SCHWANGERSCHAFT SCHWANGERSCHAFT

Schwanger nach Krebs: Baby trotz Chemo?

Baby trotz Chemotherapie
Baby trotz Chemotherapie Geheilt und schwanger 00:02:30
00:00 | 00:02:30

Schwangerschaft nach überstandenem Krebs

Christina Applegate bekam nach der Brustkrebs-Diagnose ein Kind, Kylie Minogue blieb ihr sehnlicher Wunsch "Schwanger nach Krebs" versagt: Die Medikamente, die sie nehmen müsse, machten eine Schwangerschaft unmöglich, erklärte sie in einem Interview. Bei Minogue war der Krebs 2005 diagnostiziert worden. Die Krankheit habe sie persönlich reifen lassen, aber der Verzicht auf ein Baby mache ihr schwer zu schaffen, "wenn du sicher bist, dass du diesen Weg nicht gehen willst, dann ist es okay, aber so ist es kein Spaß", sagte sie der Zeitschrift "Intouch".

Schwanger nach Krebs: Baby trotz Chemo?

Von Ursula Willimsky

Minogue und Applegate zählen zu den jüngeren Krebskranken - Brustkrebs tritt meist erst bei älteren Frauen ab etwa 60 Jahren auf. Beide sind durchaus noch im gebärfähigen Alter. Aber wieso kann die eine trotz überstandener Erkrankung ein Baby bekommen und die andere nicht? Weshalb gibt es ganz generell Frauen, die nach dem Krebs Mutter werden und anderen ist diese Lebensoption verwehrt?

Wir sprachen mit der Biologin Dr. Stefanie Seltmann vom Krebsforschungszentrum in Heidelberg über diese Frage, die ja so viele Frauen betrifft, bei denen Brustkrebs - oder eine andere Krebserkrankung - diagnostiziert wird. Ganz vereinfacht gesagt: Die Frage Baby oder nicht entscheidet die Krankheit selbst, die bei jeder Frau anders verläuft und anders behandelt werden muss.

Die medikamentöse Behandlung kann den ganzen Körper schädigen, auch die Fortpflanzungsorgane. Seltmann: "Es kann sein, dass eine sehr intensive Chemotherapie die Eierstöcke unwiederbringlich schädigt." Zudem müssten viele Frauen nach einer derartigen Behandlung Hormone oder Antihormone nehmen, die verhindern, dass Zellen im Körper wachsen und sich teilen. Die Frau wird also vorzeitig in die Wechseljahre versetzt. "In beiden Fällen werden die Eierstöcke lahmgelegt, die Frau kann keine Kinder mehr bekommen."

Und auch eine künstliche Befruchtung gilt als nahezu ausgeschlossen, wenn der Krebs ersteinmal erkannt ist: Das Einfrieren von Eizellen funktioniert aus noch nicht bekannten Gründen nur dann, wenn die Eizelle befruchtet ist. Um aber eine Eizelle mit Erfolg befruchten zu können, müsste die Frau, so erklärt es die Biologin, sich einer Fruchtbarkeitsbehandlung unterziehen, bei der sie viele Hormone verabreicht bekäme. Undenkbar bei einer Patientin, die an Brustkrebs leidet.

Bei jeder Frau sind Krebs und Therapie anders

Immerhin: Es gebe einen zarten Hoffnungsschimmer. In den USA gibt es erste Erfolgsmeldungen mit einer im positiven Sinne radikaleren Methoden. Dort gelang es Medizinern in Einzelfällen, vor einer aggressiven Krebsbehandlung die Eierstöcke der Frau komplett zu entnehmen - und sie nach Abschluss der Behandlung wieder einzusetzen. Allerdings ist diese Therapieform erst im experimentellen Stadium und noch weit davon entfernt, zur Routine zu werden, so Seltmann. Aber dennoch gibt es sie ja, die Frauen, die nach Krebs Mamas wurden. Diese ehemaligen Patientinnen hatten eine Krebsform, die nicht mit extrem aggressiven Medikamenten behandelt werden musste.

Generell gilt: "Jede Frau und jede Krebserkrankung ist anders - und muss anders behandelt werden." Im einen Fall sehr aggressiv, im anderen Fall so "schonend", dass eine Schwangerschaft möglich bleibt. Auf jeden Fall müsse jede Therapie, so die Expertin, ganz detailliert am Einzelfall ausgearbeitet werden. Und das gleiche gelte auch für den Kinderwunsch. "Bei der einen Frau kann eine Schwangerschaft völlig unproblematisch sein, bei der anderen höchst riskant."

Die Expertin rät deshalb jeder betroffenen Frau, sich nicht nur von ihrem Gynäkologen, sondern auch mit einem Onkologen oder auch einem Human-Genetiker beraten zu lassen. Denn gerade bei jüngeren Frauen, die an Brustkrebs erkranken, besteht die Gefahr, dass das Brustkrebsrisiko im Erbgut verankert ist. Diese Frauen müssten dann auch noch entscheiden, ob sie tatsächlich dieses Risiko an die nächste Generation weiter geben wollen.

Zudem werde bei jeder Schwangerschaft der Körper von Wachstumshormonen überflutet. Und niemand könne hundertprozentig sagen, ob der Krebs dann nicht wiederkomme. Gerade bei Brustkrebs sind Fälle bekannt, bei denen die Erkrankung nach 15 Jahren wieder auflebte. "Das muss jede Frau für sich selbst entscheiden, ob sie diese Risiken auf sich nimmt. Lieber ganz schnell ein Kind? Oder warten?" - Fragen, so die Wissenschaftlerin, die unbedingt in langen Gesprächen mit Experten und dem Partner geklärt werden sollten. Die eine Frau mag sich dann nach reiflicher Überlegung gegen Kinder entscheiden, die andere für Kinder. Jede Frau, die an Krebs erkrankte, wird in dieser Frage ihren eigenen Weg finden müssen.

Aber sie muss diesen Weg nicht ganz allein gehen: Sie kann mit ihren Ärzten sprechen. Die meisten Brustzentren bieten inzwischen Kinderwunsch-Sprechstunden an. Auf der Seite des deutschen Krebsforschungszentrums www.krebsinformationsdienst.de finden betroffene Frauen detaillierte Informationen. Unter der kostenlosen Nummer 0800 420 30 40 können sie sich auch von Mitarbeitern des Krebsinformationsdienstes beraten lassen.

Anzeige