SCHWANGERSCHAFT SCHWANGERSCHAFT

Schwanger oder nicht: Wenn alle auf das Baby warten

Schwanger oder nicht
Ist das da ein Babybauch?

"Bist du endlich schwanger oder nicht?"

„Nein, oh Gott, nein - ich bin nicht schwanger!“, schrecken Jennifer Aniston und Raffaels Sabia wahrscheinlich nachts schon schweißgebadet hoch, um sich reflexartig zu entschuldigen, dass bei ihnen, sorry und verdammt noch mal immer noch kein Baby in Sicht ist! Und sie können sich jetzt schon mal freuen – ist der Pipi-Test wirklich endlich positiv, geht der tägliche Terror erst richtig los! Warum werden wir, wenn es um Schwangerschaft und Babies geht, bloß so hemmungslos penetrant?

Von Dagmar Baumgarten

Einmal wie ein Promi fühlen. Ha, endlich weiß ich mal, wie das ist. Wenn man ständig mit denselben Fragen genervt wird. Man sollte es zu einer Olympischen Disziplin erklären: Das Schwangerschafts-Spießrutenlaufen! Dann gäbe es wenigstens eine Medaille für diesen Nerv-Marathon. Für diese ständige Fragerei: „Sag mal Kind, wann wollt ihr denn mal Nachwuchs haben?“ „Äh, wir wollen uns noch Zeit lassen“, „Ja, aber warum denn?“, flankt die nächste Verwandte von rechts: “Du wirst doch nicht jünger!“

Ehe man antworten kann, grätscht die Cousine dritten Grades dazwischen. Mit pseudoverständnisvollem Blick flüstert sie für alle hörbar: „Sag mal, wie lang probiert ihr es denn schon, liegt’s an ihm - kann er nicht so richtig?“, „Was ist denn jetzt mit Enkeln“, fragt, nein brüllt die Oma dazwischen, deren Hörgerät-Batterien schon wieder nachlassen. „Nichts! Jetzt lass uns doch alle was essen gehen!“, brüllt man hilflos zurück, leider zu leise, denn die Oma hakt nach „Was sachste? Du hast Angst vor Presswehen?“

Spätestens bei der dritten Familienfeier, bei der man als gebärfähige Frau, womöglich auch noch jung verheiratet, auftaucht, ist man durch die projizierten Baby-Wünsche der Anderen so weichgekocht, dass man fast freiwillig zugibt, unfruchtbar, unbrauchbar und auch noch eine frigide Kuh zu sein, deren einzige Leidenschaft es ist, den Fortbestand der Familie vorsätzlich und bösartig zu gefährden, und die sich deshalb den einzigen impotenten Mann geschnappt hat, der draußen rumlief!

"Ach wird schon - bald klappt es!"

Erholung gibt’s ja dann bei Freunden und Bekannten. Denkt man. Von wegen. Die reihen sich in das Baby-Bombardement nahtlos ein. Auf gar keinen Fall darf man nach einer Hochzeit zunehmen. Was natürlich automatisch passiert, wenn man sich in das schicke Hochzeitskleid vorher extra reingehungert hat und in den Flitterwochen froh war, endlich mit der scheiß Kalorienzählerei aufhören zu können. Die Erholung ist jedenfalls schnell vorbei, wenn sofort alle auf die Körpermitte starren, die man eine Millisekunde zu spät eingezogen hat und freudestrahlend losposaunen „Ach, wie schön - man kann schon was sehen - du bist schwanger - stimmt’s?“

Das mittlerweile durch die ständige Wiederholung gepresst klingende “Nein, wir wollen noch warten“ wird dann gerne als unausgesprochene „Dabei versuchen wir es ständig, ich stell mich schon auf den Kopf dabei“-Verzweiflung missverstanden. Im besten Fall folgen dann tröstende Worte: „Ach wird schon, sollste mal sehen, bald klappt es und dann ändert sich alles - das wird so toll!“ Das hofft auch die Kollegin, die daneben steht und einem am liebsten künstliche Hormone in den Kaffee mischen würde, damit man als hoffentlich bald werdende Mutter endlich den Weg freimacht für die Geburt der eigenen Karriere!

Und das ist ja nur die Pflicht! Hat man die überstanden, folgt die Kür: Wenn man also - endlich!!! und das wurde aber auch Zeit!!! - schwanger ist, geht der Spaß erst richtig los. Schockiert musste ich immer wieder beobachten, wie hemmungslos dann viele werden. Vielleicht hat mich das bis jetzt als natürliche Verhütungsmaßnahme davon abgehalten, wirklich schwanger zu werden. Denn ich kann meine genervten Freundinnen und Kolleginnen so gut verstehen, dass sie es leid sind, ständig ungefragt betatscht zu werden. Die wachsende Kugel am Bauch löst bei manchen Grabbel- und Grabsch-Reflexe aus, die schon beim Zugucken Fremdscham auslösen.

Und werdende Mütter finden es auch gar nicht so toll, jeden Tag daran erinnert zu werden, dass der Bauch ja schon wieder gewachsen ist! Und sich dann noch irgendwelche Horrorgeschichten anzuhören von der Schwägerin einer Tante, die mal jemanden kannte, die in 56-stündigen Terrorwehen lag!

Also, Jen und Sabia, bringt es lieber hinter euch - werdet schnell schwanger, verbringt die neun Monate aber irgendwo, wo Kinderkriegen noch so was Natürliches und Normales ist, dass man euch weder mit gut gemeinten Ratschlägen überversorgt und total verunsichert, noch ständig enthemmt betatscht!

Anzeige