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Schutz vor Gewalt: Diese Rechte haben Kinder

Schläge und Erniedrigungen gehören für viele Kinder zum Alltag im Elternhaus.
Schläge und Erniedrigungen gehören für viele Kinder zum Alltag im Elternhaus. © dpa, Patrick Pleul

Wenn Kinder von ihren Eltern geschlagen oder vernachlässigt werden, zeichnet sie das meist ein Leben lang. Viele haben mit Depressionen, mangelndem Selbstvertrauen, aber auch Aggressionen zu kämpfen. Viele Kinder und Teenager fühlen sich hilflos ausgeliefert und wissen nicht, an wen sie sich wenden können. Was können Kinder und Jugendliche tun, die Opfer von Gewalt werden? Und wo finden Sie Hilfe?

Nur in der Hälfte der Länder dieser Welt ist es verboten, Kinder in der Schule körperlich zu bestrafen. Aber auch in der eigenen Familie erleben viele Kinder Gewalt. In den Industrieländern sterben jedes Jahr etwa 3.500 Kinder an den Folgen von Misshandlung oder Vernachlässigung durch die eigenen Eltern. Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnet für das Jahr 2010 3.738 Fälle von Kindesmisshandlung in Deutschland. Die Folgen psychischer und physischer Gewalt, Verwahrlosung und Erniedrigung reichen von mangelndem Selbstwertgefühl und Vertrauen, Suchtanfälligkeit, Depressionen bis hin zum Erlernen von Gewalt als Konfliktlösungsstrategie.

„Das Recht auf Schutz vor Gewalt“ (Artikel 19) sieht vor, dass alle Kinder auf der Welt Anspruch auf den Schutz vor Misshandlung, Gewalt und Vernachlässigung haben. Ausgehend von der Annahme, dass für Erziehung und Entwicklung des Kindes in erster Linie die Eltern zuständig sind, müssen diese in geeigneter Form bei der Erfüllung dieser Aufgabe unterstützt werden. Darüber hinaus haben Kinder das Recht auf besonderen Beistand und Schutz des Staates (UN-Kinderrechtskonvention Artikel 18). Dies gilt vor allem dann, wenn die eigene Familie der Erziehung nicht angemessen nachkommt, das Kind vernachlässigt oder misshandelt.

Das können betroffene Kinder und Jugendliche tun:

- Kinder sollten sich an erwachsene Vertrauenspersonen wie Verwandte oder Lehrer wenden, wenn sie Ärger mit den Eltern haben.

- Kinder sollten Beweise sammeln! Sie können beispielsweise blaue Flecken fotografieren, Vorfälle mit Datum protokollieren und Zeugen notieren.

- Bei wichtigen Gesprächen, z.B. mit dem Jugendamt, sollten Kinder stets Zeugen mitnehmen. Diese können auch seelischen Beistand liefern.

- Wenn das Vortragen beim Amt nichts bringt, sollten sie sich an den Kinderschutzbund wenden.

- Kinder und Jugendliche selbst können sich bei Problemen an das kostenlose Kinder- und Jugendtelefon der „Nummer gegen Kummer“ wenden. Die Beratung ist anonym. Die Beraterinnen und Berater des unterliegen der Schweigepflicht und müssen die Gespräche vertraulich behandeln.

- Das Kinder- und Jugendtelefon ist über Festnetz oder Handy bundesweit kostenfrei zu erreichen unter der einheitlichen Telefon-Nr.: 0800.111 0 333. Die Beratungszeiten sind: Montag bis Samstag von 14.00 bis 20.00 Uhr.

- Wird ein Prozess in Gang gesetzt, erhält das Kind einen Verfahrenspfleger, den sogenannten "Anwalt des Kindes". Der soll die Rechte des Kindes vor der Justiz besser vertreten.

Das können Erwachsene tun, die Verhaltensauffälligkeiten feststellen:

- Grundsätzlich gilt: Wenn Sie den Verdacht haben, dass ein Kind in Ihrer Umgebung misshandelt oder vernachlässigt wird, greifen Sie ein.

- Wenden Sie sich in dem Fall direkt an Fachleute von Jugendämtern, Beratungsstellen oder an die Polizei – das können Sie auch anonym tun.

- Auch wenn die Polizei keine Einrichtung der Opferhilfe ist, gibt es auch dort Spezialisten wie Jugendbeauftragte oder Jugendsacharbeiter, die Sie gerne beraten.

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