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Schwanger im Job: Yahoo-Chefin Marissa Mayer als Vorbild?

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Schwanger im Job - wie gut kann das klappen?

Marissa Mayer ist ein Star in Silicon Valley. Die Informatikerin war maßgeblich am Erfolg des Suchmaschinen-Konzerns Google beteiligt, für den sie 13 Jahre arbeitete. Seit Montag hat Mayer einen neuen Job: Die 37-Jährige ist neue Vorstandschefin von Yahoo. Dass sie im Oktober ihr erstes Kind erwartet, war kein Problem für ihren neuen Arbeitgeber.

Marissa Mayer
Marissa Mayer © dpa, Handout

Von Christiane Mitatselis

Yahoo setzte somit ein Zeichen für die Gleichberechtigung. Nie zuvor übernahm eine Frau, die ein Kind erwartet, einen so herausragenden Posten in der freien Wirtschaft. "Sie denken sehr fortschrittlich", sagte Mayer und kündigte gleichzeitig an, dass sie nach der Geburt nur wenige Wochen pausieren und sich sofort wieder in die Arbeit stürzen wolle. Sie gilt als Prototyp des Workoholic, als innovativ und durchsetzungsfähig.

Mayer wird sich exzellente Kinder-Betreuung leisten können. Aufgrund ihres frühen Einstiegs bei Google - sie begann 1999 als Mitarbeiterin Nummer 20 - ist sie steinreich. Ihr Privatvermögen wird auf mehrere 100 Millionen Dollar geschätzt. Auch ihr Mann, der Immobilieninvestor Zachary Bogue, nagt nicht am Hungertuch. Dennoch geht Mayer ein großes Wagnis ein - und zwar nicht nur, weil es ihr erstes Kind ist und sie nicht genau weiß, was auf sie zukommt. Ihre Aufgabe bei Yahoo ist maximal anspruchsvoll. Der 1994 gegründete Internet-Veteran befindet sich in einer schwierigen Situation, hat Talente und Marktanteile an Google und Facebook verloren und in kurzer Zeit zwei Chefs verschlissen. Mayer, zuletzt für Google Maps und Earth zuständig, soll Yahoo einen neuen Geist einhauchen - und zwar möglichst schnell. Großinvestoren wie Daniel Loeb vom New Yorker Hedgefonds Third Point machen bereits Druck. Es kommt viel auf Mayer zu.

Marissa Mayer: Karrieregeil und egoistisch?

In Deutschland gibt es in der Politik ein paar Frauen in Spitzenpositionen, die vorgemacht haben, dass Kinderkriegen kein Job-Hindernis ist. CDU-Familienministerin Kristina Schröder bekam 2011 eine Tochter und kehrte nach knapp dreimonatiger Pause ins Amt zurück. Im gleichen Jahr brachte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles eine Tochter zur Welt und gönnte sich auch nur eine kurze Auszeit. Nahles berichtete allerdings, dass sie böse Briefe erhalten habe, in denen sie - vor allem von Männern - als karrieregeil und egoistisch beschimpft wurde.

Man könnte meinen, dass besonders viele so denkende Männer in den entscheidenden Positionen der großen deutschen Firmen sitzen. Nur 20 Prozent der Führungsposten sind hierzulande mit Frauen besetzt. Ganz oben wird die Luft sehr dünn. Lediglich 3,4 Prozent der Vorstände der Dax-Unternehmen sind weiblich. Es ist bisher undenkbar, dass ausgerechnet eine Schwangere die Führung eines Spitzenunternehmens übernimmt, das dringend in eine bessere Bahn gebracht werden muss.

Die Amerikaner sind pragmatischer - und deshalb oft auch erfolgreicher. Marissa Mayer ist die Idealbesetzung für den Yahoo-Job? Sie ist schwanger? Kein Problem! Da sie eine Frau ist, die viel erreicht und sich durchgesetzt hat, wird sie auch Wege finden, Kind und Job unter einen Hut zu kriegen. Und zwar ohne das eine oder andere zu vernachlässigen.

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