Schwanger nach Vergewaltigung: Mutter liebt Sohn dennoch über alles

Monika wurde durch eine Vergewaltigung schwanger

"Gut, dass du mich bekommen hast, Mama!" Wenn Marlon (Name von der Redaktion geändert) das zu seiner Mutter sagt, kommen dieser jedes Mal fast die Tränen. Ihr Kind zu behalten, hat die junge Frau tatsächlich eine Menge Überwindung gekostet. Marlon wurde bei einer Vergewaltigung gezeugt - und das hat sie dem Zehnjährigen jetzt auch gesagt. Einfach hat es diese Frau lange nicht mehr gehabt. Wir nennen sie Monika und verändern für das Interview ihre Stimme, damit sie unerkannt bleibt.

"Ich habe versucht, die Erinnerungen einfach zu verdrängen. Und einfach nur Mutter zu sein", erzählt Monika. In der Schwangerschaft ging es ihr nicht gut, dennoch sehnte sie da bereits den Tag herbei, an dem sie ihr Baby in den Armen halten konnte. Als Marlon zur Welt kam, hat sie sich über ihn gefreut: "Das Kind kann ja nichts dafür".

Marlon wurde im Oktober 2002 in einer öffentlichen Toilette in Köln gezeugt. Als Monika die Tür zur Toilette öffnete, packte sie ein Mann und drängte sie in die Toilette: "Ich war praktisch wie gelähmt. Ich konnte nicht reagieren." Später wird ihr klar, dass sie schwanger ist - von ihrem Vergewaltiger. Da Monika sehr gläubig ist, kam eine Abtreibung für sie nie in Frage.

Psychologin Claudia Pepper erzählt, dass Monika noch etwas anderes Wichtiges geschafft hat, um ihr Kind annehmen zu können: Sie hat ihren Sohn mental von diesem Trauma getrennt. Hätte sie das nicht getan, wäre Marlon immer wieder der Auslöser für die Erinnerung an das traumatische Ereignis und sie könnte die Vergewaltigung nie richtig verarbeiten.

Während der Schwangerschaft wurde Monika immer wieder depressiv - mit der Geburt ihres Sohnes verbesserte sich ihr Zustand jedoch: "Die Kraft hat mir mein Sohn gegeben. Ihn anzusehen, die Laute, die er machte. Er ist einfach so süß, wie er ist." Normalisiert hat sich ihr Leben nach der Vergewaltigung dennoch nicht. Monika hat Panikattacken, gegen die sie eine neue Therapie beginnen will. Mittlerweile hat sie Marlon erzählt, wie er gezeugt worden ist. Erst habe er viel geweint, wie Monika erzählt - danach sagte er seiner Mutter, er sei froh, dass sie ihn trotzdem bekommen hat. Der Vergewaltiger, Marlons Vater, wurde bis heute nicht gefunden.

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