu geeignet, sich von überflüssigen Eitelkeiten und überhöhten Ansprüchen an den eigenen Körper zu verabschieden. Ja, man darf zunehmen. Ja, man darf im Liegestuhl bleiben, wenn die Pilates-Gruppe tagt. Nein, man kommt irgendwann weder mit dem Rasierer an die Waden, noch mit dem Lack an die Fußnägel ohne das Kind zu gefährden. Dennoch sind die meisten Schwangeren wirklich schön. Aber sie sind nicht so schön geil wie auf dem Playboy Cover, sondern schön natürlich, weil sie zufrieden vor sich hin strahlen.

Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden: Es ist toll, dass Schwangerschaft heute nicht mehr schamvoll versteckt wird wie zu Großmutters Zeiten, als man „von anderen Umständen“ tuschelte. Mir gefällt es, dass die jungen Frauen Bauch zeigen und nicht verhängen. Sie ist schließlich keine peinliche Krankheit wie Fußpilz, aber zum Kult muss sie auch nicht erhoben werden. Als Fantasievorlage für Männer, auf die Frauen in Häschen-Outfits nicht abtörnend albern wirken, braucht Schwangerschaft wirklich nicht zu dienen. Ja - es darf was mehr sein an der Fleischfront, aber es muss nicht dauernd und erst recht nicht mit Photoshop bearbeitet auf einem Playboytitel.

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